Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

 

Autor:

Kristina Valentin
Verlag: Diana
ISBN-10: 3453359232
Taschenbuch: 288 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Der Sommer, der alles verändert

Inhalt:

Katharina lebt nach einem schweren Schicksalsschlag nur noch für ihre Kinder und ihren Beruf. Sie selbst bleibt dabei leider auf der Strecke. Aufgrund eines Auslandaufenthalts ihrer Freundin Kerstin soll sie deren Haus für längere Zeit hüten. Die Chance, endlich im Grünen zu leben, wo ihre Kinder die Natur entdecken können, nimmt sie sofort wahr. Doch zum Arrangement gehört auch Nachbar David, den sie unterstützen soll, weil er im Rollstuhl sitzt. Er bietet ihr sogar einen Job an, bringt ihr Lachen zurück und schon bald möchte sie in seinen blauen Augen versinken. Doch nicht nur sie hat eine schmerzliche Vergangenheit, auch David fällt es nicht leicht, sich der Liebe zu öffnen.

Meine Meinung:

Immer mal wieder was Neues. Bisher veröffentlichte Kristina Valentin ihre Romane stets unter ihren Pseudonymen Kristina Günak bzw. Kristina Steffan. Zum Glück ist die Autorin medial gut unterwegs, sodass auch diese Neuveröffentlichung einer meiner liebsten Autorinnen mir nicht entgehen konnte.

Auf den ersten Seiten dachte ich dann, wow, wieder ein echter Günak/Steffan, denn der feine Humor, den ich so an ihr liebe, kam voll zur Geltung. Aber mit zunehmender Lesezeit kristallisierte sich dann doch heraus, warum hier wohl ein neues Pseudonym gewählt wurde. Denn trotz des meist sehr humorvollen Untertons geht es in diesem Liebesroman auch um große Verluste und schmerzliche Erfahrungen. Kristina nimmt sich hier eines Themas an, das nicht sehr oft in Romanen behandelt wird und wenn, dann doch eher negativ belastet ist.

Sie bricht mit ihrer Figur David eine Lanze für Menschen mit Behinderung, die wenn auch nicht mit beiden Beinen, so doch aber mit ganzem Herzen im Leben stehen und ihre Einschränkungen zum größten Teil der Umwelt verdanken. Sie führen ein weitestgehend normales Leben, ihr Umfeld macht sie zu etwas Besonderem, im schlimmsten Fall Bemitleidenswertem. David ist ein cooler Typ, witzig und beruflich erfolgreich. Dennoch hat auch er seine Dämonen zu bekämpfen, wie wohl jeder Mensch.

Bei Katharina hat die Autorin einiges von sich selbst einfließen lassen, ist oder war sie doch selbst auch als Mediatorin tätig. Ich konnte mir darunter nie so wirklich etwas vorstellen, jetzt bin ich schlauer. Die Figur war mir sofort sympathisch und ihre Angst um die Kinder und vor der Zukunft extrem gut nachvollziehbar. Sie ist dermaßen in ihrem Hamsterrad gefangen, dass sie erst durch David merkt, dass ihr Herz schon längst Heilung erfahren hat und offen für Neues ist.

Meines Erachtens schafft Kristina Valentin ganz hervorragend den Balanceakt, die Behinderung (den Rollstuhl) und alle damit verbundenen Probleme zum Thema zu machen, ohne es besonders hervorzuheben. Es gehört einfach dazu und ist vor allem kein Grund, einer großen Liebe keine Chance zu geben. Es braucht viel Mut, über seinen Schatten zu springen und seinem Herzen einen Schubs in die richtige Richtung zu geben. Genau das lehren uns die Protagonisten in ihrem unvergesslichen Sommer und ich habe sie unheimlich gern dabei begleitet. Und wenn dann noch Einhörnchen um die Ecke kommen, kann eigentlich alles nur noch gut werden. Klare Leseempfehlung für Liebhaber von Romanen mit Tiefgang, die der Seele Flügel verleihen.

