Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Category: Historisch

Es passiert ja relativ selten, dass sich jemand zu einer Lesung in unser kleines Zittau verirrt. Umso größer war meine Freude, als ich feststellte, dass der Autor Robert Domes eingeladen war, seinen biografischen Roman über das kurze Leben des Ernst Lossa – “Nebel im August” – im Rahmen einer Lesung in unserer Christian-Weise-Bibliothek vorzustellen. Ich war nämlich gerade dabei, das Buch zu lesen und wollte es mir natürlich nicht nehmen lassen, eine Signatur zu erhalten und vor allem den Autor und seine Beweggründe kennenzulernen.

lesung_domesDie Lesung war in drei Teile gegliedert. Zuerst berichtete Herr Domes, wie die Idee zu diesem Roman entstanden ist und über seine ausführliche Recherchearbeit. Zum Beispiel wurde er in diversen Ämtern und Heilanstalten vorstellig, interviewte Zeitzeugen und diverse Verwandte von Ernst Lossa, um sich ein umfassendes Bild seines Lebens zu machen. Mit seinem großen rhetorischen Talent und der dabei doch so ruhigen und eindringlichen Art fesselte der Autor seine Zuhörer von der ersten Minute an. Man merkte deutlich, wie sehr ihn persönlich Ernsts Geschichte auch nach der langen Zeit noch nahegeht.

Es folgte ein Lesungsabschnitt, wo Herr Domes einige Schlüsselszenen des Romans in eindrucksvoller Weise wiedergab. Auch hier wusste er absolut zu begeistern, den er brachte den Text, auch durch Einsatz verschiedener Stimmelemente, so lebendig rüber, dass selbst ich, die ja alles bereits gelesen hatte, ihn noch mal völlig anders wahrnahm. Danach hatte sicher nicht nur ich einen Kloß im Hals und auch der Autor brauchte einen Moment, um zurück ins Hier und Jetzt zu finden.signatur_domes

Den Schluss bildete eine Fragerunde, wo sich einige Zuhörer mit Beiträgen aus ihrer persönlichen Vergangenheit einbrachten. Denn auch hier in der ostsächsischen Region gab es nicht wenige Anstalten, in denen ähnliches Grauen stattfand, wie Ernst und Tausende andere Patienten es erdulden mussten. Das alles war sehr interessant und bewegend. Herr Domes berichtete in dem Rahmen auch noch, dass er oft für Schulklassen mit bis zu 100 Teilnehmern liest und es ihm ein großes Anliegen ist, das Thema Euthanasie im Dritten Reich nicht totzuschweigen. Seine Aktionen, die er teilweise unternommen hat, um die Opfer zu ehren, rührten dabei nicht nur mich zu Tränen.

Ich bin sehr froh, an dieser nachdenklich machenden und berührenden Lesung teilgenommen zu haben. Natürlich habe ich mir auch mein Buch signieren lassen. In der kommenden Woche werde ich mir dann auch noch den Film “Nebel im August” ansehen und darüber berichten. Ich danke dem Veranstalter, der Hillerschen Villa, und der Christian-Weise-Bibliothek für diese Möglichkeit.

Kerstin at Samstag, November 19th, 2016 | Filed under: Allgemein,Domes, Robert,Historisch | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Robert Domes
Verlag: cbj
ISBN-10: 3570403289
Taschenbuch 352 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Eines der schwärzesten Kapitel deutscher Geschichte

Zum Inhalt:

Ernst Lossa gehört zu einer Familie fahrender Händler, die im Sommer 1933 durchs bayerische Land zieht. Als die Mutter schwer erkrankt, während der Vater für Geschäfte unterwegs ist, werden ihr die Kinder entrissen. Ernst und seine drei Geschwister landen im Waisenhaus. Der gerade mal Vierjährige entwickelt sich zu einem schwierigen Kind, der einen Hang zum Diebstahl nicht verleugnen kann. Nachdem die Nonnen irgendwann überfordert mit ihm sind, wird er in ein Erziehungsheim abgeschoben. Eine Psychiaterin verpasst ihm hier den Stempel „asozialer Psychopath“, was ihn schließlich in eine psychiatrische Anstalt in Kaufbeuren bringt. Hier endet das viel zu kurze Leben des nicht einmal 15jährigen Ernst mit der Todesspritze. Im Rahmen des Euthanasie-Programmes des Nationalsozialismus wird er als „unwertes Leben“ aus dem Weg geräumt.

