Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

 

Autor:

Maxim Voland
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492070713
Gebundene Ausgabe 525 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Actionreicher Agententhriller basierend auf faszinierender Idee

Inhalt:

1949 – eine alternative Geschichte. Es entsteht eine gesamtdeutsche DDR mit der kleinen autonomen Zone West-Berlin. Heute – ein moderner Überwachungsstaat, führend in Europa. Doch ist wirklich alles so rosig, wie nach außen dargestellt? Als eine Giftgaswolke zahlreiche Tote in beiden Teilen Berlins fordert, ist dies der Auftakt zu einer gigantischen Verschwörung. Ein alternder Stasi-Oberst, der dem System längst abgeschworen hat, eine britische Agentin des Geheimdienstes in West-Berlin sowie eine rebellierende junge DDR-Bürgerin nebst ihres zu Besuch im Land weilenden Cousins aus Frankreich werden involviert und sind gezwungen, eine Katastrophe höchsten Ausmaßes zu verhindern.

Meine Meinung:

Ich hatte, als ich das Buch bekam, herauszufinden versucht, welcher Bestseller-Autor sich hinter Maxim Voland verbirgt. Es war mir nicht gelungen. Nun ist das Geheimnis gelüftet und es wundert mich nicht, dass ich mit dem Schreibstil ganz gut zurechtgekommen bin, denn ich habe schon ein paar ähnlich spannende Bücher, wenn auch aus dem Fantasy-Bereich, von Markus Heitz gelesen.

Ausschlaggebend, mich des Buches anzunehmen, war allerdings die faszinierende Idee einer alternativen DDR. Ich wollte unbedingt wissen, wie diese aussehen könnte. Verpackt in einen spannenden Thriller – umso besser. Wie die Spaltung Deutschlands in sehr vielen Köpfen noch immer präsent ist, wird es auch bei den Lesern aus Ost und West bestimmt ganz unterschiedliche Meinungen geben. Sicher auch eine Altersfrage, denn die Jugend kann ganz unbelastet an das Gedankenexperiment herangehen.

Mir persönlich, die erst während der Berufsausbildung die Wende erlebte, hat es gefallen, die ganzen Begrifflichkeiten und Situationen der „alten“ DDR wiederauferstehen zu lassen. Im Prinzip hat sich ja nichts verändert, nur der Fortschritt hat Einzug gehalten. Wie das in dem maroden System und mit Planwirtschaft funktioniert hat, bleibt weitestgehend außen vor. Auch echte DDR-Bürger trifft man im Buch kaum, zumindest haben sie kein langes Leben. Dahingehend hatte ich mir etwas mehr versprochen.

Stattdessen erleben wir diverse Geheimdienste, Stasi, Mafia, NVA und einen unbescholtenen Bürger aus dem Ausland im Wettlauf gegen eine unbekannte Macht, die ohne Rücksicht auf viele Menschenleben ihre Ziele mittels alter Nazi-Waffen erreichen will. Im Groben bewegen wir uns auf drei Handlungsebenen, die gut zu unterscheiden sind durch Voranstellung des jeweiligen Handlungsortes und am Ende geschickt miteinander verknüpft werden.

Nachdem es noch recht gemächlich beginnt, geht ab ca. dem zweiten Drittel echt die Post ab. Ein Gemetzel jagt das nächste, wobei man bei den Beschreibungen nicht zu zimperlich sein sollte, und Leichen pflastern den Weg. Einzig unsere Hauptfiguren bleiben natürlich nahezu unbehelligt. Das war mir an einigen Stellen tatsächlich etwas zu viel. Selbst ein Staat, der Meister im Vertuschen ist, sollte Schwierigkeiten haben, so viele Opfer zu erklären. Generell erschien mir vieles dann auch unglaubwürdig, ohne näher ins Detail gehen zu wollen.

Das Buch ist spannend und actionreich, keine Frage. Der kleine französische Dolmetscher rettet schlussendlich fast im Alleingang halb Europa. James Bond lässt grüßen. Definitiv gute Unterhaltung und mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Mit dem Nachwort spricht mir der Autor aus dem Herzen. Vieles hätte anders laufen können und sollen, vielleicht gäbe es dann jetzt auch eine etwas andere BRD.