Ich danke dem Diana-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Freitag, März 30th, 2018 | Geschrieben unter: Frauen,Günak, Kristina,Humor,Liebesroman,Steffan, Kristina,Valentin, Kristina | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Adriana Popescu
Verlag: cbt
ISBN-10: 3570311988
Klappen-
broschur:
398 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Hab dich – Einmal Mond und zurück

Zum Inhalt:

Die 16jährige Fritzi hatte sich ihren Sommer ganz anders vorgestellt, nämlich als großes Abenteuer mit ihrer besten Freundin Isa. Doch nun macht sie nicht Urlaub auf Rügen, wie es geplant war, sondern findet sich zwar ebenfalls auf der Insel, jedoch in einer Einrichtung für psychisch erkrankte Teenager wieder. Sie landet bei den „Astronauten“ und muss sich mit der schüchternen Sarah ein Zimmer teilen sowie sich den Launen des sportbesessenen Tim stellen. Und dann ist da noch Basti, ein wirklich crazy Typ, der sich jedoch schnell in ihr Herz schleicht. Jeder von ihnen verbirgt ein Geheimnis und versucht, dessen Lüftung tunlichst zu verhindern. Doch um wirklich eine Chance auf Heilung zu bekommen, müssen die Jugendlichen sich aufeinander einlassen, ihre Mauern fallen lassen und ihrer Freundschaft eine Chance geben.

Meine Meinung:

Bereits das Prequel zum Roman – „Schöne Grüße vom Mond“ – hat mich neugierig auf das neue Jugendbuch von Adriana Popescu gemacht. Da sie zudem eine meiner Lieblingsautorinnen ist, war es keine Frage, dass ich mich diesem schnellstmöglich widme. Ich habe es in kürzester Zeit verschlungen und bin wieder einmal begeistert vom unverkennbaren Schreibstil der Autorin.

Obwohl die Geschichte ein eher ernsteres Thema beinhaltet, fehlen keineswegs der Humor und die Spritzigkeit, die einen echten Popescu ausmachen. Die vier Jugendlichen sind so unterschiedlich wie die Gründe, die sie nach Rügen gebracht haben. Diese werden im Verlaufe des Buches erst nach und nach aufgedeckt und gehen jeder für sich tief unter die Haut. Als Leser fühlt man sich hin- und hergerissen und man weiß gar nicht, mit wem man nun mehr mitleiden soll. So gibt es auch Schockmomente, die das Blut in den Adern gefrieren lassen und fast Angst vorm Weiterlesen verursachen. Die Teenager machen in der kurzen Zeit, die sie quasi zwangsweise aneinandergebunden werden, eine erstaunliche Entwicklung durch.

Natürlich ist die zarte Liebesgeschichte zwischen Fritzi und Basti etwas ganz Besonderes. Hier versteht die Autorin es wunderbar, sich in die Gefühlswelt eines Teenagers hineinzuversetzen, der zum ersten Mal von seinen Emotionen überwältigt wird. Aber auch das Setting war ein Highlight, da die Ostsee für mich seit meiner Kindheit nichts von ihrer Faszination verloren hat. Der Insel Rügen wird hier in all ihrer Schönheit ein Denkmal gesetzt.

Wie jedes Mal bei einem Popescu-Roman sind es aber die unzähligen Anspielungen auf Filme, Serien und Musik, die für mich das Tüpfelchen auf dem i bedeuten. Nicht jeder Leser wird alles nachvollziehen können, aber für mich als Cineast und Serien-Junkie war es wieder ein absolutes Fest. Allein die Kapitelunterschriften haben ausnahmslos Bezug zu einem Film und passen dennoch ideal zum Inhalt des selbigen. Schon dafür mein allergrößter Respekt. Wenn es dann noch von aufschreibwürdigen Zitaten nur so wimmelt, dann bleibt mir nur, auch dieses Buch in die Liste meiner Lieblingsbücher aufzunehmen und natürlich es von ganzem Herzen weiterzuempfehlen, sowohl der Gruppe der jungen Leser ab 13/14 als auch den jung Gebliebenen Literaturliebhabern, denn Adriana Popescu ist eine wahrlich großartige Geschichtenerzählerin.

