Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

 

Autor:

Elisabeth Herrmann
Verlag: cbj Verlag
ISBN-10: 3570165132
Gebundene Ausgabe 474 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Unbequemes Thema großartig verpackt

Zum Inhalt:

Das Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern in Meißen soll eines Tages der große Bruder übernehmen. Also sucht Mia nach beruflichen Alternativen und entscheidet sich, Journalismus zu studieren. Für die Aufnahmeprüfung soll ein Familienfoto recherchiert werden. Dies ist schnell gefunden, denn schon immer hängt im Laden das Bild von einem riesengroßen Nashorn aus Schokolade, dazu Gottlob Herder aus Lüneburg und der kleine Jakob Arnholt, Mias Urgroßvater. Jakob ist schwarz und einst aus der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ ins Land gekommen.

Mia interessiert sich brennend für seine Geschichte und macht sich auf den Weg nach Lüneburg, wo die Nachkommen von Gottlob Herder noch immer eine große Schokoladenfabrik führen. Ein Mord und mehrere Anschläge auf ihr Leben zeigen, dass sie einem Geheimnis auf der Spur ist, das keinesfalls ans Tageslicht dringen soll.

Meine Meinung:

Der neue Jugendroman von Elisabeth Herrmann hat mich wirklich begeistert. Es mag weniger Thriller drin sein als in dem letzten, den ich von ihr gelesen habe – „Die Mühle“. Dieser erschien mir aber auch für die Altersgruppe fast zu heftig.

Die Schokoladenherstellung bildet für den Roman nur die Rahmenhandlung, Hauptthema ist die wenig rühmliche Rolle Deutschlands in der Kolonialzeit, die nach wie vor ein Tabuthema zu sein scheint, obwohl die Vernichtung der Herero inzwischen als Völkermord anerkannt wurde. Ich zumindest hatte zu dem Thema bisher so gut wie noch gar nichts gelesen oder auch von der Schule her behalten, weshalb ich auch immer wieder begeistert bin, wie toll die Autorin geschichtlich brisantes Material mit einer spannenden Story zu verknüpfen vermag.

Der Roman ist wirklich keine Minute langweilig und es macht großen Spaß gemeinsam mit Mia die verworrenen Rätsel einer längst vergangenen Zeit aufzudecken. Sie ist eine tolle Hauptfigur, mit der ich mich sofort identifizieren konnte. Ein Mord und mehrere Anschläge auf das Leben halten die Spannung auch enorm hoch, es werden einige Spuren gelegt, um schließlich dann doch bei einem von mir nicht vermuteten Täter zu landen. Auch eine kleine Liebesgeschichte bahnt sich an, die aber absolut nicht überhand, jedoch ein süßes Ende nimmt.

Der Schreibstil von Elisabeth Herrmann ist einfach großartig, flüssig zu lesen, immer auf dem Punkt und von mitreißender Qualität. Das Buch ist kein splattermäßiger Thriller, sondern bietet nebenbei auch noch Einblick in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte, vor dem wir auch heute noch keinesfalls die Augen verschließen sollten.

Absolut überzeugend und definitiv zu empfehlen für den anspruchsvollen jungen, aber auch älteren Leser.

Ich danke dem cbj-Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, Mai 27th, 2018 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Herrmann, Elisabeth,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael E. Vieten
Verlag: Abacus Verlag
ASIN: B07B7R9GW3
E-Book: 296 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Der Mensch ist des Menschen Wolf

Inhalt:

Im Wolfsgehege eines Tierparks im Hunsrück werden menschliche Überreste gefunden. Ein willkommener Anlass für die Gegner der Einrichtung, die eine Schließung aufgrund finanzieller Interessen befürworten, die Angst der Menschen in der näheren Umgebung zu schüren. Christine Bernard beginnt zu ermitteln und schnell kristallisieren sich mehrere mögliche Spuren heraus. Wer steckt wirklich hinter dem feigen Mord? Die Kommissarin gibt alles und gerät dabei erneut mehr als einmal selbst in Lebensgefahr.

Meine Meinung:

Inzwischen hat Michael E. Vieten den 4. Band um Christine Bernard vorgelegt. Die vorherigen Fälle werden teilweise kurz angeschnitten, es ist aber nicht nötig, diese vorab gelesen zu haben.

Mit der Einbeziehung des Wolfes in seinen Kriminalfall nimmt sich der Autor erneut eines aktuellen Themas an, denn die zunehmende Wiederansiedlung des Wolfes in Deutschland ruft sowohl Gegner als auch Befürworter dieses großartigen Tieres auf den Plan, womit ausgedrückt sein sollte, auf welcher Seite ich mich sehe.