Kerstin hat am Donnerstag, November 19th, 2020 | Geschrieben unter: Thriller/Krimi,Voland, Maxim | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Kristina Valentin
Verlag: Diana
ISBN-13: 978-3453360648
Taschenbuch: 319 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Manchmal rückt ein Blitz alles ins richtige Licht

Inhalt:

Am Abend ihres perfekt vorbereiteten 46. Geburtstags wird Felicitas vom Blitz getroffen. Sie erholt sich gut, jedoch fehlt ein komplettes Jahr in ihrer Erinnerung. Sie selbst hat sich offenbar zu ihrem Nachteil verändert und auch ihre Schwester und beste Freundin verhalten sich eigenartig. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit lernt sie sich neu kennen und findet in ihrem neuen Arbeitskollegen Sebastian eine verwandte Seele.

Meine Meinung:

Erneut ist Kristina Valentin, die auch als Kristina Steffan und Kristina Günak veröffentlicht, ein herzerwärmendes Buch gelungen. Auf ruhige Art, mit leisen Tönen, aber auch immer wieder mit dem ihr eigenen Humor lässt uns die Autorin Felicitas auf dem Weg ihrer Selbstfindung begleiten. Die Protagonistin ist in meinem Alter, weswegen ich ihre Handlungsweisen und Gedanken gut nachvollziehen konnte. Sebastian ist ein wirklicher Schatz, ein Kollege und Freund, wie man ihn sich nur wünschen kann. Ganz sicher geht auch noch mehr zwischen beiden, aber die Liebesgeschichte ist eher nur angedeutet und wird Erwartungen der Leser in dieser Richtung vielleicht eher enttäuschen.

Vielmehr geht es darum, dass die Hauptfigur sich von alten Verhaltensmustern löst, ihre selbst auferlegten Fesseln sprengt und endlich ihren eigenen Weg geht. Das beschreibt die Autorin auf anrührende Weise und in einem wunderbar zu lesenden Schreibstil.

Das erste Mal habe ich in einem Buch Näheres über das Bestattungswesen erfahren, da Felicitas und auch Sebastian dort tätig sind. Persönlich hatte ich damit zum Glück noch keine oder nur wenig Berührungspunkte, aber bei Bedarf würde ich mir genau so einen Partner in dieser schweren Zeit an der Seite wünschen. Man merkt der Geschichte an, dass die Autorin sich intensiv damit auseinandergesetzt und gut recherchiert hat.

Insgesamt ist „Herzblitze“ ein Roman der leisen Töne, gut passend zur Jahreszeit, der aber auch Mut macht, seinen eigenen Weg zu gehen und Abhängigkeiten abzustreifen. Von mir sehr gern eine warmherzige Weiterempfehlung.

Kerstin hat am Sonntag, November 1st, 2020 | Geschrieben unter: Günak, Kristina,Steffan, Kristina,Valentin, Kristina | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Simona Ahrnstedt
Verlag: Ullstein
ISBN-13: 978-3864931505
Taschenbuch: 448 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Großstadtgirl zieht aufs Land – oder doch nicht?

Zum Inhalt:

Die Welt der Halbinderin Stella liegt in Trümmern. Ihr langjähriger Freund hat sie betrogen und ihren Job ist sie auch los. Im südschwedischen Städtchen Laholm will sie im von ihren Großeltern geerbten Häuschen zu sich finden. Was sie nicht ahnte, es handelt sich lediglich um eine Bruchbude ohne Strom und Wasser. Zum Glück ist da die rettende Hand ihres Nachbarn, des Biobauern Thor, der schon bald einen wichtigen Platz in ihrem Leben einnimmt. Warum also nicht etwas Spaß haben, wenn man die Gefühle außen vor lässt. Doch geht das so einfach? Denn eigentlich ist es ihr Plan, in New York Modedesign zu studieren …

Meine Meinung:

Ich habe verhältnismäßig lange für das Buch gebraucht, denn irgendwie ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Die Story ist wirklich nicht neu, aber es hätte mehr daraus gemacht werden können.

Mit Hauptfigur Stella bin ich gar nicht warmgeworden. Sie ist grenzenlos naiv, widersprüchlich und einfach nicht wirklich sympathisch. Was Thor so toll an ihr fand, außer den offensichtlichen körperlichen Merkmalen, konnte ich nicht nachvollziehen. Er selbst ist eigentlich ganz nett und bestimmt eine Sünde wert. Interessanter sind da tatsächlich einige der Nebenfiguren und vor allem den Tieren gelingt es, sich ins Herz des Lesers zu schleichen.

