Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Category: McDermid, Val

 

Autor:

Val McDermid
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426524916
Taschenbuch: 461 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Hätte man mehr draus machen können

Inhalt:

An die vierzig Skelette junger Mädchen werden bei Bauarbeiten im Garten eines katholischen Waisenhauses gefunden. Haben die strengen Nonnen ihren Anteil daran? Dann taucht ganz in der Nähe eine zweite Gruppe Leichen auf. Diesmal junge Männer, die ganz offenbar ermordet wurden. Viel Ermittlungsarbeit für die Spezialeinheit aus Yorkshire. Leider können sie nicht auf die Kompetenz von Carol Jordan und Tony Hill zurückgreifen, denn Erstere hat den Polizeidienst quittiert und orientiert sich gerade neu und Tony sitzt eine vierjährige Haftstrafe ab.

Meine Meinung:

Ich bin eigentlich noch nie von Val McDermid enttäuscht worden, besonders die ersten Bände der Tony-Hill-Reihe haben mich stets in ihren Bann gezogen. Irgendwann bin ich dann ausgestiegen, weswegen mir auch einiges Hintergrundwissen zur jetzigen Lage von Jordan und Hill fehlt. Auf beide wird zwar im Buch Bezug genommen, aber eher in persönlicher Hinsicht. Zu den Ermittlungen tragen sie wenig bis gar nichts bei, weshalb dieser elfte Fall eigentlich nicht ihrer genannt werden sollte.

Mir gefiel bei der Autorin immer, wie auch der Täter zu Wort kommt, seine kruden oder perfiden Gedankengänge offenbart. Das tut er hier anfangs auch kurz, dann ist er bis zum Ende still. Seine Identität ist schon früh bekannt, was dem Roman ganz eindeutig die Spannung nimmt und es gibt danach kaum Überraschungsmomente. Beide Fälle werden eigentlich nicht wirklich aufgeklärt, es macht fast den Eindruck also würden ein paar Kapitel fehlen.

Durch ihren flüssigen Schreibstil und die akkurate Wortwahl gelingt es McDermid dennoch, den Leser über längere Zeit zu fesseln. Die Ortsbeschreibungen sind sehr gelungen und Ermittlungsschritte logisch. Neuleser dürften mit der Vielzahl an Charakteren ein wenig überfordert sein.

Für einen Thriller passiert mir einfach zu wenig im „Knochengarten“, es ist einfach nur ein Krimipuzzle, das zu lösen es nicht mal besonders viel Engagement bedarf. Ich werde mir dann doch wohl lieber noch mal ein paar der älteren Hill/Jordan-Romane zu Gemüte führen.

Kerstin at Mittwoch, Juni 24th, 2020 | Filed under: McDermid, Val,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Val McDermid
Verlag: Knaur
ISBN-10: 3426504464
Taschenbuch: 544 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5
ausgelesen: 09.07.2009 (HC-Ausgabe)

 

Spannender Kriminalfall mit schottischer Geschichte verquickt

Inhalt:

Misha Prentice meldet ihren Vater als vermisst. Das Erstaunliche allerdings ist, dass er bereits seit mehr als 20 Jahren verschwunden ist. Ihr Sohn leidet an Leukämie und eine Knochenmarkspende ihres Vaters scheint seine einzige Hoffnung zu sein. Sofort werden die Ermittlungen aufgenommen, führen jedoch zu immer mehr Fragen.

Gleichzeitig stößt die Reporterin Bel Richmond in Italien auf ein Indiz zu einem spektakulären Entführungsfall. Im Jahr 1985 verstarb bei der Lösegeldübergabe die Tochter eines der reichsten Männer Schottlands. Ihr kleiner Sohn blieb verschwunden. Sir Brodie setzt alles daran, ihn zu finden und finanziert Bel ihre Recherche.

DI Karen Pirie bekommt am Ende beide Fälle auf den Tisch und stürzt sich sofort in die Suche nach der dramatischen Wahrheit.

Meine Meinung:

In diesem spannenden Kriminalpuzzle begibt sich Val McDermid im Gegensatz zu ihren blutrünstigeren Thrillern auf leisen Sohlen in ihre eigene Vergangenheit. So bekommt der Leser eine Menge Informationen zu den schlimmen Bergarbeiterstreiks der 80iger Jahre in Schottland und der daraus resultierenden Armut. Auch mit Kritik an der „Eisernen Lady“, Margaret Thatcher, wird nicht gespart.