Meine Meinung:

Der Journalist und Autor Robert Domes nimmt sich in diesem Buch des Themas Euthanasie im Dritten Reich an – eines der schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte. Über fünf Jahre hat er akribisch recherchiert, Zeitzeugen befragt und so die kurze Lebensgeschichte des Ernst Lossa für die Nachwelt zu Papier gebracht. Sein Einzelschicksal wird zum Präzedenzfall, war er doch weder geistig noch körperlich behindert. Aber er war unbequem, im Weg, ein notorischer Dieb, eigensinnig und hatte die falschen Wurzeln, auf jeden Fall aber genug Voraussetzungen, um vom NS-System verfolgt und gnadenlos zum Schweigen gebracht zu werden. Er steht dabei für die mindestens 200.000 überwiegend namenloser Opfer, die zwischen 1939 und 1945 von den Nazis auf verschiedenste Art ermordet wurden.

Robert Domes hat aus Ernsts Geschichte keine trockene Dokumentation gemacht, sondern einen biografischen Roman geschrieben. Dabei wählt er eine Perspektive, die den Leser zu ca. neunzig Prozent direkt an Ernsts Seite stellt. Er erlebt hautnah mit, was der Junge fühlt, denkt und auch erleiden muss. Das ist nicht immer einfach, das Grauen in dieser Zeit war unvorstellbar. Aber es gibt auch schöne Momente, in denen Ernst glücklich ist. Wenn er an die Zeit mit seiner Familie zurückdenkt, die Streiche mit seinen Freunden, seine erste Verliebtheit. Er ist kein Held, einfach ein normaler Junge, der sich zeit seines Lebens nach Liebe und Aufmerksamkeit sehnt. Der intelligent genug ist, das Grauen zu durchschauen, was ihn wahrscheinlich auch das Leben gekostet hat.

Das Buch kann Jugendlichen wie Erwachsenen gleichermaßen empfohlen werden, die sich für dieses Thema interessieren. Gerade für Jugendliche, denen das Vokabular im Zweiten Weltkrieg nicht mehr so präsent sein dürfte, erklärt ein Glossar im Anhang leicht verständlich alle Begriffe. Jede der Figuren des Romanes hat tatsächlich existiert, wenn die Namen auch teilweise verfälscht wurden. Gerade diese Authentizität macht die Geschichte umso schockierender, je länger man sich damit beschäftigt. Dennoch finde ich es äußert wichtig, dieses dunkle Kapitel nicht totzuschweigen, vor allem in einer Zeit, wo das braune Geschwür wieder zunehmend Nahrung bekommt. Das Thema ist aktuell wie nie.

Auch wenn ich den Film zum Buch, der Ernsts letzte Jahre in Kaufbeuren behandelt und damit nur einen ganz kleinen Teil dieses Roman, noch nicht gesehen habe, möchte ich bereits eine Empfehlung auch dafür aussprechen. Seht euch „Nebel im August“ unbedingt an. Diese Neuauflage des Buches vom Oktober 2016 enthält zahlreiche exklusive Filmfotos.

Ich danke dem cbj-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Freitag, November 18th, 2016 | Filed under: All Age/Jugend,Biografie,Domes, Robert,Historisch | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Corina Bomann
Verlag: List Verlag
ISBN-10: 3471351426
Gebundene Ausgabe 378 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

Mit dem Barbarazweig zum Glück

Inhalt:

Die Familie Baabe betreibt im Ostseebad Heiligendamm im Jahre 1902 ein Gästehaus. Die Tochter des Hauses soll sich gemäß den Wünschen ihrer Eltern am Weihnachtsabend verloben, doch keiner der Heiratskandidaten entspricht ihren Vorstellungen, gehört ihr Herz doch längst einem anderen. Nur leider gehört Peter zur Familie Vandenboom und da eine lange Feindschaft beide Familien verbindet, ist ein glückliches Ende für Johanna schlicht unerreichbar.