Es ist deutlich zu spüren, dass der Autor auf Kritik reagiert. Die hohe Attraktivität der Kommissarin ist diesmal gar kein Thema, auch die Namensbezeichnungen sind angenehmer zu lesen. Christine ist weit weniger starrsinnig, hat also auch eine Entwicklung durchgemacht und die allzu häufigen spontanen Perspektivwechsel wurden ebenfalls reduziert.

Der Leser bekommt interessante Hintergrundinfos zum Wolf an sich und die vielfältigen Spuren ermöglichen ein Miträtseln bis zum Schluss. Das Ende ist auch nicht wirklich vorhersehbar, wenn auch gut nachvollziehbar. Durch gute polizeiliche Ermittlungsarbeit erschließt sich Schritt für Schritt die Lösung. Dennoch wird es nie langweilig und an einigen Stellen, wenn sich Christine doch mal wieder allein dem Gegner stellt, sogar so richtig spannend.

Das Einfließen ihres Privatlebens im genau richtigen Umfang macht die Kommissarin noch sympathischer und menschlicher.

Alles in allem ein wirklich gut recherchierter und aufbereiteter Kriminalfall, der auch Leser mit empfindlicherem Gemüt überzeugen sollte. Es bleibt auf jeden Fall spannend bei Christine Bernard und ich werde ihre Tätigkeit als Kommissarin bestimmt weiterverfolgen.

Ich danke dem Autor bzw. dem Abacus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, Mai 20th, 2018 | Geschrieben unter: Thriller/Krimi,Vieten, Michael E. | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Rose Snow
Verlag: Selfpublishing
ISBN-10: 1980665850
TB: 337 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Modernes Märchen über die Suche nach der wahren Liebe

Inhalt:

Im britischen Königshaus gibt der Zweitgeborene, Prinz Henry, gern den Partyprinz und forciert Schlagzeilen geradezu. Die Liebe ist für ihn nur ein Spiel, bis er eines Tages den Schauspielerinnen Haley und Maxine begegnet. Beide haben von Beginn an eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf ihn.

Seit Jahrhunderten soll ein Fluch über der Königsfamilie liegen und nur ein Kuss der wahren Liebe in einer bestimmten Vollmondnacht ist in der Lage, ihn zu brechen. Prinz Henry glaubt natürlich nicht daran, doch die Zufälle häufen sich und schlussendlich muss er eine Entscheidung treffen.

Meine Meinung:

Mit „Der Prinz und die Schauspielerin“ legt das Autorenduo Rose Snow einen märchenhaften Roman vor, der für sich allein steht und nichts mit ihren anderen Reihen zu tun hat.

Parallelen zum tatsächlichen britischen Königshaus sind unverkennbar und sicher beabsichtigt. Aber auch an die Serie „The Royals“ fühlte ich mich oft erinnert und hatte an diesen Doppeldeutigkeiten besonders viel Spaß.

Die Perspektive wechselt zwischen Henry, dem Prinzen und Haley sowie Maxine. Da jeder seine eigene Sicht auf gewisse Situationen schildert, kommt es schon mal zu Überschneidungen, aber das fand ich besonders interessant und nicht etwa störend. Sympathisch waren die Damen irgendwie beide, da wäre auch mir eine Entscheidung schwergefallen. Aber in diesem Fall muss man wohl einfach sein Herz sprechen lassen.

Genial gelöst auch die Einschübe der „echten“ und der „unechten“ Liebe. Hier konnte der Leser wunderbar miträtseln, wer nun wer ist. Auch ich habe meine Meinung mehrmals über den Haufen geworfen. An einer Stelle, meine ich, wird zu viel verraten, aber da auch durch die gespielten Märchen auf einer Geburtstagsfeier (tolle Idee übrigens, wäre ich sofort dabei) ständig die Haarfarben der Damen wechseln, hatte ich zum Ende hin auch wieder keinen Plan. Die Auflösung ist wunderschön und alle finden ihr Happy End. Wer nun welchen Traumprinzen bekommt, müsst ihr schon selbst lesen.

Ein wirklich schöner Ausflug in die Welt der Märchen, voller Romantik und großer Gefühle, auf den Rose Snow mich wieder einmal mitgenommen haben.

Ich danke den Autorinnen für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares, was meine Meinung aber nicht beeinflusst hat.

