Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

 

Autor:

Matthew McConaughey
Verlag: Ullstein
ISBN-13: 978-3550201707
Gebundene Ausgabe 304 Seiten
Persönliche
Wertung:

 


Überraschendes vom Hollywood-Star

Zum Inhalt:

Matthew McConaughey zählt fünfzig Jahre, als er beschließt, seine bisherige Lebensreise zu Papier zu bringen. Meist auf der Sonnenseite des Lebens hadert jedoch auch er wie jeder Mensch hin und wieder mit seinem Schicksal, muss sich stets neu beweisen, ist auf der Suche nach dem Sinn, den er im Hier und Jetzt findet. Seine Ampel steht stets auf Grün, auch wenn er manchmal mehrmals Anlauf nehmen muss. Eine unerwartet literarische Autobiografie, die den Schauspieler in einem noch mal ganz anderen Licht zeigt, als es die Leinwand bisher vermochte.

Meine Meinung:

Ich muss gestehen, ich kenne Matthew McConaughey überwiegend aus seinen romantischen Komödien, die bei mir immer ein gutes Gefühl hinterließen. Warum auch nicht, er ist ein attraktiver Mann, die Herzen fliegen ihm zu. Seine ernsteren Werke und vor allem seinen wohl größten Erfolg „Dallas Buyers Club“, für den er den Oscar erhielt, kenne ich nicht mal. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass mehr in ihm steckt.

Seine Autobiographie „Greenlights“ hat mir dies eindrucksvoll bewiesen. Er berichtet über seine gar nicht mal so leichte Kindheit, die auch von Gewalt geprägt ist. Die Erfahrungen seiner Jugend, die nicht ohne Rückschläge auskommen, seinen Einstand in Hollywood. Vieles scheint ihm geradezu zuzufliegen, von dem andere nur träumen, aber er legt Wert darauf, seinen eigenen Weg zu gehen. Schonungslos ehrlich erzählt er von Niederlagen, Erfolgen, aber auch falschen Entscheidungen. Sein starker Glaube hat mich beeindruckt, ebenso wie seine Leidenschaft und das Engagement, das er für seine Rollen aufbringt. Wie seine Traumfrau in sein Leben tritt, ist selbst einer Hollywood-Romanze würdig.

Ich hatte mich für die E-Book-Version des Buches entschieden, was ich im Nachhinein etwas bedauere. Denn die häufig vorkommenden Randnotizen, Gedichte und Gedanken sind unheimlich inspirierend, aber da in Bildform, oft winzig klein gedruckt, daher leider nicht vergrößerbar und was viel schlimmer ist, oft auch unvollständig, da die letzten Zeilen schlicht fehlen. Das zerstörte so manchen guten Text.

Definitiv hat mich Matthew McConaughey aber als Autor überrascht, berührt und auf jeden Fall inspiriert, seine komplette Filmografie einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Ein Mann, dessen Einstellung zum Leben man sich zum Vorbild nehmen sollte, jemand, der weiter unbeirrt seinen Weg gehen wird und von dem sicher noch einiges zu erwarten ist.

Kerstin hat am Donnerstag, Juli 8th, 2021 | Geschrieben unter: Biografie,McConaughey, Matthew | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Andreas Winkelmann
Verlag: Rowohlt
ISBN-13: 978-3-499-00040-9
Taschenbuch: 381 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Dir läuft die Zeit davon …

Inhalt:

Lennart Wolff verfolgt einen vermeintlichen Einbrecher und endet mit einem Messer im Auge. Rebecca Oswald, im Rollstuhl sitzende Polizistin, glaubt ihren Augen nicht zu trauen, als ein älterer Herr mit dem Fahrrad an ihr vorbeifährt, auf dessen Gepäckträger sich ein menschlicher Fuß befindet. Und Joggerin Eva Probst kann gerade noch ihrer Freundin ihr Unbehagen mitteilen, dass sie sich beobachtet fühlt, bevor sie auf schreckliche Art zu Tode kommt. Hauptkommissar Jens Kerner hat alle Hände voll zu tun, zwischen diesen Verbrechen eine Verbindung herzustellen, so unwahrscheinlich sie auch scheinen mag. Doch der Mörder hat seine eigene Agenda, er will eine Karte erstellen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat …

Meine Meinung:

„Die Karte“ war tatsächlich mein erster Roman der Kerner-und-Oswald-Reihe von Andreas Winkelmann. Das habe ich an einigen Stellen, wo auf vorherige Fälle verwiesen wurde, ein wenig bedauert. Ich kann so auch keine Vergleiche ob der Qualität anstellen. Auf jeden Fall ist es aber nicht vonnöten, die Vorgängerbände zu kennen.