Ihr Bruder Christian findet unterdessen eine junge Frau halbtot am Strand. Die Schiffbrüchige hat ihr Gedächtnis verloren und wird vorerst im Gästehaus der Baabes betreut. Ganz wichtig scheint ihr ein Barbarazweig zu sein, den sie fest umklammert hielt, als sie gefunden wurde. Christian beginnt schon bald Gefühle für Barbara zu entwickeln, doch seine Mutter begegnet ihr voller Misstrauen. Dies setzt Dinge in Bewegung, die alles verändern werden.

Meine Meinung:

Obwohl ich bereits einige Bücher von Corina Bomann besitze und sie schon zweimal persönlich treffen durfte, ist „Winterblüte“ mein erster gelesener Roman der Autorin. Vorab möchte ich dem Verlag ein Kompliment für das wunderschöne Buchcover machen. Die kleinen goldenen Applikationen sind ein echtes Highlight und machen den Umschlag zu etwas Besonderem.

Mich hat an dem Buch sowohl das Setting gereizt, da ich das Meer liebe und meine Mutter vor vielen Jahren öfter in Heiligendamm zur Kur war, also auch die Zeit, in der es spielt. Der Beginn des 20. Jahrhunderts war einfach eine Zeit großer Umwälzungen und es passt sehr gut, dass mit dieser Geschichte auch verstaubte Traditionen und Standesregeln aufgehoben werden.

Der Roman ist ein wunderschönes Winter-/Weihnachtsbuch und der beliebte Brauch des Barbarazweigs zieht sich wie ein roter Faden hindurch. Hauptaugenmerk liegt aber vor allem auf den Personen und ihren Liebesgeschichten. Ich fand die Charaktere sehr interessant gestaltet, auch den Wandel, den sie irgendwie alle durchleben. Durch die Schiffbrüchige und das große Familiendrama in der Vergangenheit zwischen den Baabes und den Vandenbooms gibt es genug Geheimnisse, die für Spannung und Aufregung sorgen.

Die Autorin bedient sich einer einfachen, aber sehr gewählten Sprache, die den Leser förmlich in die damalige Zeit und ihre Traditionen zieht. Einmal darauf eingelassen, war man richtiggehend gefangen vom Liebesdrama der Johanna und dem Kampf ums Erinnern bei Barbara. Von Herzen gönnte ich beiden ihr Glück, welches die Barbarazweige schlussendlich ja auch verkündeten. Natürlich war mit großen Überraschungen nicht zu rechnen und alles schon in wenig vorhersehbar, dafür das Ende aber umso romantischer und herzergreifend.

Ein wenig mehr Information hätte ich mir schon zum Ort und der damaligen Zeit gewünscht, wenn schon so ein interessanter historischer Schauplatz vorliegt, aber das bedeutet jetzt nicht wirklich große Abstriche, denn am wichtigsten ist nun mal die Liebe.

Am besten genießt man den Roman schön eingekuschelt mit einem Tee vor dem Kamin oder auf der Couch. Mich hat „Winterblüte“ aus der Gegenwart gerissen, in eine Liebesgeschichte katapultiert, um die es sich zu kämpfen lohnt, und sie hat den Zauber einer vergangenen Zeit auferstehen lassen. Klare Leseempfehlung für die Winterzeit, aber auch jederzeit sonst.

Ich danke vorablesen.de und dem List-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Sonntag, November 6th, 2016 | Filed under: Bomann, Corina,Historisch,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Elk von Lyck
Verlag: Selfpublishing
ISBN-10: 1533537968
Taschenbuch: 318 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Roman, der zum Nachdenken anregt …

Inhalt:

Der erfolgreiche Anwalt Achim Oster leidet an Schlafproblemen. Als er mal wieder frühmorgens auf einem Berliner Trödelmarkt unterwegs ist, erwirbt er eine Reihe von alten Fotos aus den Zwanziger Jahren. Darunter das Porträt einer Frau, die ihn unglaublich fasziniert und der er bereits in seinen Träumen begegnet zu sein scheint. Auf Anraten seiner Lebensgefährtin sucht er einen Psychotherapeuten auf, um seinen Schlafstörungen auf den Grund zu gehen. Während einer Hypnose wird er in sein früheres Leben als Max Lehnfeldt zurückversetzt, wo er als Maler in Paris tätig war. Dort begegnet ihm auch die Frau auf dem Foto wieder. Trotz der Gefahr, sich zu verlieren, setzt Achim alles daran, seine frühere Existenz restlos aufzuklären.