Ich danke dem cbt-Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplares.

Kerstin hat am Montag, März 19th, 2018 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Popescu, Adriana | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

 

Autor:

Stephan Harbort
Verlag: Knaur
ISBN-10: 3426788667
Taschenbuch: 240 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Was macht Frauen zu Serienmörderinnen?

Inhalt:

Es sind weit weniger bekannte Fälle dokumentiert als bei der männlichen Spezies, aber es gibt sie – Frauen, die in Serie töten. Stephan Harbort, Kriminalkommissar und Experte für Serienmörder und kriminalistisches Profiling, beschäftigt sich in diesem True-Crime-Sachbuch mit sieben ausgewählten Serienmörderinnen, die im deutschsprachigen Raum von 1945 bis 2015 aktiv wurden. Er erzählt ihre Geschichte, versucht hinter die Motive zu blicken und analysiert die Psyche der Täterinnen, die eventuell ausschlaggebend für ihr Verhalten war.

Meine Meinung:

„Killerfrauen“ ist mein erstes Buch von Stephan Harbort, obwohl ich mich schon länger für die Thematik interessiere, bisher jedoch vor allem aus Sicht der Rechtsmedizin. Ich finde es generell spannend, hinter die Geschichten zu blicken und der großen Frage nach dem Warum ein bisschen näher zu kommen.

Die sieben Geschichten enthalten die Klassiker wie Kindestötung, Todesengel und die Schwarze Witwe, die auch in unzähligen Filmproduktionen thematisiert wurden. Aber es sind auch Fälle dabei, die für echtes Erstaunen sorgen, speziell wenn man in besondere Ermittlungsmethoden der Polizei Einblick erhält. Der Autor hat mit einigen der Täterinnen persönlichen Kontakt gehabt, mit anderen schriftlich verkehrt, immer jedoch gründlich recherchiert, was man seiner Schreibweise auch anmerkt und worauf das angehangene Literaturverzeichnis deutlich verweist.

Fast immer wird jeweils der Fall betrachtet und im Anschluss versucht, der Täterin ein Gesicht zu geben, indem man ihren Hintergrund beleuchtet. Das erfolgt sachlich, analytisch und ohne Wertung. Bei einigen Fällen wurde dies jedoch ausgespart und gerade da hätte mich diese Sichtweise besonders interessiert. Natürlich sind auch vieles nur Vermutungen, wenn die Angeklagten nicht in der Lage oder willens sind, sich umfassend zu äußern, denn in den Kopf schauen kann man nun mal nicht. Generell hätte ich mir einen etwas tieferen Einblick in die Psyche der Damen gewünscht, denn die meisten Fragen bleiben schlussendlich offen. Aber das ist wohl Geschmackssache und die richtige Balance für alle zu finden schlicht unmöglich.

Die Statistik am Ende über Merkmalshäufigkeiten bei Täterinnen, Opfern und Taten fand ich sehr interessant. Insgesamt ein wirklich gutes Buch, um einen tieferen Einblick in die Abgründe der weiblichen Seele zu bekommen und sein Wissen zu erweitern. Fan von True Crime kann ich das Buch nur empfehlen und ich werde mir sicher auch andere Werke des Autors näher ansehen.