Kerstin hat am Dienstag, Mai 1st, 2018 | Geschrieben unter: Fantasy/Paranormal,Liebesroman,Snow, Rose | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Sandra Henke
Verlag: Selfpublishing
ASIN: B079R6X8DC
E-Book: 221 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Melancholisches Liebesmärchen voller Poesie

Inhalt:

Die 21-jährige Stella ist unglücklich, denkt sogar an Suizid. Ihre lieblosen Eltern sind hilflos und schicken sie von einem Psychologen zum anderen. Ihre letzte Hoffnung – ein Sanatorium in Cornwall. Hier begegnet sie am Rande des Abgrunds dem Maler Simon, der ihrem Jugendschwarm Paul Gold so ähnlich sieht. Zum ersten Mal erfährt sie Aufmerksamkeit und Zuwendung. Doch einiges ist rätselhaft an Simon und als Stella seinem Geheimnis auf die Spur kommt, droht ihr empfindsames Herz endgültig zu zerbrechen.

Meine Meinung:

Ich habe schon einige Romane von Sandra Henke gelesen. Sie konnte mich sowohl im erotischen Bereich überzeugen als auch in der Spannungsliteratur unter dem Pseudonym Laura Wulff. Besonders aber mag ich ihre locker-leichten Romane der Herzchenkonfetti-Reihe. Dieser dritte Band – der im Übrigen völlig unabhängig von den anderen gelesen werden kann – ist allerdings ganz anders, aber deshalb nicht weniger schön.

Die anfänglich melancholische Grundstimmung entfaltet sich nach und nach zu einer Liebesgeschichte voller Hoffnung und Emotionen. Der leise Roman braucht keine besonderen Höhepunkte oder ein aufregendes Setting, um sich dem Leser ganz tief ins Herz zu schleichen. Die Hauptfiguren mit ihrer breiten Palette an Gefühlen tun das ihrige dafür.

Stella habe ich sofort ins Herz geschlossen, dieses vernachlässigte Mädchen, das sich ihr Leben lang nur nach Liebe sehnt. Wie sie sich nach und nach öffnet und wieder Mut und Kraft für die Zukunft schöpft, ist einfach wunderbar beschrieben. Simon war mir ebenfalls sympathisch, auch wenn er mir nicht ganz so nahekam. Er versteht es, seine Gefühle in Farben auf die Leinwand zu bringen, aber weiß auch mit Worten zu überzeugen. Worte, die ihm natürlich die Autorin in den Mund gelegt hat, und das macht sie grandios. So viele Textstellen sprühen nur so vor Poesie und lassen die Fantasie auf Reisen gehen.

Neben der Entwicklung der zarten Liebesgeschichte gibt es auch überraschende Wendungen und eine Prise Dramatik, sodass man sich zum Schluss umso mehr am Happy End der Protagonisten erfreuen kann und das Buch mit einem wirklich guten Gefühl zuklappt. Wer es etwas tiefgründiger mag, ist mit „Mein Herz ist ein Chamäleon“ genau an der richtigen Adresse.

Ich danke Sandra Henke für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, April 15th, 2018 | Geschrieben unter: Frauen,Henke, Sandra,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

A. J. Finn
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3764506415
Klappen-
broschur:
541 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Spannendes Psychopuzzle und Hommage an Film noir

Inhalt:

Anna Fox leidet nach einem schweren Trauma unter Depressionen und Agoraphobie, kann also ihr großes Haus in New York nicht verlassen. Die Kinderpsychologin hilft in Online-Foren ebenfalls Betroffenen, spielt Schach am Computer, sieht mit Vorliebe Schwarz-Weiß-Filme und bei allem trinkt sie viel zu viel und nimmt wahllos Medikamente. Außerdem beobachtet sie mit Vorliebe ihre Nachbarn. Als sie Zeuge eines Verbrechens wird, ist sie nicht in der Lage zu helfen. Sie findet sich nach einem Zusammenbruch vor ihrem Haus im Krankenhaus wieder und ihren Beteuerungen wird nicht geglaubt. Hat sie sich alles nur eingebildet? So langsam beginnt Anna selbst, an sich zu zweifeln.

Meine Meinung:

Mit „The Woman in the Window“ hat A. J. Finn wirklich ein beeindruckendes Debüt hingelegt, ob es nun der Spannungsbestseller des Jahres ist, bleibt abzuwarten, immerhin liegt die Hälfte ja noch vor uns.