Insgesamt hat mich der Thriller gut unterhalten. Die Spannung bleibt durchweg auf einem hohen Niveau, es gibt überraschende Wendungen und einen aufregenden Showdown. Die Ermittlungsarbeit wurde überzeugend dargestellt und auch das persönliche Geplänkel zwischen Becca und Jens fand in einem gesunden Rahmen statt. Die Sicht des Täters im Präsens ist faszinierend zu lesen und der schnelle Wechsel zwischen den verschiedenen Handlungssträngen, die kontinuierlich aufeinander zu laufen, sorgt für ein hohes Tempo.

Ein paar Sachen haben mich dennoch gestört, weshalb ich nicht die höchste Punktzahl ansetzen kann. Die sich als Auflösung ergebende Motivation des Täters hat für mich keinen wirklichen Zusammenhang mit dem eigentlichen Aufhänger des Thrillers. Das Thema mit dem Fitness-Tracker und der Lauf-App verläuft sich irgendwie und hätte doch viel mehr Potenzial gehabt. Die weitere Auswahl der Opfer scheint mir zu weit hergeholt. Und muss jede taffe, selbstständige Frau auch gleich einen Hass auf Männer hegen? Das nimmt ein wenig überhand.

Trotzdem kann man den Thriller gut und flüssig weglesen und ich werde den Autor auf jeden Fall im Auge behalten.

Kerstin hat am Donnerstag, Juli 1st, 2021 | Geschrieben unter: Thriller/Krimi,Winkelmann, Andreas | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Clemens Murath
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3-453-27283-5
Klappen-broschur: 475 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Knallharter Berlin-Thriller, der kein Blatt vor den Mund nimmt

Zum Inhalt:

Berlin steht den Machenschaften der kriminellen Clans beinahe machtlos gegenüber. Da braucht es schon Ermittler, die es mit dem geschriebenen Gesetz nicht ganz so genau nehmen. Frank Bosman vom LKA ist so einer. Korrupt bis zur Schmerzgrenze sowie selbst erfahren im Milieu, geht er knallhart gegen die Mafia vor und schreckt dabei auch vor Selbstjustiz nicht zurück. Als sich den Libanesen und ihrem Kopf Arslan Aziz ein albanischer Clan entgegenstellt und es zu einem Mord vor Zeugen kommt, sieht Bosman seine Chance, endlich mal richtig aufzuräumen.

Meine Meinung:

Das Krimidebüt um den knallharten Ermittler Frank Bosman und Auftakt einer Serie hat den Stempel Heyne Hardcore zu Recht bekommen. Hier wird wahrlich eine deutliche Sprache gesprochen, die aber zur ganzen Atmosphäre und dem Unterwelt-Milieu passt. Man mag sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass es genauso wie dargestellt in den dunklen Kreisen Berlins wirklich abgeht. Wenn ich so etwas lese, bin ich immer recht froh, weitab davon zu leben und keine Chance zu haben, mit Ähnlichem konfrontiert zu werden.

In dem Roman bekommt man Einblick in die Drogen- wie Stricherszene, korrupte Polizisten, Banker, Richter sind an der Tagesordnung, bezüglich Sex wird kaum etwas ausgelassen. Nach Sympathieträgern sucht man vergeblich, aber das ist sicher auch nicht das Ziel. Vor allem auch die Hauptfigur kann man nur als moralisch sehr ambivalent betrachten.

