Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Category: Rezensionen

 

Autor:

Lize Spit
Verlag: S. Fischer
ISBN-10: 3103972822
Gebundene Ausgabe 505 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Sprachlich brillantes Debüt, das an die Grenzen geht und darüber hinaus

Inhalt:

Eva wächst mit ihren Geschwistern in einem desolaten Elternhaus auf. Für die kleine Tesje, die zunehmend Zwangsstörungen entwickelt, ist sie der einzige Halt und Ruhepunkt, denn die alkoholkranken und depressiven Eltern haben genug mit sich selbst zu tun. Um ab und an der Verantwortung zu entfliehen, sucht sie jede Gelegenheit, mit ihren gleichaltrigen Freunden Pim und Laurens abzuhängen. Doch der Sommer 2002 ändert alles. Die zunehmende Entdeckung der Sexualität bei den Teenagern entwickelt sich zu einer Spirale aus Abhängigkeit und Obszönität und eskaliert schließlich in erschreckendem Ausmaß.

Dreizehn Jahre später kehrt Eva zurück in ihr Heimatdorf, im Kofferraum einen Eisblock …

Meine Meinung:

Der Debütroman von Lize Spit ist tatsächlich eines der am längsten nachhallenden Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Gerade der sachliche, nüchterne Erzählstil schockiert unzählige Male zutiefst. Der Autorin gelingt es meisterhaft, permanent Fragen aufzuwerfen, die ein Ablassen von der Lektüre nahezu unmöglich machen.

Ich durfte den Roman im Rahmen einer Leserunde lesen und habe so nach ca. je 100 Seiten eine kleine Pause eingelegt, um das Gelesene sacken zu lassen. Dies war auch gut so, denn einiges ist wirklich schwer erträglich. Dabei liegt über allem permanent eine so unheilvolle Stimmung, dass ich jedes Mal Angst hatte, einen neuen Abschnitt zu beginnen, mich der Faszination jedoch trotzdem nicht entziehen konnte. Besonders der letzte Abschnitt ist harte Kost, die ganz sicher nicht jedermanns Geschmack treffen wird. Um es deutlich zu sagen, Gefallen wird niemand an dem Dargestellten finden, jedoch braucht es im Rahmen dieser Geschichte wahrscheinlich auch diese Deutlichkeit, um das Unfassbare auszusprechen. So kann sich der Leser nicht entziehen, wie es die gesamte Dorfgemeinschaft im Verlaufe des Buches so erfolgreich praktiziert.

Die Geschichte wird aus Evas Sicht erzählt, die einmal ins Jahr des verhängnisvollen Sommers 2002 schwenkt und dort auch Anekdoten aus früheren Jahren einfließen lässt und die Gegenwart im Halbstundentakt hin zu einem dramatischen Finale beleuchtet.

Wirkliche Sympathieträger gibt es im Buch kaum, am ehesten noch die kleine Tesje, die furchtbar unter den Zuständen in ihrem Zuhause leidet. Bei Eva selbst bin ich zwiegespalten. In ihrem Wunsch dazuzugehören, verpasst sie meines Erachtens den Absprung und lässt viel zu viel mit sich machen, was ihr unweigerlich zum Verhängnis wird. Ein wenig genervt hat mich irgendwann der totale Fokus auf dem Thema Sex. Für die 14jährigen Jungs, aber auch für Eva scheint es kaum etwas anderes zu geben. Ist dies der Enge der Dorfgemeinschaft geschuldet?

Große Themen sind auch die Ignoranz der Mitmenschen bei gleichzeitiger Sensationslüsternheit. Man schaut nur zu, ergötzt sich am Elend und unternimmt nichts. Man hört ja immer wieder von so schrecklichen Geschichten, wenn ein jahrelanges Martyrium aufgedeckt wird. Noch viel größer wird die Dunkelziffer sein. Doch ich mag mir wirklich nicht vorstellen, dass diese Geschichte mehr als bloße Fiktion ist.

Sprachlich und auch vom dramaturgischen Aufbau her fand ich den Roman brillant. Es gibt unzählige Sätze, die einen dicken Kloß im Hals hinterlassen, einem sogar die Tränen in die Augen treiben. Wer sich einlässt, bekommt hier wirklich einiges geboten. Auf eine depressive Grundstimmung, eine ständig lauernde Bedrohung, perverse Handlungen, die die Ekelgrenze oft nicht nur streifen, sollte sich der Leser allerdings einlassen. Wie es auf dem wirklich schönen Bucheinband heißt: Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.