Ich-Erzählerin Anna ist eigentlich zu kaputt, um wirklich sympathisch zu sein, aber ihren Schmerz aufgrund des durchlebten Traumas, welches erst nach und nach zur Sprache kommt, konnte ich gut nachvollziehen. Für meinen Geschmack startet das Buch etwas zu gemächlich, erst nach ca. 200 Seiten passiert wirklich was. Hier hätten ein paar Kürzungen dem Lesefluss gutgetan. So ist es lediglich eine Aufzählung von Annas relativ eintönigem Tagesablauf, mit dem ständigen Verweis auf ihren Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Eigentlich müsste sie es ja besser wissen und bei den Mengen wundert es mich ehrlich, dass sie nicht schon längst mal in der Notaufnahme gelandet ist bzw. unrettbar im Haus ihr Leben ausgehaucht hat, da sie ja kaum Kontakt zur Außenwelt hat.

Danach nimmt der Thriller wirklich Fahrt auf und war am Ende ganz nach meinem Geschmack. Eine unerwartete Wendung folgt auf die andere und die Auflösung konnte zumindest mich trotzdem überraschen, wobei ich dem Täter da in einer Hinsicht auch zustimmen muss. Doch Drogen und Alkohol haben da wohl ihr vernichtendes Werk bereits aufgenommen und so einige Gehirnzellen sind dabei auf der Strecke geblieben.

Annas Vorliebe für Schwarz-Weiß-Filme wird in großem Umfang zelebriert und Fans des Film noir kommen sicher voll auf ihre Kosten. So gibt es diverse Einschübe zu Filmszenen sowie –zitaten mit den großen Stars dieser Ära.

Der Autor schafft es auch wirklich sehr geschickt, kaum merkbare Spuren zu legen und schließlich den Kreis der Verdächtigen stets offen zu halten. Ebenso wie Anna an sich selbst, zweifelt auch der Leser irgendwann daran, was nun Wirklichkeit und was Einbildung ist. Die oft relativ kurzen und knackigen Kapitel fördern das Lesetempo und gegen Ende mochte ich das Buch wirklich kaum noch weglegen.

Ich könnte mir das Buch wirklich extrem gut als Film vorstellen, hier ist auch kein großer Aufwand nötig, weswegen Hollywood wohl schon voll dabei ist. Fans des psychologischen Thrills kann ich das Buch trotz einiger Längen am Anfang wärmstens empfehlen.

Ich danke dem Blanvalet Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Donnerstag, April 12th, 2018 | Geschrieben unter: Finn, A. J.,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Kristina Valentin
Verlag: Diana
ISBN-10: 3453359232
Taschenbuch: 288 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Der Sommer, der alles verändert

Inhalt:

Katharina lebt nach einem schweren Schicksalsschlag nur noch für ihre Kinder und ihren Beruf. Sie selbst bleibt dabei leider auf der Strecke. Aufgrund eines Auslandaufenthalts ihrer Freundin Kerstin soll sie deren Haus für längere Zeit hüten. Die Chance, endlich im Grünen zu leben, wo ihre Kinder die Natur entdecken können, nimmt sie sofort wahr. Doch zum Arrangement gehört auch Nachbar David, den sie unterstützen soll, weil er im Rollstuhl sitzt. Er bietet ihr sogar einen Job an, bringt ihr Lachen zurück und schon bald möchte sie in seinen blauen Augen versinken. Doch nicht nur sie hat eine schmerzliche Vergangenheit, auch David fällt es nicht leicht, sich der Liebe zu öffnen.

Meine Meinung:

Immer mal wieder was Neues. Bisher veröffentlichte Kristina Valentin ihre Romane stets unter ihren Pseudonymen Kristina Günak bzw. Kristina Steffan. Zum Glück ist die Autorin medial gut unterwegs, sodass auch diese Neuveröffentlichung einer meiner liebsten Autorinnen mir nicht entgehen konnte.

Auf den ersten Seiten dachte ich dann, wow, wieder ein echter Günak/Steffan, denn der feine Humor, den ich so an ihr liebe, kam voll zur Geltung. Aber mit zunehmender Lesezeit kristallisierte sich dann doch heraus, warum hier wohl ein neues Pseudonym gewählt wurde. Denn trotz des meist sehr humorvollen Untertons geht es in diesem Liebesroman auch um große Verluste und schmerzliche Erfahrungen. Kristina nimmt sich hier eines Themas an, das nicht sehr oft in Romanen behandelt wird und wenn, dann doch eher negativ belastet ist.