Es waren mir persönlich ein bisschen zu viele Schauplätze, Handlungsstränge und Personen, um permanent folgen zu können. Wenn man sich aber erst mal eingelesen hat in den Personenkreis, sollte es durchaus Freude bereiten, deren Leben in den Folgebänden weiterzuverfolgen. Die Prise schwarzer Humor macht den Roman spritzig und hat mich oft zum Grinsen gebracht. Insgesamt liest sich der Krimi recht flüssig und Langeweile kommt wirklich keine auf. Der Autor ist Drehbuchschreiber, das merkt man, läuft doch alles irgendwie wie ein Film ab. Auf jeden Fall mal etwas anderes und für Berlin-Kenner sicher noch interessanter. Mir auch die Fortsetzung zu gönnen, liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Kerstin hat am Donnerstag, Juni 10th, 2021 | Geschrieben unter: Murath, Clemens,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Daniel Holbe
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52738-2
Taschenbuch: 91 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Blutiges Intermezzo

Zum Inhalt:

Seit Jahren verschwinden im kleinen brandenburgischen Dorf Zieplitz Menschen, ab und an werden Leichenteile gefunden, von einem Kannibalen ist die Rede. Die Polizei tappt im Dunkeln, weshalb ein erfahrener Profiler aus Berlin hinzugerufen wird. Carlo Zingka nimmt die Ermittlungen auf und steht schon bald vor einer großen Herausforderung.

Meine Meinung:

Der für mich fünfte Kurzthriller aus der Reihe „Eiskalte Thriller“ von Knaur mit je ca. 100 Seiten hat mir ausnehmend gut gefallen. Ich kannte bisher nichts von Daniel Holbe, kann daher keine Vergleiche anstellen, aber er soll ja hier etwas blutiger herangegangen sein. Und das ist er wirklich, was man natürlich mögen muss und auf mich zutrifft. Besonders die Passagen aus der Sicht des Killers haben es in sich und sind wahrlich nichts für Zartbesaitete. Auch mit seinem immer wieder durchblitzenden schwarzen Humor konnte der Autor bei mir punkten.

Das Büchlein – hätte ich mir auch gut als normalen Roman vorstellen können, die Story gibt einiges her – bietet überraschende Wendungen und hat mich mit dem letzten Unterkapitel dann tatsächlich noch ins Grübeln gebracht, was das leider viel zu kurze Lesevergnügen aber keinesfalls schmälert.

Kerstin hat am Freitag, Juni 4th, 2021 | Geschrieben unter: Holbe, Daniel,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Veit Etzold
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52768-9
Taschenbuch: 110 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Für mich leider ein Fehlgriff

Zum Inhalt:

Als ein befreundeter Buchhändler in Oxford Charles Ward ein besonderes Buch anbietet, greift er sofort zu. Es handelt sich um einen Reiseführer einer schottischen Region, wo große Kämpfe stattfanden und noch immer die Geister der Gefallenen umgehen sollen. Das Buch enthält auch handschriftliche Notizen dreier verschiedener Personen und soll Charles zu einer Professur verhelfen. Doch je mehr er sich in die Geschichte des „schwarzen Prinzen“ vertieft, umso einschneidender verändert sich sein eigenes Leben.

Meine Meinung:

Dies ist ein weiterer Kurzthriller aus der Reihe „Eiskalte Thriller“ von Knaur, die jeweils im Umfang von ca. 100 Seiten herausgegeben wurden. Ich kenne Veit Etzold durch seine Clara Vidalis-Thriller und bin dementsprechend von etwas anderem ausgegangen. Hier wagt sich der Autor ins Horror-Genre a la H. P. Lovecraft bzw. begibt sich, wie er im Nachwort erklärt, zurück zu den Wurzeln und seinen ersten schriftstellerischen Gehversuchen.

Genau das traf dann so gar nicht meinen Geschmack. Zwar interessiert mich die schottische Geschichte, aber hier tauchten zu viele unaussprechliche Namen auf, schwarzmagische Rituale und Erläuterungen, einfach zu viel Geschichte für die wenigen Seiten, sodass wirkliche Spannung nur sehr langsam aufkommt. Letzten Endes bevorzuge ich es auch, wenn ein Fluch gebrochen wird und nicht jedes Versuchen ohnehin zum Scheitern verurteilt ist. Daher konnte mich auch das Ende nicht überzeugen.

Wer Horror dieser Art mag, ist sicher gut bedient, wer aber einen knackigen Thriller mit Psychopathen erwartet, wie man es vom Autor gewohnt ist, wird sicher enttäuscht sein.