Die Autorin schneidet tatsächlich einige sehr wichtige Themen wie Homophobie, Mobbing, Feminismus und Nachhaltigkeit an, kratzt dabei aber nur an der Oberfläche. Sie konzentriert sich mehr auf die große Anziehung zwischen Stella und Thor, die dann auch oft in ausgiebigen Liebesszenen endet. Einmal aufeinander eingelassen, können die beiden kaum noch voneinander lassen. Diese Szenen trafen weder meinen Geschmack noch war ich von der Quantität eingenommen.

Alles in allem hat die Autorin einen angenehmen Schreibstil und die Landschaftsbeschreibungen sind wirklich gelungen. Wer eine lockere Liebesgeschichte sucht, in der Sex die Hauptrolle spielt, kommt sicher auf seine Kosten. Mein Geschmack war es nicht so ganz.

Kerstin hat am Donnerstag, Oktober 22nd, 2020 | Geschrieben unter: Ahrnstedt, Simona,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Susanne Rubin
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453423862
Taschenbuch: 431 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Drei Generationen Glück und Leid

Zum Inhalt:

Im Norden Deutschlands, vor den Toren von Hamburg, lebt gegen Ende des 19. Jahrhunderts die adlige Familie von Grootenlohe in harmonischer Nachbarschaft mit den Brodersens. Per Zufall stolpert Heinrich von Grootenlohe über ein gut gehütetes Geheimnis von Wilhelm Brodersen und erpresst ihn daraufhin mit seinem Wissen. Ein folgenschwerer Fehler, der die Familien über Generationen belasten wird. Denn auch im Jahr 1952, als zarte Liebesbande sich zwischen den Enkelkindern der Gutsherren entwickeln, scheint es jemanden zu geben, der eine Verbindung beider Familien unbedingt verhindern will.

Meine Meinung:

Oh Mann, was für eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Schon lange hat mich kein Buch mehr so emotional abgeholt wie der neue Roman von Susanne Rubin. In drei Abschnitten (spielend 1898, 1921 und 1952) widmet sich die Autorin den Schicksalen der zwei Familien von Grootenlohe und Brodersen. Absolut fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite lotet sie die Geheimnisse, Missverständnisse und großen Gefühle – Hass genauso wie unendliche Liebe – mit ihrem hochemotionalen Schreibstil aus.

Das Setting, sowohl die idyllischen Gutshöfe als auch Hamburg, ist bildhaft beschrieben und es gibt auch Einblicke in die Pferdezucht. Aber die Hauptrolle spielen ganz klar die Figuren, deren Unterschiedlichkeit großartig herausgearbeitet wurde. Besonders das tragische Schicksal von Jonas, Heinrichs Sohn und Elise, Wilhelms Tochter ging mir sehr zu Herzen. Das Buch bietet viele romantische Momente, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberten, aber auch jede Menge Dramatik, Schockmomente und Schmerz, die mich erschüttert zurück und auch die eine oder andere Träne fließen ließen.

Auf den letzten hundert Seiten entwickelte sich bei mir eine derartige Sogwirkung, dass ich das Buch in einem Rutsch beenden musste. An Schlaf war nicht zu denken, bevor alles aufgeklärt und das teilweise lang verdiente Happy End schwarz auf weiß zu lesen war.

Wer einer bewegenden Familiensaga voller Dramatik und Liebe nicht widerstehen kann, sollte auf keinen Fall an diesem Buch vorbeigehen. Wärmste Leseempfehlung!

Kerstin hat am Donnerstag, Oktober 8th, 2020 | Geschrieben unter: Frauen,Historisch,Liebesroman,Rubin, Susanne,Schomann, Susanne | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Preston & Child
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426524183
Klappenbroschur: 393 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Perfekter Mix aus Historie und Fiktion

Zum Inhalt:

Die junge FBI-Agentin Corrie Swanson fiebert ihrem ersten Fall entgegen. Dieser ereilt sie, als eine männliche Leiche in einem geschändeten Grab gefunden wird. Schnell stellt sie einen Zusammenhang ähnlicher Verbrechen her, die alle die Familie Parkin im Fokus haben. Deren Urahn soll gerade bei einer archäologischen Ausgrabung in Kalifornien geborgen werden, was sie zu deren Leiterin Dr. Nora Kelly bringt.