Ich danke Stephan Harbort für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Donnerstag, März 8th, 2018 | Geschrieben unter: Harbort, Stephan,Sachbuch,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Kristina Günak
Verlag: Selfpublishing
ASIN: B074DXM3VH
E-Book: 334 Seiten
Persönliche
Wertung:
Serienzuge-
hörigkeit:
Band 1 – Charlottes Erbe

 

Vampire unter uns – Charlottes Erbe Teil 1

Inhalt:

Charlotte Sanders begegnet während eines Meetings eher zufällig Luka Van Dyke, dem Chef ihrer Firma – einem großen Immobilienunternehmen mit Sitz in Hamburg. Anders als bei allen anderen ist es ihm nicht möglich, sie zu manipulieren. Charlotte hat keine Ahnung, mit wem sie es wirklich zu tun hat. Sie selbst ist sich bewusst, schon immer ein wenig anders zu sein und als sie während einer Vision zusammenbricht, wird sie von Luka kurzerhand in sein einsam gelegenes Häuschen am Meer entführt.

Eine unnatürliche Anziehung entsteht zwischen beiden, der sie sich nicht entziehen können. Als Luka jedoch herausfindet, wer Charlotte wirklich ist und welche Gefahr sie nicht nur für die Vampirgemeinschaft, zu deren einflussreichsten Mitgliedern er zählt, sondern für die gesamte Menschheit bedeutet, setzen er und seine Freunde alles daran, die Frau, die sich klammheimlich in sein erstarrt geglaubtes Herz geschlichen hat, zu beschützen.

Meine Meinung:

Da ich die Romane von Kristina Günak im Allgemeinen sehr gern mag und Vampirgeschichten im Besonderen, habe ich nicht lange gezögert, mir ihren allerersten Roman zu kaufen, der viele Jahre in der Schublade seiner Veröffentlichung entgegenfiebern musste.

Klar, es geht hier um eine wesentlich düstere Story, als es beispielsweise bei der Hexen-Serie der Fall ist, dennoch hätte ich die Autorin anfangs nicht wiedererkannt. Erst nach der Hälfte des Buches flammte so ab und an ein bisschen des Humors auf, den ich an ihr so liebe. Es werden für meinen Geschmack die Hintergründe und das Besondere an Charlotte etwas zu wenig beleuchtet. Viele Fragen bleiben doch irgendwie ungeklärt. Bei einem Einzelroman hätte mich das wohl doch ziemlich enttäuscht, aber zum Glück gibt es ja eine Fortsetzung, auf die ich große Hoffnungen setze.

Toll fand ich die Nebencharaktere, speziell die männlichen. Diese sind tatsächlich so angelegt, dass es schade wäre, nichts über ihren weiteren Werdegang zu erfahren. Vor allem haben sowohl Protagonisten also auch Antagonisten Stärken und Schwächen, was sie dann doch irgendwie wieder menschlich macht. Mit Charlotte bin ich nicht wirklich warm geworden, bei Luka ist die Wandlung vom Eisklotz zum fühlenden, aber dennoch starken Helden sehr gut gelungen. Ihrem animalischen Erbe wegen kann ich es akzeptieren, dass bereits nach gefühlt zwei Tagen die berühmten drei Worte fallen, was eigentlich nicht so meins ist.

Auch wenn ich anfangs etwas schwer in die Geschichte reingefunden habe, steigert sich doch die Spannung kontinuierlich und gipfelt in einem schönen Showdown. Für die interessante Grundidee und den makellos flüssigen und nicht zu schwülstigen Schreibstil kann es nur ein Daumen hoch geben. Mit geringfügigen Abstrichen kann ich daher Vampirfans den Auftakt von „Charlottes Erbe“ durchaus weiterempfehlen.

Kerstin hat am Mittwoch, Februar 28th, 2018 | Geschrieben unter: Fantasy/Paranormal,Günak, Kristina,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Matt Haig
Verlag: dtv Verlag
ISBN-10: 3423280719
Gebundene Ausgabe 304 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Der Weg zurück vom Abgrund

Inhalt:

Matt Haig ist gerade mal 24, als ihn eine heimtückische Krankheit, scheinbar aus heiterem Himmel, in die Knie zwingt – die Depression. Nur einen winzigen Schritt weiter und dieses Buch wäre nie entstanden, denn der Autor stand im wahrsten Sinne des Wortes am Abgrund. Seine dunkelsten Stunden, die Auslöser, seine komplette Gefühlswelt, aber auch die ersten winzigen Schritte in eine bessere Zukunft beschreibt er in diesem Buch. Dies tut er so gefühlvoll, ehrlich und schonungslos, dass es im Innersten berührt.