Meine Meinung:

Bei „Hundert Jahre Liebe“ von Elk von Lyck handelt es sich um eine Neuauflage des bereits 2010 erschienenen Romans „Die Frau am Fenster“. Es handelt sich hier um ein Werk der ruhigeren Töne, das man nicht mal eben schnell wegliest. Im Gegenteil, wer sich richtig Zeit dafür nimmt, wird viele leise Zwischentöne erkennen, die den Roman zu etwas Besonderem machen. Gerade wer sich ein wenig mit Philosophie auseinandergesetzt hat, wird hier bestimmt neue Anregungen finden.

Achims großen Wunsch der Aufarbeitung seiner Vergangenheit als Max Lehnfeldt kann ich sehr gut nachvollziehen. Schließlich muss das Gefühl, ständig ein fehlendes Puzzleteil vor Augen zu haben, kein angenehmes sein. Der Autor entführt den Leser ins aufregende Paris der Zwanziger Jahre, wunderschöne Orte Ostpreußens zwischen den Weltkriegen, die es heute so leider nicht mehr gibt, bis hin nach England und Schottland. Dabei werden vor allem Kunstliebhaber (Malerei, Architektur) und geschichtlich Interessierte voll auf ihre Kosten kommen. Mir persönlich waren die Beschreibungen, vor allem in der Mitte des Buches, manchmal ein wenig zu detailverliebt und ausschweifend. Das bremste den an sich schon recht flüssigen Schreibstil dann doch ein wenig aus.

Die Liebesgeschichte von Fiona und Max bleibt für meinen Geschmack auch ein wenig zu sehr an der Oberfläche. Bis kurz vor Schluss war ich mir nicht mal sicher, ob Max in Fiona nur das perfekte Modell sieht oder wirklich tiefer gehende Gefühle für sie hegt.

Das dramatische Ende von Max und wie sich der Kreis für Achim schlussendlich schließt, fand ich dagegen wieder sehr gelungen. Auf jeden Fall verfügt der Autor über großes Wissen bzw. hat sehr intensiv und bestimmt auch, zumindest im Fall von Ostpreußen, vor Ort recherchiert. Allein das verdient großen Respekt.

Wer intelligente Lektüre sucht, die zum Nachdenken animiert und dabei noch viel interessantes Wissen über Kultur und Geschichte bereithält, wird an „Hundert Jahre Liebe“ sicher Vergnügen finden.

Ich danke dem Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Sonntag, Juli 24th, 2016 | Filed under: Historisch,Literatur allg.,Lyck, von Elk | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Allison Maruska
Verlag: Selfpublishing
ASIN: B01EH7M072
E-Book: 266 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Rätselhaftes Erbe

Inhalt:

Vier völlig unterschiedliche Menschen erhalten den Anruf eines Historikers. In ihrem bzw. dem Besitz eines Mitglieds ihrer Familie soll sich der Schlüssel zu einem geheimnisvollen Safe befinden, der kürzlich entdeckt wurde. Dieser wurde ihnen von einem Vorfahren überlassen, der seinerzeit spurlos verschwand. Die Öffnung des Safes soll dokumentiert werden und dazu fliegen die vier nach Virginia. Was sich in dem Safe befindet, ist so ungeheuerlich, dass ihr Leben fortan eine dramatische Wendung nimmt, und es muss davor geschützt werden, in falsche Hände zu geraten.

Meine Meinung:

Da ich früher sehr gern Romane von Dan Brown gelesen habe, war ich gerne bereit, mich mal wieder auf ein Abenteuer mit einem ähnlichen Plot einzulassen. Die Hauptfiguren sind extrem unterschiedlich, was sehr gut dargestellt wurde, finden aber dann irgendwie doch mehr Gemeinsamkeiten, als anfangs zu vermuten war. Durch den Wechsel zwischen den Perspektivpersonen, der im Übrigen klar abgegrenzt wurde, was auch nicht immer selbstverständlich ist, konnte man sich gut in die jeweilige Figur hineinversetzen.