Diese ist von der Einmischung wenig begeistert, ist sie doch gerade dabei, ein bisher unentdecktes Camp der legendären Donner Party, ein Siedlertreck, von dem nur vereinzelte Mitglieder 1846 mittels Kannibalismus überleben konnten, archäologisch aufzuarbeiten. Der vermutete Goldschatz in der Nähe des Camps macht die Suche besonders brisant.

Meine Meinung:

Die vor allem durch die Pendergast-Reihe (der auch einen kleinen Auftritt im Buch hat) bekannt gewordenen Autoren Douglas Preston und Lincoln Child lassen in ihrem Auftaktroman einer neuen Serie die Archäologin Dr. Nora Kelly und die FBI-Agentin zu einem Team zusammenschmelzen, was anfangs sehr widerwillig geschieht. Beide Frauen für sich, die wohl schon in früheren Pendergast-Romanen eine Rolle gespielt haben, mir aber unbekannt waren, konnten mich überzeugen.

Mit dem historisch belegten Hintergrund der Siedlergruppe, die in der Sierra Nevada vom Winter überrascht wurde, ist ein interessanter Ausgangspunkt geschaffen worden. Wer sich für Archäologie interessiert, wird in dem Roman bestens bedient, vermittelt er doch viel Fachwissen, was teilweise zu Lasten der Spannung geht. So plätschert die Geschichte auch erst mal eine Weile vor sich hin, ohne dass viel passiert bzw. klar ist, wie die zwei Handlungsstränge zusammenkommen können.

Mit dem ersten Todesfall im Rahmen der Ausgrabung nimmt die Story dann Fahrt auf und steigert sich zum Ende hin noch mal zu einem richtigen Showdown. Es gibt, zumindest für mich, durchaus überraschende Wendungen und die Auflösung des Rätsels um die Familie Parkin ist einmal mehr sehr beängstigend.

Mir hat dieser Reihenauftakt durchaus gefallen. Mal etwas anderes als die ewigen Serienmörder-Storys. Mit der gekonnten Mischung aus Historie und Fiction ist dem Autoren-Duo erneut ein Treffer im Thriller-Genre gelungen.

Kerstin hat am Samstag, September 19th, 2020 | Geschrieben unter: Child, Lincoln,Preston, Douglas,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Kiri Johansson
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453424296
Taschenbuch: 480 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Berührende Liebesgeschichte in den Westfjorden Islands

Zum Inhalt:

Die schüchterne Dänin Isving ist glücklich mit ihrer Entscheidung, nach Island auszuwandern und mit ihrer Schwägern ein B & B zu eröffnen. Sie genießt die wunderbare Natur der Insel, vor allem ihren eigenen Hot Spot und die häufigen Ausritte auf den berühmten Islandpferden. Doch dann verändert eine schreckliche Diagnose ihr gesamtes Leben.

Thór ist ein berühmter Musiker, der eine Auszeit in seiner Heimat nimmt, um Kraft zu schöpfen. Inkognito und auf der Suche nach neuen Ideen landet er in Kópavík, wo ihm Isving so sehr unter die Haut geht, dass er ein paar Monate später wiederkommt. Zarte Liebesbande entwickeln sich. Doch wird diese Liebe das Geheimnis um Isvings Krankheit und Thórs wahre Identität aushalten?

Meine Meinung:

Nach „Islandsommer“ legt Kiri Johansson hier nun ihren zweiten Island-Roman vor. Ein weiteres Mal macht vor allem das Setting Island das Buch zu etwas Besonderem. Bildgewaltig und äußerst detailgetreu beschreibt die Autorin die malerische Landschaft, das raue Klima, aber auch die traditionsverbundenen Einwohner, die das Herz am rechten Fleck tragen. Themen wie Tier- und Klimaschutz fließen dabei nahtlos in die Geschichte ein, ohne aufgesetzt oder belehrend zu wirken.

Isving und Thór sind beide liebenswerte Charaktere, der Rockstar fast einen Tick zu lieb und einfühlsam für sein Vorleben. Hier hätte ich mir ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht. Isving zeigt sich zwar erschüttert über ihre Diagnose, geht dabei aber doch relativ entspannt damit um. Das kann natürlich auch daran liegen, dass die wirklich schlimmen Phasen erst später eintreffen dürften und das Paar bereits vorher relativ konfliktlos sein Happy End findet. Aus diesem Grund würde ich hier mehr als sonst wirklich gern wissen, wie sich ihre Zukunft gestaltet, in persönlicher wie beruflicher Hinsicht.