Kerstin at Dienstag, Oktober 10th, 2017 | Filed under: Frauen,Literatur allg.,Spit, Lize | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Michael E. Vieten
Verlag: Abacus Verlag
ASIN: B06XKSLGPT
E-Book: 284 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Die Gefahren des Computerzeitalters

Inhalt:

Kriminalkommissarin Christine Bernard wird Opfer von Cyberattacken, die sie schlussendlich sogar in Lebensgefahr bringen. Wer steckt dahinter und warum hat man es ausgerechnet auf sie abgesehen? Sie bekommt Personenschutz, aber plötzlich schaltet sich das LKA ein und die Ermittlungen werden fortan von anderer Stelle geleitet. Kein Grund für Christine, die Sache auf sich beruhen zu lassen, schließlich wähnt sie sich weiterhin in Gefahr und ihres Lebens nicht sicher, wenn der Täter nicht gestellt wird.

Meine Meinung:

Im nunmehr dritten Kriminalroman um die attraktive Kommissarin Christine Bernard dreht sich alles um das hochaktuelle Thema Cyberkriminalität. Die Vorgängerbände zu lesen ist nicht zwingend notwendig, da der Fall für sich steht und Vergangenes kurz eingeblendet wird.

Die Gefahren von Cyberangriffen weiß der Autor dem Leser verständlich nahezubringen, auch wenn wenig technisches Vorwissen vorhanden ist. Hier wird seine IT-Erfahrung deutlich. Man erfährt doch einiges Neues und beginnt automatisch seine eigenen Cyberaktivitäten in Zweifel zu ziehen.

Die Kommissarin ist wie inzwischen gewohnt ziemlich starrsinnig und handelt gegen alle Vorschriften. Die Anschläge auf ihr Leben und auch die Verfolgungsjagden sind spannend beschrieben, allerdings ähneln sich letztere sehr, sodass es ein wenig eintönig wird. Zumindest kommt jedoch zu keiner Zeit Langeweile auf.

Stilistisch sind auch diesmal wieder einige Abstriche zu machen. Das wilde Hin- und Herspringen zwischen den Perspektiven ist mir auch in den Vorgängerbänden schon negativ aufgefallen. Auch die permanenten Hinweise auf Äußerlichkeiten wirken auf Dauer nervend, weil sie schlicht nicht relevant sind.

Wer gern Kriminalromane ohne Mord und Totschlag liest, sollte mit diesem Krimi dennoch auf seine Kosten kommen, zumal das Thema Cyberkriminalität aktueller denn je ist.

Ich danke dem Autor bzw. dem Abacus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Mittwoch, September 20th, 2017 | Filed under: Thriller/Krimi,Vieten, Michael E. | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Anna Pfeffer
Verlag: cbj
ISBN-10: 3570173976
Klappenbroschur: 330 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Witziger Chatroman über das Kennenlernen fernab vom Offensichtlichen

Zum Inhalt:

Anton hat alles, was sich ein Teenager nur wünschen kann, außer einer Freundin, denn die hat ihn kurzerhand sitzenlassen. Dabei plante er doch einen Trip nach New York mit ihr. Das Ticket ist gebucht, also sucht er übers Internet gleichnamigen Ersatz. Es meldet sich auch tatsächlich eine Olivia und ein witziger Schlagabtausch per WhatsApp beginnt zwischen beiden. Dabei lernen sie Seiten an sich kennen, die sie so nicht erwartet hätten. Wird es zu der gemeinsamen Reise kommen?

Meine Meinung:

Dies war nun schon mein dritter Jugendroman von Anna Pfeffer aka Rose Snow, und ich muss gestehen, ich war wieder begeistert. Ich mag das Autorinnen-Duo einfach unheimlich gern, weshalb ich ihre Bücher quasi blind kaufe. Daher ist mir auch erst beim Einstieg ins Buch aufgefallen, dass es sich hier um einen reinen Chatroman handelt. Ich finde das klasse! Zum einen fliegt man nur so durch die Seiten, zum anderen weckt das sehr schöne Erinnerungen bei mir. Denn ich habe – ähnlich wie Anton und Liv – meinen Mann erst durch eine längere Chat-Phase so richtig gut kennengelernt, wie es im persönlichen Gespräch aufgrund meiner Introvertiertheit vielleicht nie möglich gewesen wäre.