Ohne zu viel verraten zu wollen, fand ich die Idee mit der Nebenwirkung der bewussten Fundsache sehr genial, da sie ja quasi ein gewisses Gleichgewicht wiederherstellt.

Leider konnte ich die Handlungsweise von Sharon in den meisten Teilen nur ansatzweise nachvollziehen. Auch das Ende, das die Beziehung zwischen Michelle und Damien nimmt, kann einen Leser nicht wirklich befriedigen und hat mich ein bisschen traurig gestimmt.

Allerdings bietet das Ende auch großes Potenzial für eine Fortsetzung, da die brisante Entdeckung in den falschen Händen tatsächlich in einer Katastrophe enden könnte. Daher sei es den Vor- wie Nachfahren gewünscht, hier Einfluss nehmen zu können, und ich wäre schon interessiert zu lesen, wie es weitergeht. Von Original her kann ich den Schreibstil nicht beurteilen, aber der Übersetzer – Kay-Viktor Stegemann – hat hier definitiv sehr gute Arbeit geleistet, denn das Buch lässt sich flüssig lesen und nimmt einen schon gefangen.

Fans von Mystery-Thrillern würde ich „Die vierte Nachfahrin“ unbesehen empfehlen, aber auch anderen könnte der Ausflug in ein neues Genre Spaß machen.

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Kerstin at Sonntag, Juni 5th, 2016 | Filed under: Abenteuer,Historisch,Maruska, Allison,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Kate Morton
Verlag: Diana Verlag
ISBN-10: 3453291379
Gebundene Ausgabe 304 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Das geheimnisvolle Haus am See

Inhalt:

In der Mittsommernacht des Jahres 1933 verschwindet ein kleiner Junge spurlos vom Landsitz der Edevanes in Cornwall. Auch eine monatelange, intensive Suche bringt keine neuen Erkenntnisse. Die Familie zerbricht fast daran und kehrt dem Seehaus den Rücken.

Etwas siebzig Jahre später stößt die junge Polizistin Sadie während eines erzwungenen Urlaubs bei ihrem Großvater in Cornwall auf das verwunschene Haus. Alles wirkt, als wäre es Hals über Kopf verlassen worden. Schnell kommt sie auch hinter die Geschichte des Hauses und das ungelöste Verbrechen lässt ihr schon bald keine Ruhe mehr.

Meine Meinung:

Da ich Familiendramen, die auch noch auf verschiedenen Zeitebenen spielen, gern mag, war ich sehr gespannt auf „Das Seehaus“, meinen ersten Roman von Kate Morton. Das Cover deutet auf eine etwas schwülstige Liebesgeschichte, jedoch handelt es sich eher um einen äußert verzwickten Krimi. Alle Fans von Detektivromanen sollten hier ebenfalls auf ihre Kosten kommen.

Die Autorin versteht es ganz ausgezeichnet im Wechsel der Perspektiven zwischen Gegenwart und Vergangenheit immer nur winzige Teile eines großen Puzzles offenzulegen, sodass der Leser zum ständigen Mitraten animiert wird. Auch führt sie ihn auf immer neue Spuren, die das bisher Geglaubte wieder abwegig erscheinen lassen. So wird eine enorme Spannung aufgebaut, die bis zum Schluss des immerhin über 600 Seiten starken Wälzers nicht nachlässt.

Die Figuren sind alle sehr interessant und vielschichtig und es wird sich auch eine Menge Zeit genommen, diese zu charakterisieren. Das gilt auch für diverse Beschreibungen der Umgebung und Natur. Zwar hat man durch den bildhaften und blumigen Schreibstil alles sehr deutlich vor Augen, es führt allerdings auch zu einigen Längen. Auf den Erzählstrang zu Eleanores Mutter zum Beispiel hätte ich komplett verzichten können. So kam dann auch der Lesefluss immer wieder etwas ins Stocken und ich habe verhältnismäßig lange für das Buch gebraucht.