Sie bricht mit ihrer Figur David eine Lanze für Menschen mit Behinderung, die wenn auch nicht mit beiden Beinen, so doch aber mit ganzem Herzen im Leben stehen und ihre Einschränkungen zum größten Teil der Umwelt verdanken. Sie führen ein weitestgehend normales Leben, ihr Umfeld macht sie zu etwas Besonderem, im schlimmsten Fall Bemitleidenswertem. David ist ein cooler Typ, witzig und beruflich erfolgreich. Dennoch hat auch er seine Dämonen zu bekämpfen, wie wohl jeder Mensch.

Bei Katharina hat die Autorin einiges von sich selbst einfließen lassen, ist oder war sie doch selbst auch als Mediatorin tätig. Ich konnte mir darunter nie so wirklich etwas vorstellen, jetzt bin ich schlauer. Die Figur war mir sofort sympathisch und ihre Angst um die Kinder und vor der Zukunft extrem gut nachvollziehbar. Sie ist dermaßen in ihrem Hamsterrad gefangen, dass sie erst durch David merkt, dass ihr Herz schon längst Heilung erfahren hat und offen für Neues ist.

Meines Erachtens schafft Kristina Valentin ganz hervorragend den Balanceakt, die Behinderung (den Rollstuhl) und alle damit verbundenen Probleme zum Thema zu machen, ohne es besonders hervorzuheben. Es gehört einfach dazu und ist vor allem kein Grund, einer großen Liebe keine Chance zu geben. Es braucht viel Mut, über seinen Schatten zu springen und seinem Herzen einen Schubs in die richtige Richtung zu geben. Genau das lehren uns die Protagonisten in ihrem unvergesslichen Sommer und ich habe sie unheimlich gern dabei begleitet. Und wenn dann noch Einhörnchen um die Ecke kommen, kann eigentlich alles nur noch gut werden. Klare Leseempfehlung für Liebhaber von Romanen mit Tiefgang, die der Seele Flügel verleihen.

Ich danke dem Diana-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Freitag, März 30th, 2018 | Geschrieben unter: Frauen,Günak, Kristina,Humor,Liebesroman,Steffan, Kristina,Valentin, Kristina | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Adriana Popescu
Verlag: cbt
ISBN-10: 3570311988
Klappen-
broschur:
398 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Hab dich – Einmal Mond und zurück

Zum Inhalt:

Die 16jährige Fritzi hatte sich ihren Sommer ganz anders vorgestellt, nämlich als großes Abenteuer mit ihrer besten Freundin Isa. Doch nun macht sie nicht Urlaub auf Rügen, wie es geplant war, sondern findet sich zwar ebenfalls auf der Insel, jedoch in einer Einrichtung für psychisch erkrankte Teenager wieder. Sie landet bei den „Astronauten“ und muss sich mit der schüchternen Sarah ein Zimmer teilen sowie sich den Launen des sportbesessenen Tim stellen. Und dann ist da noch Basti, ein wirklich crazy Typ, der sich jedoch schnell in ihr Herz schleicht. Jeder von ihnen verbirgt ein Geheimnis und versucht, dessen Lüftung tunlichst zu verhindern. Doch um wirklich eine Chance auf Heilung zu bekommen, müssen die Jugendlichen sich aufeinander einlassen, ihre Mauern fallen lassen und ihrer Freundschaft eine Chance geben.

Meine Meinung:

Bereits das Prequel zum Roman – „Schöne Grüße vom Mond“ – hat mich neugierig auf das neue Jugendbuch von Adriana Popescu gemacht. Da sie zudem eine meiner Lieblingsautorinnen ist, war es keine Frage, dass ich mich diesem schnellstmöglich widme. Ich habe es in kürzester Zeit verschlungen und bin wieder einmal begeistert vom unverkennbaren Schreibstil der Autorin.

Obwohl die Geschichte ein eher ernsteres Thema beinhaltet, fehlen keineswegs der Humor und die Spritzigkeit, die einen echten Popescu ausmachen. Die vier Jugendlichen sind so unterschiedlich wie die Gründe, die sie nach Rügen gebracht haben. Diese werden im Verlaufe des Buches erst nach und nach aufgedeckt und gehen jeder für sich tief unter die Haut. Als Leser fühlt man sich hin- und hergerissen und man weiß gar nicht, mit wem man nun mehr mitleiden soll. So gibt es auch Schockmomente, die das Blut in den Adern gefrieren lassen und fast Angst vorm Weiterlesen verursachen. Die Teenager machen in der kurzen Zeit, die sie quasi zwangsweise aneinandergebunden werden, eine erstaunliche Entwicklung durch.