Der Austausch zwischen den Protagonisten ist wunderbar witzig, gespickt mit unzähligen Anspielungen auf Filme, Musiker und Lifestyle. Wirkt vor allem Anton anfangs sehr oberflächlich, so macht er doch im Verlaufe des Buches eine tolle Entwicklung durch. Überhaupt haben sich die beiden so viel zu geben und während ihres Austausches geht ein richtiger Wandel in ihnen vor. Das fand ich großartig. Natürlich hat man die ganze Zeit über so ein bestimmtes Gefühl und das Ende, was wirklich total emotional ergreifend war, hat mich darin bestätigt. Irgendwie ging es mir dann fast etwas zu schnell und ich hätte das Paar gern noch eine Weile durch New York begleitet.

Ob die Zeitangaben, besonders im Sekundenbereich, jetzt immer realistisch waren, sei dahingestellt, das habe ich irgendwann auch gar nicht mehr wahrgenommen. Auch die ausgefeilte Sprache der beiden ist wahrscheinlich nicht die heutzutage übliche, aber schließlich soll das Buch ja auch lesbar sein und ich bin mir sicher, dass sich die angesprochene Altersgruppe wunderbar mit den Figuren identifizieren kann. Mir war es ein Leichtes und ich bin schon einiges älter. Also lasst euch dieses Lesevergnügen nicht entgehen, denn ein solches ist es zweifellos.

Ich danke dem cbj-Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplares.

Kerstin at Mittwoch, September 13th, 2017 | Filed under: All Age/Jugend,Humor,Pfeffer, Anna | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Eric Stehfest
Verlag: Edel Books
ISBN-10: 3841905188
Taschenbuch: 288
Persönliche
Wertung:

 

 

Schonungslose Biografie über ein oft verharmlostes Thema

Inhalt:

Sicher ist der Schauspieler Eric Stehfest vielen nicht unbekannt. Wenn nicht vom Namen her, dann durch seine Rolle als Chris Lehmann in der Serie GZSZ oder auch durch seine erfolgreiche Teilnahme bei „Let’s Dance“. Doch Eric hat eine schlimme Vergangenheit. Viele Jahre war er abhängig von Crystal Meth, seine „Schwester Christin“ sein ständiger Begleiter. Doch er schaffte den Absprung, ist heute clean und glücklich mit seiner kleinen Familie. Schonungslos berichtet er in seiner Biografie von dieser berauschenden und doch beinahe tödlichen Zeit und dem Aufbruch in ein besseres Leben.

Meine Meinung:

Ich habe viele Jahre bei GZSZ pausiert, aber jetzt bin ich wieder dabei und mag Eric in seiner Rolle als Chris. Aufmerksam auf ihn bin ich eher durch „Let’s Dance“ geworden, wo ja in Interviews bereits einiges seiner Drogenvergangenheit durchklang. Das hat mich auch dazu gebracht, mir seine Biografie zu Gemüte zu führen.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mir selten so schwerfiel, ein Buch komplett durchzulesen. Da ich jedoch nicht so schnell aufgebe und auch am Happy-End interessiert war, habe ich mich durchgekämpft. Einerseits bewundere ich Eric wirklich für seinen Mut und die Ehrlichkeit, die aus jeder der Zeilen dringt. Andererseits ist es zum großen Teil so geschrieben, als würde er dabei unter Drogen stehen. Klar macht das deutlich, in welcher Gemütslage sich derjenige wohl in dieser Situation befand, aber ich frage mich wirklich, welche Klientel hier angesprochen werden soll. Denn ein bereits Süchtiger wird dem Text nicht folgen können, ein völlig Unbedarfter vielleicht eher noch neugierig werden und selbst jemand, der fest im Leben steht und für den Drogen kein Thema sind, wird Schwierigkeiten beim Lesen haben, auch wenn es letztendlich aufschlussreich ist.