Besonders gelungen fand ich, dass den Geschehnissen in der Vergangenheit ähnliche Ereignisse in der Gegenwart gegenübergestellt waren. Das Happy End mag einigen zu happy und arg konstruiert vorkommen, da hier schon der Kollege „Zufall“ eine enorme Rolle spielt, oder sollte man es Schicksal nennen? Ich mag es ab und zu, wenn zum Schluss alle Puzzleteile an die richtige Stelle fallen und keine Fragen offen bleiben, weswegen ich das Ende nicht sehr negativ sehe.

Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten, es war ein spannendes Rätsel, was es gemeinsam mit allen Beteiligten zu lösen galt und Liebhaber geheimnisumwitterter Familienromane werden sicher ihre Freude an dem Buch haben. Diesen möchte ich es vor allem ans Herz legen und vergebe gute 4 von 5 Sternen.

Kerstin at Samstag, April 9th, 2016 | Filed under: Frauen,Historisch,Morton, Kate,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Danielle Stevens
Verlag: Mira TB Verlag
ISBN-10: 395649170X
Taschenbuch 364 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Mutiger Kampf um die große Liebe

Inhalt:

Schwer fällt es der jungen Charlotte von Grünau zu Meersberg nicht, ihr liebloses Zuhause in Deutschland zu verlassen und zu einer arrangierten Heirat nach Chile aufzubrechen. Wobei sie weniger Interesse an ihrem zukünftigen Ehemann hat, als vielmehr den Plan verfolgt, den Spuren ihrer Mutter nachzugehen, die sie vor achtzehn Jahren im Stich gelassen hat und ebenfalls diesen Weg nahm.

Doch während der Schiffsreise begegnet ihr in Gestalt des Maats Leander unerwartet die große Liebe. Für ihn möchte sie mit allen Regeln brechen, ihre gemeinsame Zukunft wird zu ihrem einzigen Ziel. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit den Liebenden, und schließlich findet sich Charlotte in einer Ehe mit einem gewalttätigen und gefühllosen Mann wieder. Besteht noch eine Chance für sie, ihr Glück zu finden?

Meine Meinung:

Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielende Schicksalsroman von Danielle Stevens hat mich wieder sehr begeistert. Das Autorenehepaar schafft es vorzüglich, eine knisternde Atmosphäre aufzubauen und die Spannung reißt zu keiner Zeit während der Geschichte ab. Neben der bedingungslosen Liebe der beiden Hauptprotagonisten, die dem Leser selbstverständlich unmittelbar ins Herz springen, gibt es genug Lügen, Intrigen, Verrat und Gewalt, um ein abwechslungsreiches Lesevergnügen zu bereiten.

Sehr nett fand ich die Assoziation zum Film „Titanic“, die sich am Anfang und in der Schlussszene, womit sich der Kreis schließt, wiederfindet. Neben der dramatischen Story findet der Leser auch Einblick in die Lebensumstände der chilenischen Bevölkerung zur damaligen Zeit ebenso wie in die Geschlechterrollen, und geschickt wird auch eine tatsächlich stattgefundene Naturkatastrophe ins Geschehen eingeflochten.

Eine Verbindung des Titels zum Inhalt konnte ich nicht wirklich feststellen, jedoch finde ich das Cover mit dem Kolibri und den tollen Hibiskusblüten wunderschön.

Wer sich gern in andere Zeiten und zu ungewöhnlichen Schauplätzen verführen lässt, dem kann ich „Im Tal der Kolibris“ uneingeschränkt ans Herz legen. Die mitreißende Liebesgeschichte von Charlotte und Leander wird kaum einen Romantiker kalt lassen.

Kerstin at Freitag, Juni 12th, 2015 | Filed under: Abenteuer,Historisch,Liebesroman,Stevens, Danielle | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Dorothea Morgenroth
Verlag: GerthMedien
ISBN-10:

3865919367

Gebundene Ausgabe 349 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

Vergebung ist der Schlüssel zum Glück

Inhalt:

Die 18-jährige Grafentochter Charlotte von Rixtorf hält es nicht mehr in ihrer holsteinischen Heimat. In ihrer Abenteuerlust vom Lieblingsonkel unterstützt, nimmt sie die Stelle einer Gesellschafterin für die gelähmte Engländerin Mallory Cranshaw auf Lowerdale Manor in Gloucestershire an. Sie ist in ihrem Alter und beide werden schnell zu Freundinnen. Ihr Glück scheint perfekt, als sie in Mallorys Cousin Myles Carrington ihre große Liebe findet. Doch ein Reitunfall entreißt ihn ihr kurz vor der Hochzeit.