Natürlich ist die zarte Liebesgeschichte zwischen Fritzi und Basti etwas ganz Besonderes. Hier versteht die Autorin es wunderbar, sich in die Gefühlswelt eines Teenagers hineinzuversetzen, der zum ersten Mal von seinen Emotionen überwältigt wird. Aber auch das Setting war ein Highlight, da die Ostsee für mich seit meiner Kindheit nichts von ihrer Faszination verloren hat. Der Insel Rügen wird hier in all ihrer Schönheit ein Denkmal gesetzt.

Wie jedes Mal bei einem Popescu-Roman sind es aber die unzähligen Anspielungen auf Filme, Serien und Musik, die für mich das Tüpfelchen auf dem i bedeuten. Nicht jeder Leser wird alles nachvollziehen können, aber für mich als Cineast und Serien-Junkie war es wieder ein absolutes Fest. Allein die Kapitelunterschriften haben ausnahmslos Bezug zu einem Film und passen dennoch ideal zum Inhalt des selbigen. Schon dafür mein allergrößter Respekt. Wenn es dann noch von aufschreibwürdigen Zitaten nur so wimmelt, dann bleibt mir nur, auch dieses Buch in die Liste meiner Lieblingsbücher aufzunehmen und natürlich es von ganzem Herzen weiterzuempfehlen, sowohl der Gruppe der jungen Leser ab 13/14 als auch den jung Gebliebenen Literaturliebhabern, denn Adriana Popescu ist eine wahrlich großartige Geschichtenerzählerin.

Ich danke dem cbt-Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplares.

Kerstin hat am Montag, März 19th, 2018 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Popescu, Adriana | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

 

Autor:

Stephan Harbort
Verlag: Knaur
ISBN-10: 3426788667
Taschenbuch: 240 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Was macht Frauen zu Serienmörderinnen?

Inhalt:

Es sind weit weniger bekannte Fälle dokumentiert als bei der männlichen Spezies, aber es gibt sie – Frauen, die in Serie töten. Stephan Harbort, Kriminalkommissar und Experte für Serienmörder und kriminalistisches Profiling, beschäftigt sich in diesem True-Crime-Sachbuch mit sieben ausgewählten Serienmörderinnen, die im deutschsprachigen Raum von 1945 bis 2015 aktiv wurden. Er erzählt ihre Geschichte, versucht hinter die Motive zu blicken und analysiert die Psyche der Täterinnen, die eventuell ausschlaggebend für ihr Verhalten war.

Meine Meinung:

„Killerfrauen“ ist mein erstes Buch von Stephan Harbort, obwohl ich mich schon länger für die Thematik interessiere, bisher jedoch vor allem aus Sicht der Rechtsmedizin. Ich finde es generell spannend, hinter die Geschichten zu blicken und der großen Frage nach dem Warum ein bisschen näher zu kommen.

Die sieben Geschichten enthalten die Klassiker wie Kindestötung, Todesengel und die Schwarze Witwe, die auch in unzähligen Filmproduktionen thematisiert wurden. Aber es sind auch Fälle dabei, die für echtes Erstaunen sorgen, speziell wenn man in besondere Ermittlungsmethoden der Polizei Einblick erhält. Der Autor hat mit einigen der Täterinnen persönlichen Kontakt gehabt, mit anderen schriftlich verkehrt, immer jedoch gründlich recherchiert, was man seiner Schreibweise auch anmerkt und worauf das angehangene Literaturverzeichnis deutlich verweist.

Fast immer wird jeweils der Fall betrachtet und im Anschluss versucht, der Täterin ein Gesicht zu geben, indem man ihren Hintergrund beleuchtet. Das erfolgt sachlich, analytisch und ohne Wertung. Bei einigen Fällen wurde dies jedoch ausgespart und gerade da hätte mich diese Sichtweise besonders interessiert. Natürlich sind auch vieles nur Vermutungen, wenn die Angeklagten nicht in der Lage oder willens sind, sich umfassend zu äußern, denn in den Kopf schauen kann man nun mal nicht. Generell hätte ich mir einen etwas tieferen Einblick in die Psyche der Damen gewünscht, denn die meisten Fragen bleiben schlussendlich offen. Aber das ist wohl Geschmackssache und die richtige Balance für alle zu finden schlicht unmöglich.