Alles wirkt sehr wirr, kurze, abgehackte Sätze, teilweise scheinen sie völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Die Sprache ist vulgär, Sex ein großes Thema. Aber auch Gewalt ist an der Tagesordnung. Was man so liest oder auch zwischen den Zeilen durchschimmert, so hat der Schauspieler kaum einen kriminellen Akt ausgelassen und ist dabei doch sehr glimpflich davongekommen. Was ich auch gar nicht verstehen kann, es scheint fast, als wären ihm die Drogen permanent hinterhergeschmissen worden. Das Zeug muss doch teuer sein – stelle ich mir als Unbedarfte jedenfalls vor – wo, um Himmels willen, hatte er die Kohle her?

Auch der lange Entzug, was macht er kaum ein paar Tage später? Geht wieder auf die Suche nach Drogen. Unverständlich. Ich glaube, ich habe den Punkt verpasst, wo es bei ihm dann endlich Klick gemacht hat und er seinen Feldzug gegen das Zeug startete.

Alles in allem, ein mutiges Buch, ehrlich und schonungslos, aber sehr schwierig zu lesen und als Lebenshilfe eher ungeeignet.

Kerstin at Freitag, September 8th, 2017 | Filed under: Biografie,Stehfest, Eric | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Susanna Ernst
Verlag: Knaur (Feelings)
ASIN: B06XNT1Q7Y
E-Book: 400 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Zutiefst berührendes Familiendrama, das keinen kaltlässt

Zum Inhalt:

Der junge Musiker Alex, der sich eben erst damit arrangiert hat, seine Karriere für das Leben als alleinerziehender Vater mit der kleinen Leni aufzugeben, muss einen weiteren Schicksalsschlag hinnehmen. Sein Vater Vincent stirbt ganz plötzlich an einem Herzinfarkt. Auf der Beerdigung trifft er auf seine Patentante Jane, die er viele Jahre nicht gesehen hat. Er bewundert den Mut der an ALS erkrankten Frau und es entsteht eine innige Verbindung zwischen beiden. Sie ist es auch, die ihm den Weg zu der Liebe seines Lebens aufzeigt, der erfolgreichen Autorin Maila. Doch diese sträubt sich gegen eine feste Beziehung. Alex hört nicht auf, um sie zu kämpfen und es zeigt sich, dass beide viel mehr gemeinsam haben, als sie ahnen konnten.

Meine Meinung:

Dies ist erst mein zweiter Roman von Susanna Ernst und ich frage mich ernsthaft, warum ich alle anderen nicht schon längst gelesen habe. Ich habe das Buch gestern beendet und bin immer noch ein wenig sprachlos ob der emotionalen Reise, auf die mich die Lektüre in den letzten Wochen mitgenommen hat. Ja, Wochen – denn ich habe das Lesen wahrlich in vollsten Zügen genossen, mir viele Stellen regelrecht auf der Zunge zergehen lassen und mehrmals inhaliert. Nur sehr selten habe ich beim Lesen das Gefühl, einfach nicht loslassen und die Charaktere ein Leben lang begleiten zu wollen.

Ich möchte nicht zu viel von der Story verraten und auch nicht auf die Besonderheit eingehen, die sich Susanna ausgedacht hat, um dieses meisterhafte Schicksals-Puzzle rund zu machen. Das muss jeder Leser selbst erfahren. Vielleicht mit Ausnahme von Alex’ Mutter ist mir wirklich jeder der Charaktere unglaublich ans Herz gewachsen, ich habe mit ihnen gefühlt und gelitten. Die Figuren sind so authentisch und liebenswert.

Bereits von der ersten Seite an hat mich die Handlung total in ihren Bann gezogen. Immer wieder wurde ich von den Wendungen überrascht und so kam auch keine Minute Langeweile auf. Oft genug drohten meine Augen überzulaufen und einige Sätze haben sich tief in mein Herz gegraben. Einmal mehr versteht es die Autorin, so große Themen wie Freundschaft, Hoffnung, Lebensmut, Seelenverwandtschaft und über allem natürlich die LIEBE in den Fokus zu rücken. Man beginnt unwillkürlich sein eigenes Leben zu hinterfragen, die Konsequenz seiner Entscheidungen und die Möglichkeit eines Lebens danach.

Ich kann den Roman nur von ganzem Herzen und wärmstens weiterempfehlen. Begleitet Alex und Maila auf ihrem Weg zum Happy End und staunt über die schicksalhaften Erfahrungen von Vincent und Jane. Lasst euch ein auf eine zauberhafte Geschichte voller Emotionen, Dramatik und eine Achterbahn der Gefühle.