Durch Zufall findet Charlotte einen Brief von Myles an Charlie, wie er auch sie stets liebevoll genannt hat, und entdeckt damit ein Familiengeheimnis. Ein böser Streit zwang Charlie Carrington vor langer Zeit, das Landgut zu verlassen. Wild entschlossen, die Verwandten wieder zu vereinen, tritt Charlotte eine gefährliche Reise nach Amerika an, die sie in Lebensgefahr bringt. Wird ihre Mission „Vergebung“ von Erfolg gekrönt sein?

Meine Meinung:

„Das Licht im Fenster“ ist ein historischer Schicksalsroman zum Schlüsselthema Vergebung, der es geschafft hat, mich einige Stunden in eine andere Zeit zu versetzen.

Charlotte ist eine tapfere junge Frau, die sich durch nichts von ihren einmal gemachten Plänen abbringen lässt. Durch die kursiv gehaltenen Tagebucheinträge an ihre „Reisegefährtin“ erhält der Leser einen sehr intensiven Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin. Aber auch die anderen Charaktere sind liebevoll und individuell gezeichnet.

Ein wenig unglaubwürdig fand ich, dass Charlotte auf ihrer ganzen langen Reise so gar nichts passiert, sieht man von einer Erkrankung auf dem Schiff ab. Nur nette und gottesfürchtige Menschen kreuzen ihren Weg. Da hatte sie als allein reisende Frau zu dieser Zeit tatsächlich großes Glück. Dieser Umstand bringt mich dazu, ein halbes Pünktchen abzuziehen.

Die Geschichte zeichnet sich nicht durch großes Tempo aus, die Autorin nimmt sich vielmehr Zeit, ihre Figuren deutlich zu skizzieren und lässt auch die großartige Natur nicht unbeachtet. Dabei findet sie teils wunderschöne Worte, die das Lesen zu einem echten Vergnügen machten.

Auch wenn der Glaube an Gott immer mal wieder eingeflochten wird, so doch in passender Dosis, an der sich auch Leser, die wenig Erfahrung mit Inspirationals haben, nicht stören dürften. Das Ende ist nicht wirklich überraschend, passt jedoch perfekt und lässt einen mit einem schönen Gefühl zurück.

Und so ist es Dorothea Morgenroth schlussendlich sehr gut gelungen, ihre Botschaft, dass Vergebung einer der Schlüssel zu einem glücklicheren Leben ist, in Form einer mitreißenden, historischen Liebesgeschichte zu vermitteln.

Kerstin at Freitag, September 19th, 2014 | Filed under: Historisch,Liebesroman,Morgenroth, Dorothea,Spirituell | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Colleen Gleason
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442372704
Taschenbuch 416 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5
Reihenzuge-hörigkeit: Buch der Vampire – Band 1
ausgelesen am: 27.06.2010

 

Wunderbare Vampir-Serie in historischem Gewand

Zum Inhalt:

Victoria Gardella kann nach einer Trauerzeit endlich ihr Debüt in London geben und die anwesenden Junggesellen sind durchaus nicht abgeneigt. Zur gleichen Zeit erfährt Victoria allerdings auch von ihrem Familienerbe, denn sie ist ein Venator und damit prädestiniert für die Jagd auf Vampire.

Zwischen Ballsälen und der nächtlichen Jagd in Londons Straßen hin- und hergerissen, ist sie schon bald völlig überfordert, vor allem da sich der begehrteste Junggeselle der Saison, der Marquis von Rockley, auf Brautschau begibt und sie ihn ihm ausgerechnet einen Freund aus Jugendtagen wiedererkennt, der sein Herz schon bald an sie verliert. Wie lange kann sie ihr Geheimnis vor ihm verbergen und ist sie Lilith, der Königin der Vampire, wirklich schon gewachsen?