Kiri Johansson hat einen besonders schönen Schreibstil und so gleiten die Seiten auch ohne größere Dramen sehr wohltuend dahin, ohne dass es je langweilig wird. Eine Geschichte zum Wohlfühlen und eine Kulisse, die sich immer mehr zum Sehnsuchtsziel entwickelt. Für Island-Liebhaber ein Muss, umso mehr, wenn sie einer romantischen Lovestory nicht abgeneigt sind.

Kerstin hat am Dienstag, August 25th, 2020 | Geschrieben unter: Frauen,Johansson, Kiri,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Tanya Carpenter
Verlag: Edel Elements
ASIN: B084WYVTGP
E-Book: 358 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Ein Leben auf der Flucht

Inhalt:

Die junge Angelique Renier könnte glücklicher nicht sein. Pierre, der jüngste Sohn des Comte de Frené, scheint ihre Gefühle zu erwidern und beide planen ein gemeinsames Leben. Doch ausgerechnet Pierres Bruder Jean, der von schwarzer Magie besessen ist, macht dem Paar einen Strich durch die Rechnung. Er beansprucht Angelique, die er für eine Hexe hält, für sich und vergewaltigt sie. Schwanger wendet sie sich hilfesuchend an den Comte, doch der glaubt eher seinem Sohn und macht ihr den Prozess, woraufhin sie mit ihrer Familie sein Land verlassen muss. So ohne Weiteres will Jean sie aber nicht gehen lassen und es kommt zur Katastrophe. Nur Angelique und ihre Mutter können schwer verletzt fliehen. Doch damit beginnt ihre beschwerliche Zukunft erst und ein Schicksalsschlag nach dem anderen trifft die junge Frau. Wird sie ihre große Liebe jemals wiedersehen?

Meine Meinung:

Die Schicksalsreise der Angelique Renier hat mir gut gefallen. Für einen historischen Roman wird auf die Geschichte mit Ausnahme eines Krieges etwas wenig Bezug genommen, aber für mich stand ohnehin eher das Leben des Liebespaares im Mittelpunkt. Die Zeit mit ihren entsprechenden Vorurteilen und Sanktionen gegenüber Frauen im Allgemeinen und Heilerinnen im Speziellen wird auf jeden Fall gut veranschaulicht.

Der Einstieg in den Roman erfolgt recht sanft mit der zart erblühenden Liebe zwischen Angelique und Pierre. Nach ihrer erzwungenen Trennung begleitet der Leser beide auf ihrem weiteren Weg. Pierre, der Angelique tot wähnt, frönt im Krieg seiner Todessehnsucht. Und Angelique trifft wahrhaft ein Schicksalsschlag nach dem anderen, bald mehr, als ein einzelner Mensch ertragen kann. Besonders der letzte ging mir doch sehr ans Herz. Andererseits widerfährt ihr, so schlimm die Vorfälle alle sind, doch auch immer wieder großes Glück in den schwärzesten Stunden.

Ich mochte beide Hauptfiguren, auch wenn sie nicht durch irgendwelche Besonderheiten hervorstechen. Die Antagonisten des Romans, allen voran Jean, haben da schon ein anderes Kaliber. Es fehlt auch nicht an sympathischen Nebenfiguren.

Kleiner Wermutstropfen: Für ein Verlagsbuch mit Lektorat und Korrektorat enthält das Buch relativ viele orthografische Fehler.

Insgesamt ist „Purpurnacht“ aber eine spannend zu lesende Geschichte, die die Gegebenheiten der Zeit gut einfängt, mit überraschenden Wendungen und harten Schicksalsschlägen punktet und schlussendlich ein zufriedenstellendes Ende bietet. Wer reine Historie sucht, ist eher fehl am Platz, aber auf eine packende Schicksalsreise mit verdientem Happy End kann man sich allemal freuen.