Ich danke Feelings herzlich für die Möglichkeit, dass E-Book als Rezensionsexemplar vorabzulesen.

Kerstin at Sonntag, September 3rd, 2017 | Filed under: Ernst, Susanna,Frauen,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Ethan Cross
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-10: 3404175557
Taschenbuch: 512 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Gelungener Serienauftakt mit ungewöhnlichem Ermittler

Inhalt:

Ein Massaker in Südafrika – eine Geiselnahme in einer Bank bei Las Vegas. Ein Täter! Doch wie hängt alles zusammen? Das FBI zieht für die Ermittlungen den unabhängigen Berater Dr. August Burke zu Rate. Dieser ist außergewöhnlich in jeder Hinsicht, er scheut den Kontakt zu anderen Menschen, denn er leidet unter dem Asperger-Syndrom. Andererseits ist er ein genialer Analyst und genau so jemanden braucht es, um die Fäden dieses ungewöhnlichen Verbrechens, bei dem auch die CIA ihre Hände mit im Spiel zu haben scheint, zu entwirren.

Meine Meinung:

Mit „Spectrum“ startet Bestseller-Autor Ethan Cross eine neue Thriller-Reihe um den andersartigen Ermittler August Burke. Es ist mein erstes Buch des Autors, weshalb ich keinen Vergleich zur Erfolgsserie ziehen kann. Rein optisch ist das Buch in seiner schlichten Gestaltung mit dem blauen Schnitt auf jeden Fall schon mal ein Eyecatcher.

Der Einstieg ins Buch bietet mehrere Schauplätze und vor allem eine Vielzahl handelnder Personen, die erst mal keinen Zusammenhang zueinander vermuten lassen, was das Lesen ein wenig holprig und verwirrend gestaltet. Nach und nach laufen die Handlungsstränge zusammen und damit nimmt auch die Spannung zu, obwohl es immer mal wieder kleinere Längen gibt. Ich war zumindest nicht dermaßen gefesselt, dass ich das Buch kaum je weglegen konnte.

Der Plot ist interessant umgesetzt, erfordert aufgrund der vielen Hintermänner jedoch auch eine hohe Aufmerksamkeit. Gefallen hat mir, dass die Figuren sehr vielschichtig sind. Täter, Nebenfiguren, aber auch Ermittler werden nicht nur schwarz oder weiß gezeichnet, sondern bieten interessante Hintergründe und dementsprechende Verhaltensweisen. Lieblingsprotagonist ist ganz klar Dr. Burke, dessen genialer Verstand durchweg inspirierend ist, der aber aufgrund seines Handicaps auch jede Menge Humor – oft ungewollt – in die Handlung bringt. Das lockert das ernste und oft auch sehr brutale Szenario angenehm auf. Aber auch Nic Juliano mit der Mafia-Vergangenheit oder FBI-Agent Samuel Carter, der sich ein wenig als Vater für seine jungen Schützlinge sieht, konnten bei mir hohe Sympathiepunkte sammeln.

Das Ende kommt ein wenig rasant und mit dem wortwörtlich großen Knall fast schon hollywoodreif, wobei der eigentlich doch eher schüchterne Burke zum Superhelden mutiert. Jedoch werden alle offenen Fragen geklärt und der Ausblick auf Folgebände durch die Bildung einer Task Force macht auf jeden Fall neugierig. Da ich einige der Figuren wirklich ins Herz geschlossen habe, vor allem Burke, und auch Krügers Schicksal ungewiss ist, werde ich die Reihe sicher weiterverfolgen.

Ich danke dem Bastei Lübbe Verlag und Lovelybooks für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Donnerstag, August 31st, 2017 | Filed under: Cross, Ethan,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Michael E. Vieten
Verlag: Abacus Verlag
ASIN: B01DA4I2V6
E-Book: 305 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Eisige Schönheit des Grauens

Inhalt:

Christine Bernard hat sich inzwischen im Trierer Kriminalkommissariat eingelebt und arbeitet gut mit ihren Kollegen zusammen. An einem eigentlich freien Abend, den sie mit ihrem neuen Freund verbringen wollte, wird sie hinzugezogen, weil ihr als Frau mehr Einfühlungsvermögen zugetraut wird, denn es geht um ein vermisstes Kind. Am nächsten Tag wird eine gefrorene Kinderleiche gefunden. Die kleine Rosalia scheint ein schreckliches Ende genommen zu haben. Doch ist sie es wirklich? Es stellt sich heraus, dass das gefundene Kind bereits seit 12 Jahren tot ist. Die fieberhafte Suche nach Rosalia geht weiter und Christine gibt alles, denn noch könnte das Kind am Leben sein …