Die Statistik am Ende über Merkmalshäufigkeiten bei Täterinnen, Opfern und Taten fand ich sehr interessant. Insgesamt ein wirklich gutes Buch, um einen tieferen Einblick in die Abgründe der weiblichen Seele zu bekommen und sein Wissen zu erweitern. Fan von True Crime kann ich das Buch nur empfehlen und ich werde mir sicher auch andere Werke des Autors näher ansehen.

Ich danke Stephan Harbort für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Donnerstag, März 8th, 2018 | Geschrieben unter: Harbort, Stephan,Sachbuch,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Kristina Günak
Verlag: Selfpublishing
ASIN: B074DXM3VH
E-Book: 334 Seiten
Persönliche
Wertung:
Serienzuge-
hörigkeit:
Band 1 – Charlottes Erbe

 

Vampire unter uns – Charlottes Erbe Teil 1

Inhalt:

Charlotte Sanders begegnet während eines Meetings eher zufällig Luka Van Dyke, dem Chef ihrer Firma – einem großen Immobilienunternehmen mit Sitz in Hamburg. Anders als bei allen anderen ist es ihm nicht möglich, sie zu manipulieren. Charlotte hat keine Ahnung, mit wem sie es wirklich zu tun hat. Sie selbst ist sich bewusst, schon immer ein wenig anders zu sein und als sie während einer Vision zusammenbricht, wird sie von Luka kurzerhand in sein einsam gelegenes Häuschen am Meer entführt.

Eine unnatürliche Anziehung entsteht zwischen beiden, der sie sich nicht entziehen können. Als Luka jedoch herausfindet, wer Charlotte wirklich ist und welche Gefahr sie nicht nur für die Vampirgemeinschaft, zu deren einflussreichsten Mitgliedern er zählt, sondern für die gesamte Menschheit bedeutet, setzen er und seine Freunde alles daran, die Frau, die sich klammheimlich in sein erstarrt geglaubtes Herz geschlichen hat, zu beschützen.

Meine Meinung:

Da ich die Romane von Kristina Günak im Allgemeinen sehr gern mag und Vampirgeschichten im Besonderen, habe ich nicht lange gezögert, mir ihren allerersten Roman zu kaufen, der viele Jahre in der Schublade seiner Veröffentlichung entgegenfiebern musste.

Klar, es geht hier um eine wesentlich düstere Story, als es beispielsweise bei der Hexen-Serie der Fall ist, dennoch hätte ich die Autorin anfangs nicht wiedererkannt. Erst nach der Hälfte des Buches flammte so ab und an ein bisschen des Humors auf, den ich an ihr so liebe. Es werden für meinen Geschmack die Hintergründe und das Besondere an Charlotte etwas zu wenig beleuchtet. Viele Fragen bleiben doch irgendwie ungeklärt. Bei einem Einzelroman hätte mich das wohl doch ziemlich enttäuscht, aber zum Glück gibt es ja eine Fortsetzung, auf die ich große Hoffnungen setze.

Toll fand ich die Nebencharaktere, speziell die männlichen. Diese sind tatsächlich so angelegt, dass es schade wäre, nichts über ihren weiteren Werdegang zu erfahren. Vor allem haben sowohl Protagonisten also auch Antagonisten Stärken und Schwächen, was sie dann doch irgendwie wieder menschlich macht. Mit Charlotte bin ich nicht wirklich warm geworden, bei Luka ist die Wandlung vom Eisklotz zum fühlenden, aber dennoch starken Helden sehr gut gelungen. Ihrem animalischen Erbe wegen kann ich es akzeptieren, dass bereits nach gefühlt zwei Tagen die berühmten drei Worte fallen, was eigentlich nicht so meins ist.

Auch wenn ich anfangs etwas schwer in die Geschichte reingefunden habe, steigert sich doch die Spannung kontinuierlich und gipfelt in einem schönen Showdown. Für die interessante Grundidee und den makellos flüssigen und nicht zu schwülstigen Schreibstil kann es nur ein Daumen hoch geben. Mit geringfügigen Abstrichen kann ich daher Vampirfans den Auftakt von „Charlottes Erbe“ durchaus weiterempfehlen.

Kerstin hat am Mittwoch, Februar 28th, 2018 | Geschrieben unter: Fantasy/Paranormal,Günak, Kristina,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Matt Haig
Verlag: dtv Verlag
ISBN-10: 3423280719
Gebundene Ausgabe 304 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Der Weg zurück vom Abgrund

Inhalt:

Matt Haig ist gerade mal 24, als ihn eine heimtückische Krankheit, scheinbar aus heiterem Himmel, in die Knie zwingt – die Depression. Nur einen winzigen Schritt weiter und dieses Buch wäre nie entstanden, denn der Autor stand im wahrsten Sinne des Wortes am Abgrund. Seine dunkelsten Stunden, die Auslöser, seine komplette Gefühlswelt, aber auch die ersten winzigen Schritte in eine bessere Zukunft beschreibt er in diesem Buch. Dies tut er so gefühlvoll, ehrlich und schonungslos, dass es im Innersten berührt.