Meine Meinung:

Eine sehr gute Freundin hat den Autor Matt Haig für sich entdeckt und mir dieses Buch in dem Wissen empfohlen, dass ich als Angehöriger persönlich von dem Thema betroffen bin. Dafür schulde ich ihr großen Dank.

Auch bei uns gab es die Anzeichen, aber irgendwie war es dann doch wie ein Donnerschlag, als die Depression mit unbeschreiblicher Härte über meine geliebte Mama hereinbrach, ihr jeden Lebensmut nahm und ihren Mann und mich zu hilflosem Zuschauen verdammte. Wir waren in meiner Kindheit viele Jahre auf uns allein gestellt, sie mein wichtigster Bezugspunkt, Mutter, Schwester, Freundin in einem. Was haben wir nicht alles zusammen unternommen – Konzerte, unzählige Theaterbesuche, Buchevents – unvergessliche Erlebnisse. Ihr wahres Alter stets verleugnend, immer fit und agil, voller Tatendrang. Eine Welt, die plötzlich aufhörte zu existieren.

Wer kennt sie nicht, die kleinen depressiven Phasen, wenn alles wenig Sinn zu machen scheint? Sie geben vielleicht einen kleinen Einblick in das Empfinden, wenn eine wahre Depression vorliegt, die nicht nur das Gehirn in seine Einzelteile zu zerlegen scheint, sondern einen auch körperlich an jede Grenze bringt. Wenn jede Bewegung ein Kampf ist, jeder neue Tag ein schier unüberwindliches Hindernis. Nicht Betroffene können es nur im Ansatz verstehen. Matt Haig beschreibt diese Gefühle so real, nachvollziehbar, aber auch schonungslos, dass betroffene Angehörige definitiv ein besseres Verständnis erlangen. Aber er gibt auch Hilfestellung, wie man mit den Betroffenen umgehen, was man auf keinen Fall tun sollte.

Mir persönlich hat das Buch unheimlich viel gegeben. Fernab von jeder wissenschaftlichen Erklärung, die ohnehin nur unbefriedigend wäre, weil die Krankheit so vielfältige Erscheinungsformen hat, bietet er anhand seiner eigenen Erfahrungen Lösungswege, aber er schenkt auch Kraft und Mut, das Schicksal anzunehmen.

Von Beginn an habe ich überlegt, ob es einen Sinn macht, das Buch meiner Mutter zum Lesen zu geben, ob es ihr eine Hilfe sein kann oder eher das Gegenteil bewirkt. Die ganz große und enorm wichtige Aussage des Buches ist: Du bist nicht allein damit und es gibt ein Morgen, vielleicht keine vollständige Heilung, aber Besserung. Aus diesem Grund will ich es versuchen, vor allem auch, da seit dem großen Zusammenbruch inzwischen fast ein Jahr vergangen ist und unsere Erfahrungen zeigen, dass es tatsächlich aufwärts gehen kann. Natürlich gibt es immer wieder Rückschläge, Medikamente sind kein Allheilmittel, aber ein ganz großer Faktor ist tatsächlich die Liebe, wie auch Matt Haig zu berichten weiß.

Er befragte auch viele Betroffene über ihre Gründe, am Leben bleiben zu wollen, was mich besonders beeindruckt hat. Diese sind so unterschiedlich wie der Mensch selbst, aber dennoch ist die Liebe bei sehr vielen der Anker, der sie im Hier und Jetzt hält. Klar, nicht jeder schafft es, aber ich denke, für eine große Anzahl Menschen gibt es ein Danach, Tage, an denen sie wieder rundum glücklich sein können, wo sie die Schatten besiegen. Das Buch kann aus meiner Sicht auch helfen, mit der Krankheit besser umzugehen, ihr den Kampf anzusagen, die Kraft zu finden, es durchzustehen.