Meine Meinung:

Auch der zweite Ermittlerkrimi um Christine Bernard hat mir wieder gut gefallen. Zum Verstehen ist es nicht notwendig, den 1. Band gelesen zu haben, denn der dortige Fall wird kurz angerissen und auch Christines Werdegang bleibt nicht im Dunkeln. Durch solide Ermittlungsarbeit wird der Täter schlussendlich zur Strecke gebracht, auch wenn zahlreiche Alleingänge der Kommissarin diese mehr als einmal in Lebensgefahr bringen, was jedoch für Spannungshöhepunkte auch zwischendurch sorgt. Aber auch sonst wird es keine Minute langweilig.

Christine erscheint mir in diesem Band jedoch sehr starrsinnig und bekommt meines Erachtens durch die männliche Obrigkeit ein paar zu viele Freiheiten. Ohne diese Verbohrtheit und Fixierung auf einen Täter hätte durch etwas aufmerksamere Recherche schon viel eher ein anderer Verdächtiger feststehen können, was allerdings das Buch um einiges verkürzt hätte.

Wohltuend sind die nicht mehr so häufigen Perspektivwechsel sowie Wertungen der eigenen Person. Mit der oft ausführlichen Darstellung der Namen inkl. Titel hatte ich allerdings nach wie vor ein wenig Probleme, denn sie behindern den Lesefluss. Sehr schön finde ich die einfließende Sozialkritik, die einmal mehr dem Leser deutlich vor Augen führt, dass auch im reichen Deutschland Menschen täglich um ihren Lebensunterhalt kämpfen müssen.

Der Fall an sich ist natürlich schrecklich, kommt jedoch ohne größere Gewaltszenen aus und ist daher auch für etwas zartbesaitetere Leser geeignet. Die Kollegen neben Christine bleiben nach wie vor etwas blass.

Insgesamt wieder ein flüssig geschriebener Ermittlerkrimi, der ein schreckliches Verbrechen aufklärt und eine äußerst engagierte Kommissarin an den Rand ihrer Kräfte bringt. Ich bin auf den nächsten Fall von Christine Bernard schon sehr gespannt.

Ich danke dem Autor bzw. dem Abacus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Montag, Juli 31st, 2017 | Filed under: Thriller/Krimi,Vieten, Michael E. | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Michael E. Vieten
Verlag: Abacus Verlag
ASIN: B00YP6L47I
E-Book: 284 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Packendes Psychoduell zwischen Soziopath und Kommissarin

Inhalt:

Die attraktive Kriminalkommissarin Christine Bernard ist neu bei der Trierer Kriminalpolizei und muss sich unter vorwiegend männlichen Kollegen behaupten. Nach dem Verlust ihrer Eltern sowie ihres Lebenspartners stürzt sie sich geradezu in die Arbeit. In ihrem ersten großen Fall geht es um die vermisste Andrea Schröder und deren sechs Töchter. Der Ehemann ist schnell Hauptverdächtiger und seine Lebensumstände mehr als fraglich. Er wird verhaftet, will aber nur von Christine Bernard verhört werden. Schnell entwickelt sich zwischen ihm und der noch unerfahrenen Kollegin ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel. Den Täter zu überführen, verlangt der Kommissarin alles ab und bringt sie nicht nur einmal in Lebensgefahr.

Meine Meinung:

Der erste Ermittlerkrimi um Christine Bernard bietet solide Psychospannung, überrascht mit unerwarteten Wendungen und ist durchgängig spannend. Es ist erschreckend zu lesen, wie Lebensumstände und stetige Ablehnung schlussendlich einen Menschen, der sicher ursprünglich nichts Böses wollte, zu einem Außenseiter und schließlich skrupellosen Täter werden lassen. Einige seiner Äußerungen haben mich echt zum Nachdenken angeregt.