Meine Meinung:

Mit „Bleicher Morgen“ startet eine außergewöhnlich gute Vampirserie, die, anders als die meisten, in der Vergangenheit spielt. Victoria, die sich dazu entscheidet, ihr Erbe anzunehmen und bestmöglich den Kampf gegen Lilith und ihre Jünger aufzunehmen, ist eine sympathische Heldin, mit der man richtig mitfühlen kann. Das Setting wird durch Kleidung und Ereignisse detailgetreu beschrieben, aber nie ausufernd, sodass ein stetiger Lesefluss nicht unterbrochen wird.

An interessanten männlichen Charakteren mangelt es auch nicht, was viel Spannung auch im romantischen Sinn für die nächsten Bände verspricht, zumal Sebastian und Maximilian sowieso das größte Potenzial haben, wie ich finde. Das Buch ist eine perfekte Mischung aus historischem Liebesroman und spannender Fantasy. Ich bin auf die Fortsetzungen auf jeden Fall gespannt.

Kerstin at Dienstag, April 16th, 2013 | Filed under: Fantasy/Paranormal,Gleason, Colleen,Historisch | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Angeline Bauer
Verlag: Klarant UG
ASIN:

B009RMYQR0

E-Book: 303 Seiten (Printausgabe)
Persönliche
Wertung:
,5

 

Königstreue über allem

Zum Inhalt:

Die 24-jährige Mathurine ist Närrin am Hofe Heinrich des III. von Frankreich. In dieser Eigenschaft darf sie dem König und all seinen Höflingen den Spiegel vorhalten, hat die sogenannte „Narrenfreiheit“. Da überaus klug und in vielerlei Hinsicht begabt, ist sie aber auch wertvollster und ehrlichster Berater seiner Majestät. Als sie bei einem Fest aufgrund eines besonders derben Spaßes mit dem jungen Landadeligen Nicolas d’Amerval de Picardie für drei Tage versehentlich eingeschlossen wird, lässt sie ihre Maske fallen, ist ganz Frau und gibt sich ihm hin.

Sie wird schwanger, doch eine Närrin eignet sich nicht als Mutter. Einen Abbruch bringt sie nicht über sich und möchte ihre Tochter stattdessen in eine gute Familie geben. Als zum Zeitpunkt von Mathurines Niederkunft eine Gräfin ein kaum lebensfähiges Kind zur Welt bringt, tauscht die Hebamme Hélène die Kinder kurzerhand aus. Als 18 Jahre später ihre Tochter ausgerechnet den leiblichen Vater ehelichen soll, muss Mathurine einschreiten, und dies gelingt ihr durch ein wahres Husarenstück.

Meine Meinung:

Mit der Närrin stellt die Autorin Angeline Bauer eine besonders schillernde Figur der damaligen Zeit in den Mittelpunkt ihrer Geschichte. Es war für mich sehr interessant zu lesen, was alles dazugehörte, die Närrin des Königs zu sein und vor allem, wie viele Freiheiten sie sich wirklich erlauben konnte. Mathurine ist eine unheimlich sympathische Frauenfigur, die ihrer Zeit weit voraus war. Außerordentlich klug und mit jeder Menge künstlerischen Talenten gesegnet, wusste sie jedoch immer, wo ihr Platz war. Nicht umsonst hat sie insgesamt unter drei Königen gedient.

Ihre Treue zum König stellt sie dabei selbst über ihre Gefühle als Frau, was manchmal ein wenig traurig macht, aber zu den Konventionen der Zeit passt. Für die Ihren ist sie jedoch bereit, alles Menschenmögliche zu tun. Die ihr von der Autorin in den Mund gelegten Zitate großer Männer und Frauen, die teilweise noch gar nicht gelebt haben, haben mir besonders gefallen, steckt doch viel Weisheit in ihnen, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat.

Obwohl Historicals nicht gerade zu meinem Lieblingsgenre gehören, habe ich doch dieses Buch außerordentlich gern gelesen. Es gibt keine Längen, das Setting ist intensiv recherchiert worden und wird durch die lebendige Sprache der Autorin dem Leser sehr schön vor Augen geführt. Wer sich gern in vergangene Zeiten entführen lässt und Freude an intelligentem Wortwitz hat, wird an „Gefährliche Liebe einer Hofnärrin“ großen Gefallen finden.

Kerstin at Montag, Januar 14th, 2013 | Filed under: Bauer, Angeline,Historisch | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
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