Kerstin hat am Mittwoch, Juli 15th, 2020 | Geschrieben unter: Abenteuer,Carpenter, Tanya,Frauen,Historisch,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Blake Crouch
Verlag: Goldmann
ISBN-13: 978-3442206018
Klappenbroschur: 421 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Gefährliche Manipulation von Erinnerungen

Inhalt:

Eine neuartige Krankheit greift um sich. Menschen erinnern sich plötzlich an ein anderes Leben. In diesem Zwiespalt der Gefühle sehen einige den Suizid als einzigen Ausweg. Detektive Barry Sutton forscht nach und bekommt die Gelegenheit, den Tod seiner Teenagertochter zu verhindern, indem er sein Leben ab einem gewissen Zeitpunkt einfach neu lebt. Eine gefährliche Technologie, erfunden von Helena Smith, macht dies möglich. Schon bald gerät diese in falsche Hände und narzisstische, machtbesessene Gegner bringen die Menschheit an ihren Abgrund. Barry und Helena finden zusammen und versuchen mit allen Mitteln, dies zu verhindern. Ein aussichtsloses Unterfangen, wie es scheint.

Meine Meinung:

Eine absolut faszinierende Idee, die der Autor äußerst gekonnt in seinem Roman umsetzt. Ich bin ja Science Fiction-Themen und vor allem Zeitreisen nicht abgeneigt, aber es gehört schon eine gehörige Portion Durchhaltevermögen und Konzentration dazu, hier nicht den Überblick zu verlieren.

In der ersten Hälfte, die den Werdegang von Helena und Barry beleuchtet, kann der Leser durch die Zeitangaben noch relativ gut folgen. Die Handlung ist packend, die Idee und die Möglichkeiten des erfundenen Erinnerungsstuhls scheinen grenzenlos. Mir hat der Schreibstil von Crouch sehr gut gefallen. Auch die Hauptfiguren wirken authentisch. Ihre anfängliche Begeisterungsfähigkeit, die auch als Naivität durchgehen könnte, ist durchaus nachzuvollziehen. Letzten Endes wollen sie nur alles zum Besseren wenden und das bis zum Schluss.

Das letzte Drittel des Buches konnte mich dann nicht mehr so sehr begeistern. Sei es die wissenschaftlichen Erklärungen, denen zu folgen ich nicht mehr wirklich in der Lage war, aber auch die Wiederholungen durch die häufigen gescheiterten Versuche, die Welt zu retten. Hier kommt der „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Effekt zum Tragen, was ich so gar nicht mag. Das viele Hin und Her mit den Zeitsprüngen ist irgendwann einfach nur noch verwirrend. Die Liebesgeschichte der Hauptprotagonisten ist wirklich süß, wobei ich bei einer derart langen gemeinsam verbrachten Zeit den Bestand ein wenig anzweifeln möchte.

Insgesamt macht das Szenario einfach nur Angst. Es gehört nicht viel dazu, sich vorzustellen, dass an solchen Ideen bereits geforscht wird. Und ich bin überzeugt, dass die Menschheit heute noch nicht in der Lage wäre, verantwortungsvoll mit einer solchen Technologie umzugehen und schlussendlich alles in der beschriebenen Katastrophe enden würde. Bleibt also zu hoffen, dass das Geschriebene noch lange Fiction bleibt. Für Scifi-Fans allemal eine fesselnde Geschichte, die ich gern weiterempfehle.

Kerstin hat am Mittwoch, Juli 1st, 2020 | Geschrieben unter: Crouch, Blake,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Val McDermid
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426524916
Taschenbuch: 461 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Hätte man mehr draus machen können

Inhalt:

An die vierzig Skelette junger Mädchen werden bei Bauarbeiten im Garten eines katholischen Waisenhauses gefunden. Haben die strengen Nonnen ihren Anteil daran? Dann taucht ganz in der Nähe eine zweite Gruppe Leichen auf. Diesmal junge Männer, die ganz offenbar ermordet wurden. Viel Ermittlungsarbeit für die Spezialeinheit aus Yorkshire. Leider können sie nicht auf die Kompetenz von Carol Jordan und Tony Hill zurückgreifen, denn Erstere hat den Polizeidienst quittiert und orientiert sich gerade neu und Tony sitzt eine vierjährige Haftstrafe ab.

Meine Meinung:

Ich bin eigentlich noch nie von Val McDermid enttäuscht worden, besonders die ersten Bände der Tony-Hill-Reihe haben mich stets in ihren Bann gezogen. Irgendwann bin ich dann ausgestiegen, weswegen mir auch einiges Hintergrundwissen zur jetzigen Lage von Jordan und Hill fehlt. Auf beide wird zwar im Buch Bezug genommen, aber eher in persönlicher Hinsicht. Zu den Ermittlungen tragen sie wenig bis gar nichts bei, weshalb dieser elfte Fall eigentlich nicht ihrer genannt werden sollte.