Kerstin hat am Dienstag, Juni 1st, 2021 | Geschrieben unter: Etzold, Veit,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

S. K. Tremayne
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52766-5
Taschenbuch: 96 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Wahrgewordener Albtraum

Zum Inhalt:

Wie schlimm muss dieses Gefühl sein. Eine Frau wacht auf, fühlt sich wie gerädert, es herrscht völlige Dunkelheit. Langsam stellt sie fest, dass sie sich nicht in ihrem eigenen Bett, sondern in einer Art Gummizelle befindet … Wer spielt dieses grausame Spiel mit ihr? Stecken ihr Mann oder sein Freund dahinter? Ist sie Teil eines Experimentes? Und wie kann sie ihre Tochter Nancy retten, die in Lebensgefahr schweben soll …

Meine Meinung:

Mit diesem Kurzthriller, der ausschließlich aus der Sicht der unbekannten Frau erzählt wird, verschafft der Autor seinen Lesern wahrhaftig ein äußerst beklemmendes Gefühl. Man ist bei jedem ihrer nahezu blinden Schritte hautnah dabei. Sie selbst gibt durch ihre Gedankenwelt verschiedene Richtungen vor, in die sich die Geschichte entwickelt. Die Auflösung letzten Endes sollte für fast jeden eine Überraschung bereithalten und verursacht aufgrund ihrer Aktualität noch mal mehr eine Gänsehaut.

Ich war auf jeden Fall gefesselt und die knapp 100 Seiten flogen nur so vorbei. Was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, bin ich bereits bei den Kurzromanen von Tsokos und Poznanski eingegangen. Hier ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Wer aber gar nicht so umfangreichen Lesestoff sucht und sich gern ein wenig gruselt, der liegt mit „Augen ohne Licht“ genau richtig.

Kerstin hat am Donnerstag, Mai 27th, 2021 | Geschrieben unter: Thriller/Krimi,Tremayne, S. K. | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52765-8
Taschenbuch: 109 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Wenn es persönlich wird

Zum Inhalt:

Täglich ihrer Arbeit im Sektionssaal nachzugehen, ist für Rechtsmedizinerin Sabine Yao etwas anderes, als plötzlich persönlich betroffen zu sein. Denn in der Nähe von Kiel wird die Wasserleiche ihrer Tante geborgen. Offenbar liegt ein Verbrechen vor und Sabine beginnt zu ermitteln.

Meine Meinung:

Wer die Fred-Abel-Reihe von Michael Tsokos kennt, ist mit Sabine Yao bereits in Berührung gekommen und darf sich freuen, etwas tiefer in ihre Gefühlswelt einzutauchen. Der vorliegende Kurzthriller kann jedoch auch ohne jede Vorkenntnis gelesen werden.

Ich konnte mich gut in die Rechtsmedizinerin hineinversetzen, die abseits ihrer Arbeitsroutine plötzlich verarbeiten muss, einen Angehörigen vor sich auf dem Sektionstisch zu sehen. Mit Unterstützung von mehreren Seiten gelingt es ihr, dem Täter schnell auf die Spur zu kommen.

Das muss es auch, denn der ca. 100 Seiten lange Kurzroman bietet keine Gelegenheit für Ausschweifungen. Das quasi offene Ende deutet auf eine Fortsetzung hin, die hier aber wenig Sinn macht, weshalb ich es unnötig fand. Inhaltlich und vom knackigen Schreibstil her gibt es nichts zu meckern. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte jedoch vom Verlag überdacht werden. Für die vorliegende Menge wären 5 Euro durchaus angebrachter, wenn die Kurzthriller, von denen es bisher noch fünf weitere gibt, viele Leser finden sollen.

Kerstin hat am Mittwoch, Mai 19th, 2021 | Geschrieben unter: Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Ursula Poznanski
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52767-2
Taschenbuch: 75 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Eiskalter Stalker

Zum Inhalt:

Für Wolfram ist Ella die Eine – und das wird auch sie noch einsehen. Ihrem Happy End steht eigentlich nur einer im Weg, ihr Freund Paul. Als beide eine Winterwanderung planen, ist das für Wolfram die Chance. Hier muss sich doch einfach eine Möglichkeit bieten, den unliebsamen Nebenbuhler loszuwerden.