Meine Meinung:

Eine sehr gute Freundin hat den Autor Matt Haig für sich entdeckt und mir dieses Buch in dem Wissen empfohlen, dass ich als Angehöriger persönlich von dem Thema betroffen bin. Dafür schulde ich ihr großen Dank.

Auch bei uns gab es die Anzeichen, aber irgendwie war es dann doch wie ein Donnerschlag, als die Depression mit unbeschreiblicher Härte über meine geliebte Mama hereinbrach, ihr jeden Lebensmut nahm und ihren Mann und mich zu hilflosem Zuschauen verdammte. Wir waren in meiner Kindheit viele Jahre auf uns allein gestellt, sie mein wichtigster Bezugspunkt, Mutter, Schwester, Freundin in einem. Was haben wir nicht alles zusammen unternommen – Konzerte, unzählige Theaterbesuche, Buchevents – unvergessliche Erlebnisse. Ihr wahres Alter stets verleugnend, immer fit und agil, voller Tatendrang. Eine Welt, die plötzlich aufhörte zu existieren.

Wer kennt sie nicht, die kleinen depressiven Phasen, wenn alles wenig Sinn zu machen scheint? Sie geben vielleicht einen kleinen Einblick in das Empfinden, wenn eine wahre Depression vorliegt, die nicht nur das Gehirn in seine Einzelteile zu zerlegen scheint, sondern einen auch körperlich an jede Grenze bringt. Wenn jede Bewegung ein Kampf ist, jeder neue Tag ein schier unüberwindliches Hindernis. Nicht Betroffene können es nur im Ansatz verstehen. Matt Haig beschreibt diese Gefühle so real, nachvollziehbar, aber auch schonungslos, dass betroffene Angehörige definitiv ein besseres Verständnis erlangen. Aber er gibt auch Hilfestellung, wie man mit den Betroffenen umgehen, was man auf keinen Fall tun sollte.

Mir persönlich hat das Buch unheimlich viel gegeben. Fernab von jeder wissenschaftlichen Erklärung, die ohnehin nur unbefriedigend wäre, weil die Krankheit so vielfältige Erscheinungsformen hat, bietet er anhand seiner eigenen Erfahrungen Lösungswege, aber er schenkt auch Kraft und Mut, das Schicksal anzunehmen.

Von Beginn an habe ich überlegt, ob es einen Sinn macht, das Buch meiner Mutter zum Lesen zu geben, ob es ihr eine Hilfe sein kann oder eher das Gegenteil bewirkt. Die ganz große und enorm wichtige Aussage des Buches ist: Du bist nicht allein damit und es gibt ein Morgen, vielleicht keine vollständige Heilung, aber Besserung. Aus diesem Grund will ich es versuchen, vor allem auch, da seit dem großen Zusammenbruch inzwischen fast ein Jahr vergangen ist und unsere Erfahrungen zeigen, dass es tatsächlich aufwärts gehen kann. Natürlich gibt es immer wieder Rückschläge, Medikamente sind kein Allheilmittel, aber ein ganz großer Faktor ist tatsächlich die Liebe, wie auch Matt Haig zu berichten weiß.

Er befragte auch viele Betroffene über ihre Gründe, am Leben bleiben zu wollen, was mich besonders beeindruckt hat. Diese sind so unterschiedlich wie der Mensch selbst, aber dennoch ist die Liebe bei sehr vielen der Anker, der sie im Hier und Jetzt hält. Klar, nicht jeder schafft es, aber ich denke, für eine große Anzahl Menschen gibt es ein Danach, Tage, an denen sie wieder rundum glücklich sein können, wo sie die Schatten besiegen. Das Buch kann aus meiner Sicht auch helfen, mit der Krankheit besser umzugehen, ihr den Kampf anzusagen, die Kraft zu finden, es durchzustehen.

Daher ist „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ meiner Meinung nach sowohl für Betroffene als auch ihre Angehörigen ein großes Geschenk, wofür ich dem Autor sehr dankbar bin.

Kerstin hat am Sonntag, Februar 25th, 2018 | Geschrieben unter: Biografie,Haig, Matt,Sachbuch | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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