Mir gefiel bei der Autorin immer, wie auch der Täter zu Wort kommt, seine kruden oder perfiden Gedankengänge offenbart. Das tut er hier anfangs auch kurz, dann ist er bis zum Ende still. Seine Identität ist schon früh bekannt, was dem Roman ganz eindeutig die Spannung nimmt und es gibt danach kaum Überraschungsmomente. Beide Fälle werden eigentlich nicht wirklich aufgeklärt, es macht fast den Eindruck also würden ein paar Kapitel fehlen.

Durch ihren flüssigen Schreibstil und die akkurate Wortwahl gelingt es McDermid dennoch, den Leser über längere Zeit zu fesseln. Die Ortsbeschreibungen sind sehr gelungen und Ermittlungsschritte logisch. Neuleser dürften mit der Vielzahl an Charakteren ein wenig überfordert sein.

Für einen Thriller passiert mir einfach zu wenig im „Knochengarten“, es ist einfach nur ein Krimipuzzle, das zu lösen es nicht mal besonders viel Engagement bedarf. Ich werde mir dann doch wohl lieber noch mal ein paar der älteren Hill/Jordan-Romane zu Gemüte führen.

Kerstin hat am Mittwoch, Juni 24th, 2020 | Geschrieben unter: McDermid, Val,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Heinz Rudolf Kunze
Verlag: Adeo
ISBN-13: 978-3863342524
Gebundene Ausgabe 315 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Zeitgeschichten, die einen näheren Blick wert sind

Inhalt:

Heinz Rudolf Kunze – den meisten sicher als Sänger bekannt – ist noch viel mehr. Der studierte Germanist entpuppt sich als wahrer Wortakrobat. Und so zeigt er auch in seiner neuesten literarischen Veröffentlichung seine enorme Vielseitigkeit. 200 Zeitgeschichten bringt er an den Leser, mal nachdenklich, mal poetisch, mal witzig. Es geht um Politik, ums Älterwerden, Liebe und Glück. Mal als Gedicht, gereimt oder auch nicht, mal im Fließtext, aber immer originell.

Meine Meinung:

Ich habe bisher nichts von Kunze gelesen, bewundere ihn aber als Sänger inzwischen schon ein paar Jahrzehnte. Seine oft bissigen, tiefgründigen und nachdenklich machenden Songtexte haben mich bewogen, mir dieses Buch näher anzuschauen.

Zugegebenermaßen haben mich seine Texte, chronologisch angeordnet nach ihrer Entstehung, ein wenig zwiegespalten zurückgelassen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und legt zielsicher den Finger in so manche Wunde unserer Gesellschaft. Ironisch, bissig, hin und wieder aber auch ziemlich albern. Die Betrachtung der eigenen Endlichkeit, der Kampf mit dem Älterwerden – alle Achtung, den Mann muss so einiges umtreiben. Dabei baut er gekonnt auf Wortspiele, überrascht immer wieder mit diversen Wortneuschöpfungen.

Ich habe immer nur 2 bis 3 Geschichten/Gedichte auf einmal gelesen, was sich als richtig herausstellte, muss man doch bei einigem intensiver drüber nachdenken, um den Sinn zu verstehen. Das ist mir dennoch nicht immer gelungen. Anderes wieder war einfach nur genial formuliert und sollte ein noch größeres Publikum finden.

Kritik am Schulsystem scheint häufig durch und wohl auch deshalb wurde in alter Rechtschreibung gedruckt. Für mich schon von Berufs wegen leider sehr gewöhnungsbedürftig.

Fazit: Kunze ist ein Mensch, der was zu sagen hat und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt. Manche seiner Texte gehen tief, erschließen sich erst bei mehrmaligem Lesen, dafür aber mit umso größerer Wucht. Intellektuell herausfordernd, aber immer irgendwie besonders.

Kerstin hat am Donnerstag, Mai 21st, 2020 | Geschrieben unter: Biografie,Humor,Kunze, Heinz Rudolf,Literatur allg.,Sachbuch | RSS 2.0 | TB | Comments off
Kerstins Bücherreich Besucher: web site traffic statistics