Stilistisch gab es für mich ein paar Stolpersteine im Roman. Die zu häufig wechselnden Perspektiven, manchmal von Satz zu Satz, oder auch die Darstellung der Namen, mal komplett, dann nur Vorname, dann wieder nur Nachname und das bis zum Ende, gefielen mir nicht so. Auch sollten Perspektivfiguren keine Wertungen zu sich selbst vornehmen, wobei mir auf die Attraktivität von Christine besonders viel Augenmerk gelegt wurde. Schlussendlich hat auch das Korrektorat ein paar zu viele Schnitzer übersehen, die das Lesevergnügen ein wenig trübten.

Abgesehen von diesen kleineren Kritikpunkten machen es aber die Handlung und auch die Figuren wieder wett. Christine ist taff, mutig und entschlossen. Oftmals ein wenig übereifrig, was Alleingänge angeht, aber das darf man durchaus ihrer Unerfahrenheit und dem Ermittlungseifer zuschreiben. Ihre männlichen Kollegen bleiben etwas blass, aber das kann sich in den nächsten Bänden ja noch ändern. Gespannt bin ich auch auf die Entwicklung der weiblichen Nebenfiguren (Ärztin, Psychologin) und wie es mit Christines Liebesleben weitergeht.

Das Cover ist sehr atmosphärisch und passt ausgezeichnet zum Inhalt. Die Darstellung der Polizeiarbeit erscheint mir recht realistisch und zeugt von ausgiebiger Recherche des Autors. Ich werde auf jeden Fall auch die nachfolgenden Bände lesen und bewerten.

Fans solider Kriminalromane, die in menschliche Abgründe blicken und durch psychologische Spannung punkten, kann ich „Der Fall Siebenschön“ aus der Reihe Christine Bernard durchaus empfehlen.

Ich danke dem Autor bzw. dem Abacus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Sonntag, Juli 23rd, 2017 | Filed under: Thriller/Krimi,Vieten, Michael E. | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Jeff Menapace
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-10: 3453677099
Taschenbuch: 336 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Ein letztes Spiel muss noch gespielt werden

Zum Inhalt:

Amy Lambert und ihre Kinder leiden noch immer sehr unter dem Verlust des Ehemannes und Vaters. Von den größten Schuldgefühlen wird auch Domino Taylor geplagt, der Patricks Tod nicht verhindern konnte. So ist er auch weiter für die Lamberts da, beschützt und umsorgt sie, obwohl die Gefahr eigentlich gebannt sein sollte. Was er nicht ahnt, Monica Kemp hat überlebt und sich ein finales Spiel für ihn ausgedacht, um den Tod ihres Vaters zu rächen.

Meine Meinung:

Nachdem ich bereits Band 1 und 2 der Trilogie mit Vergnügen gelesen hatte, durfte auch der Abschluss nicht fehlen. Allerdings ist hier der Klappentext irreführend, denn die Lamberts sind nur Randfiguren. Der Autor konzentriert sich in diesem Band auf Domino und Monica, die sich einen erbarmungslosen Showdown liefern.

Ein paar Dinge haben sich mir nicht wirklich erschlossen, wie das Überleben von Monica oder auch die Beziehung zwischen Domino und Ben. Auch habe ich ein wenig bedauert, dass Calebs Verhalten zum Ende des ersten Bandes doch nicht mehr aufgegriffen wurde. Aber es bestände natürlich eine Möglichkeit hier Jahre später noch mal anzusetzen, denn noch ist er ja recht klein.

Insgesamt hat mich die Handlung von der ersten Seite an gepackt. Die vielen kurzen Kapitel verführen natürlich auch zum regelrechten Verschlingen der Seiten. Monicas Plan, sich eine Helferin an die Seite zu holen, fand ich toll, aber dass zwei derartige Charaktere, wenn sie nicht verwandt sind, zu Problemen führen können, hätte sie sich eigentlich denken können. Hier wurde ihr ihre übergroße Selbstüberschätzung zum Verhängnis. Kelly fand ich richtig schön böse.

Domino mutiert fast zum Übermenschen, aber als Elitesoldat sei ihm das zugestanden. Die Spiele, die er im Labyrinth absolvieren musste, erinnern stark an Saw und haben mich ob Monicas Einfallsreichtum schon sehr begeistert. Das Ende kommt ein wenig abrupt und hinterlässt daher auch einen etwas unbefriedigenden Eindruck. Aber es ist alles schlüssig, nachvollziehbar und der Seelenfrieden für die Lamberts nun endgültig wiederhergestellt.