Meine Meinung:

Hauptrolle in diesem eisigen Kurzthriller von Bestsellerautorin Ursula Poznanski spielt der durchgeknallte Stalker Wolfram, der mit allen Mitteln seine „Liebste“ für sich zu gewinnen sucht. Die leider viel zu kurze Geschichte hat mich sehr gut unterhalten. Langeweile kommt auf jeden Fall zu keiner Zeit auf und man kann sie mit ca. 75 Seiten auch gut in einem Rutsch durchlesen.

Wolfram stellt sich nicht eben klug an und wirkt dabei manches Mal unfreiwillig komisch, aber wer hat behauptet, dass Psychopathen auch immer mit großer Intelligenz gesegnet sein müssen? Amüsant fand ich die zusätzliche Stimme in seinem Kopf, deren Bewandtnis sich erst zum Ende aufklärt. Dieses wartet dann auch mit einer kleinen Überraschung auf.

Als Kritik könnte man höchstens anbringen, dass die Investition für den Umfang eines Groschenromans doch relativ happig ausfällt. Das Lesevergnügen schmälert es hingegen keineswegs. Wer Geschmack an diesem Thriller-Häppchen gefunden hat, sollte sich auch die anderen in gleicher Edition herausgegebenen Kurzthriller von namhaften Autoren wie Michael Tsokos, Veit Etzold, S. K. Tremayne, Lisa Jackson und Daniel Holbe nicht entgehen lassen.

Kerstin hat am Dienstag, Mai 11th, 2021 | Geschrieben unter: Poznanski, Ursula,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael Lichtwarck-Aschoff
Verlag: Hirzel Verlag
ISBN-13: 978-3777629179
Gebundene Ausgabe 283 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Dunkelstes Kapitel in Robert Kochs Geschichte

Inhalt:

Der Nobelpreisträger Robert Koch war ohne Frage eine Koryphäe auf seinem Gebiet und ging als Lichtgestalt in die Medizingeschichte ein. Doch es gibt auch Schatten auf seiner weißen Weste. Michael Lichtwarck-Aschoff beleuchtet diese und bringt dem Leser den Bakterienforscher und seine Beweggründe näher.

Meine Meinung:

Näheres über den berühmten Bakteriologen, dessen Name gerade heutzutage ständig zu hören ist, zu erfahren, fand mein Interesse. Mit dem Buch „Robert Kochs Affe“ habe ich mich jedoch schwergetan und kam nur schleppend voran.

Es ist in drei Abschnitte eingeteilt. Zuerst erfährt man über die Lebens- und Arbeitsweise Kochs im Berlin von 1903, in der ein Affe in Husarenuniform eine tragende Rolle spielt. Die Sinnhaftigkeit hat sich mir nicht wirklich erschlossen.

Dann, den größten Teil des Buches einnehmend, erfahren wir über Kochs Expedition ins „Schutzgebiet“ Deutsch-Ostafrika, wo er versucht, der Schlafkrankheit, die von der Tsetsefliege übertragen wird, Herr zu werden. Hier erfährt der Leser mittels eines Überlebenden der Expedition von unmenschlich anmutenden Versuchen an den Eingeborenen, um auf Teufel komm raus die Kolonisierten zu schützen. In seinem Wahn, dass der menschliche Körper ein absolut reines Gefäß sein muss, überschreitet er viele Grenzen und führt einen skrupellosen wie erfolglosen Kampf. Seiner Meinung nach müssten ganze Landstriche vernichtet, die Infizierten in Lagern separiert werden. Vieles wiederholt sich in diesem Abschnitt und es wird zwischendurch ziemlich langweilig, wobei die vorgenommenen Untersuchungen bzw. Heilungsversuche echtes Entsetzen auslösen.