Beide Handlungsstränge laufen parallel und werden jeweils durch Rückblenden in die konkrete Vergangenheit lebendig untermalt. Dabei versteht die Autorin es hervorragend, stets die Spannung absolut am Limit zu halten. Wird es gerade so richtig interessant, folgt erneut ein Perspektivenwechsel. Natürlich ahnt der geübte Krimileser schon bald einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen, aber die Aufdeckung der tatsächlichen Hintergründe bleibt bis zum rasanten Schluss offen, da auch meisterhaft immer wieder falsche Spuren gelegt werden.

Insgesamt ein sehr empfehlenswerter Kriminalroman für Leser, denen psychologische Fallstricke wichtiger sind als Serienmörder mit einer Unzahl von Leichen.

Kerstin at Mittwoch, August 22nd, 2012 | Filed under: McDermid, Val,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Val McDermid
Verlag: Knaur
ISBN-10: 3426509938
Taschenbuch 567 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Krimi, der nur sehr langsam in Fahrt kommt

Inhalt:

Dr. Charlie Flint liebt ihren Job als Profilerin, ist jedoch in Ungnade gefallen und vom Dienst suspendiert worden, da ein aufgrund ihres Gutachtens freigelassener Angeklagter anschließend vier Frauen ermordet hat. Auch in Gefühlsdingen ist sie verwirrt. Trotzdem sie seit sieben Jahren in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit Maria lebt, hat sie sich in Lisa Kent verliebt. Als ihre ehemalige Dozentin vom College in Oxford sie um Mithilfe bei der Aufklärung des Mordes an ihrem Schwiegersohn bittet, stürzt sie sich daher auf die Ablenkung. Sie dringt tief in die Vergangenheit einer Verdächtigen ein und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.

Meine Meinung:

Da ich die Einzelromane der Autorin Val McDermid sowie ihre Tony-Hill-Reihe sehr mag, war ich auf ihren neuesten Roman gespannt. Leider blieb dieser hinter meinen Erwartungen zurück.

Für meinen Geschmack hat sich die Autorin ein bisschen zu sehr in der Propaganda für die gleichgeschlechtliche Liebe verloren und dabei den kriminalistischen Aspekt vernachlässigt. So nimmt das Gefühlswirrwarr der Protagonistin einen zu großen Teil der Handlung ein, zumal ihr Agieren eher für einen Teenager spricht als für eine gestandene Frau mit enormer Menschenkenntnis, die sie in ihrem Beruf haben sollte. Auch wird im großen Rahmen Schwarz-Weiß-Malerei betrieben, denn es gibt nur eine ganze Reihe ihre Homosexualität offen auslebende Figuren und dagegengestellt die streng gläubige Partei, die solche Ansichten komplett ablehnt. Ein Dazwischen gibt es nicht.

Die Spannung baut sich nur sehr langsam auf und erst im letzten Drittel des Buches bekommt der Leser den Eindruck nun unbedingt bis zur Auflösung weiterlesen zu müssen. Positiv hervorheben möchte ich die parallel zur Ermittlung von Charlie in Form einer Autobiografie von der Tatverdächtigen eingestreute Sichtweise. Diese ist teilweise geschönt, sodass der Leser nie sicher sein kann, was nun wirklich der Wahrheit entspricht.

Der wahre Täter wird für einen geübten Krimileser ein wenig zu früh offenbart, die große Entdeckung zum Ende des Buches wirkt zumindest sehr konstruiert, wenn nicht gar unglaubwürdig. Wiederrum schön fand ich die Beschreibung der Landschaft in Schottland. Es ist ohnehin ein Traum von mir, diese Region einmal zu besuchen, dieser Wunsch hat sich nur verfestigt.

Abschließend war das Lesevergnügen bei diesem Buch für mich nicht mehr als mittelmäßig. Fans der Autorin sollten lieber bei ihrer Tony-Hill-Reihe bleiben und die Finger von diesem Roman lassen.

Kerstin at Sonntag, Januar 29th, 2012 | Filed under: McDermid, Val,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
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