Wie auch schon bei den Vorgängerbänden sollte man als Leser nicht zimperlich sein, was brutale Morde und Foltermethoden betrifft. Nicht umsonst erschien die Trilogie bei Heyne Hardcore.

Ich kann die Reihe als Gesamtwerk dem Thriller-/Horror-Leser durchaus empfehlen, auch wenn es bei allen drei Bänden kleinere Abstriche zu machen gilt. Die Grundidee überzeugt und alle Bücher bieten spannende Unterhaltung mit originellen Ideen.

Ich danke dem Heyne Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Donnerstag, Juli 20th, 2017 | Filed under: Menapace, Jeff,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

L.U. Ulder
Verlag: Knaur
ASIN: B01K62X22E
E-Book: 444 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Atemlose Jagd auf einen so triebhaften wie intelligenten Täter

Zum Inhalt:

Björn Liebermann verlässt seiner Freundin zuliebe, die in Berlin ihren Traumjob ergattert, Hamburg und findet sich dort vertretungsweise in der Mordkommission wieder, obwohl er eigentlich eine Stelle bei der Bandenkriminalität angestrebt hatte. Er nimmt sein Schicksal an und hat es auch gleich mit einem kniffligen, bestialischen Mord an einer Prostituierten zu tun. Ein Verdächtiger ist bald gefunden, aber Björn hat ein ungutes Gefühl dabei. Monate später stellt sich für ihn und die anderen Ermittler heraus, dass sie einem Serientäter auf den Leim gegangen sind, der äußerst intelligent und vorausschauend agiert. Die weitere Ermittlung entwickelt sich zum Albtraum.

Meine Meinung:

„Ein dunkler Trieb“ ist mein erster Thriller von L.U. Ulder und es wird bestimmt nicht der letzte sein. Nur selten konnte mich eine Handlung derart konsequent ans Buch fesseln. Durch geschickte Wendungen und auch größere Zeitsprünge, die immer wieder Überraschungen bieten, bleibt es durchgehend interessant, vielfach und vor allem zum Ende hin aber auch nervenzerreißend spannend. Langeweile kommt sicher zu keinem Zeitpunkt auf.

Durch die wechselnden Perspektiven, wobei vor allem die Ermittler und der Täter zu Wort kommen, bekommt der Leser auch einen recht guten Eindruck in alle Gedankengänge. Björn ist eine sympathische Hauptfigur, die mit Elan und Durchsetzungsvermögen das Problem angeht. Wenn er auf persönlicher Ebene Rückschläge hinnehmen muss, so wird dies nicht überdramatisiert. Auch die restlichen Figuren des Ermittlerteams sind vielschichtig und sehr wirklichkeitsnah.

Der Täter ist ausgesprochen intelligent, was ich sehr mag, und kann dementsprechend sehr lange seinem schrecklichen Werk nachgehen. Dies ist natürlich für die Opfer weniger schön und man sollte auch nicht allzu zartbesaitet sein, was die Morde angeht. Zwar fließt das Blut nicht in Strömen, aber die perfide Tötungsweise und einige Beschreibungen gehen schon recht arg ins Detail. Für meinen Geschmack aber genau im richtigen Maß.

Sehr gut dargestellt fand ich auch die Ermittlerarbeit insgesamt. Hier wimmelt es nicht von großen Zufällen, vielmehr bekommt man einen realistischen Eindruck in die Tätigkeit der Polizei, die nicht auf den CSI-Wunder-Methoden mancher Krimi-Serien basiert. Ich glaube, der Autor, der auch im Hauptberuf mit Kriminalität zu tun hat, kann dadurch viel Authentizität und Glaubwürdigkeit vermitteln.

Zusammenfassend hat der Thriller all meine Erwartungen erfüllt. Nicht zu lange Kapitel mit teilweise fiesen Cliffhangern sorgen für einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Dazu ein wirklich bösartiger Killer, der seine dunklen Triebe lange Zeit unentdeckt ausleben kann, eifrige Ermittler mit kleinen Schwächen und ein rasanter Showdown lassen mich diesen Pageturner uneingeschränkt weiterempfehlen.

Ich danke dem Autor bzw. Droemer Knaur herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Dienstag, Juli 11th, 2017 | Filed under: Thriller/Krimi,Ulder, L.U. | RSS 2.0 | TB | No Comments
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