Im dritten für mich eigentlich interessantesten Teil schließlich geht es um „Typhoid Mary“ in New York. Die aus Irland eingewanderte Mary Mallon war ein sogenannter „gesunder Träger“ von Typhusbazillen. Selbst nie erkrankt, steckte sie zahllose Menschen, in deren Häusern sie als Köchin arbeitete, unbewusst an. Drei starben, viele überlebten nur knapp. Sie wurde daraufhin zeit ihres Lebens, an die 26 Jahre, in Quarantäne weggesperrt. Koch, 1908 auf Amerikareise, will ihr helfen, erkrankt jedoch selbst schwer und muss sich über Monate einiger Prozeduren unterziehen, die er unbekümmert über Jahre seinen Probanden zumutete. Möglicherweise hat ihn das ein wenig zum Umdenken gebracht.

Der Schreibstil des Autors weiß in großen Teilen zu überzeugen, ist mitunter dennoch schwer verdaulich. Streckenweise ein wirklich zähes Lesevergnügen. Wissenschaftlich Interessierte könnten dennoch Gefallen daran finden, Robert Koch bei seinen Versuchen, die Welt von Erregern zu befreien, über die Schulter zu schauen.

Kerstin hat am Sonntag, Mai 9th, 2021 | Geschrieben unter: Biografie,Lichtwarck-Aschoff, Michael,Sachbuch | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Markus Thiele
Verlag: Benevento
ISBN-13: 978-3-7109-0128-7
Gebundene Ausgabe 240 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Gibt es die Unfehlbarkeit des Rechts?

Inhalt:

Strafrichter Frank Petersen ist von sich und vor allem seiner Unfehlbarkeit als Richter überzeugt. Doch es häufen sich Zweifel an seiner Integrität, Urteile von ihm werden in höherer Instanz widerrufen. Aufgrund einer Entscheidung, die er aus Befangenheit hätte nicht treffen sollen, wendet sich sogar seine Familie von ihm ab, wirft ihm Vorurteile, gar Fremdenhass vor. Schließlich löst die Haftentlassung von Corinna Maier, die einst in seinem Gerichtssaal vor Urteilsverkündung den Mörder ihres Sohnes erschoss, alte Wunden auf. Petersen muss sich fragen, ob er seinem eigenen Urteil noch trauen darf.

Meine Meinung:

Unter Einbeziehung zweier wahrer Rechtsfälle – dem Fall Marianne Bachmeier, die 1981 den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschoss, und dem Fall Amadeu Antonio Kiowa, der 1990 in Eberswalde Opfer rechtsradikaler Gewalt wurde – legt Markus Thiele nach „Echo des Schweigens“ hier erneut einen klugen Roman über die Unfehlbarkeit des Rechts und die Grenzen von Schuld und Gerechtigkeit vor.

Mit Petersen, wie er im Buch auch fast ausschließlich bezeichnet wird, ist es nicht leicht, warm zu werden. Eigentlich ist er tatsächlich der selbstherrliche, von sich überzeugte Mensch, den seine Frau in ihm sieht und der schlussendlich während seiner Reise zu sich selbst auch von außen nur Bestätigung und Rechtfertigung seiner Handlungsweise sucht. Dass er dabei Fehler einräumt und zur Selbsterkenntnis kommt, kann man ihm aber positiv anrechnen.

Die auf zweiter Handlungsebene erzählte Geschichte der Corinna Maier, die erst ihre große Liebe und dann auch noch ihren Sohn durch rechte Gewalt verliert, hat mich dagegen wesentlich mehr berührt. Was für ein Schicksal und für mich durchaus nachvollziehbarer Grund ihrer Kurzschlusshandlung. Die Lebenswege beider kreuzen sich nach dem Mord im Gerichtssaal und Verbüßen der Haftstrafe erneut und bedeuten nach anfänglichem Unverständnis doch so etwas wie Heilung.

Es handelt sich hier wahrlich nicht um einen Justizthriller, vielmehr um eine tiefgründige Betrachtung des Justizsystems mit all seinen Grauzonen und Tücken. Und um die ausführliche Charakterstudie eines Mannes des Gesetzes, der willens ist, sein Bestes zu geben und doch immer wieder an seine Grenzen gerät. Der Roman regt definitiv zum Nachdenken an und zeigt einmal mehr, dass es ein reines Richtig oder Falsch nicht gibt.

Kerstin hat am Mittwoch, April 28th, 2021 | Geschrieben unter: Literatur allg.,Thiele, Markus,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off
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