Daher ist „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ meiner Meinung nach sowohl für Betroffene als auch ihre Angehörigen ein großes Geschenk, wofür ich dem Autor sehr dankbar bin.

Kerstin hat am Sonntag, Februar 25th, 2018 | Geschrieben unter: Biografie,Haig, Matt,Sachbuch | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Arno Strobel
Verlag: Fischer TB
ISBN-10: 359629617X
Taschenbuch: 368 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Diesmal im Kopf der Opfer

Inhalt:

Max Bischoff ist nach einer Zwangspause nach seinem wohl schwersten Fall wieder zurück im Dienst im KK 11. Er und sein Partner Horst Böhmer werden mit einem Täter konfrontiert, der mit einer Fliegenmaske wahllos in Häuser einbricht, alle Bewohner bis auf einen tötet und die Botschaft hinterlässt: Erzähl es den anderen! Die Ermittlungen verlaufen zäh, denn die Opfer scheinen nichts gemein zu haben. Dann gibt es einen Anruf aus der Psychiatrie. Der verurteilte und dort einsitzende Mörder Siegfried Fissmann weiß Details zu den Morden, die nur der Täter wissen kann. Da es sonst keine Anhaltspunkte gibt, müssen sich die Kommissare auf ein Psychospiel mit dem Patienten einlassen und geraten dabei selbst an ihre emotionalen Grenzen.

Meine Meinung:

Mit „Kalte Angst“ legt Arno Strobel nun den zweiten Thriller der Max Bischoff-Trilogie vor. Da es einige Anspielungen auf das erlebte Trauma der Hauptfigur in Band 1 (Tiefe Narbe) gibt, ist es für ein besseres Verständnis sinnvoll, mit diesem Roman zu beginnen. Zudem ist da die romanübergreifende Geschichte um Bischoffs an den Rollstuhl gefesselte Schwester, die im Gesamtbild ebenfalls schlüssiger wird und wohl in Band 3 auf ein spannendes Finale zusteuert.

Der Roman ist wie alle Strobels durchgängig flüssig zu lesen und hält auch ein gutes Spannungslevel, das lediglich im Mittelteil ein wenig abfällt. Durch die langwierigen Ermittlungen, die auch noch selten von Erfolg gekrönt sind, hat man es eben doch mehr mit einem Krimi als einem Thriller zu tun. Die atemberaubende Spannung und schnellen Wendungen, die ich aus anderen Thrillern des Autors kenne, haben mir ein wenig gefehlt.

Der Blutdruck schießt jeweils in die Höhe, wenn in die Perspektive des Täters bzw. in diesem Fall eher in die des überlebenden Opfers gewechselt wird. Hier wird nicht zimperlich zur Sache gegangen und das Grauen überträgt sich sehr gut auf den Leser. Mir waren es der Leichen fast ein wenig zu viel und die Ermittlungsweise der Beamten zu gradlinig. Wenn sie sich schon auf Fissmann mit seinem Täterwissen einlassen, hätten sie ihn auch besser durchleuchten können.

So bildete die Auflösung aber trotz allem eine Überraschung und hatte so wohl kaum vorhergesehen werden können. Insgesamt ergab sich ein rundes, wenn auch verstörendes Bild. Der Cliffhanger am Ende ist mehr als gemein und macht es nicht unbedingt einfach, nun ein Jahr auf Band 3 warten zu müssen.

Kerstin hat am Dienstag, Februar 20th, 2018 | Geschrieben unter: Strobel, Arno,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Adriana Popescu
Verlag: cbt
ASIN: B077QJYL6N
E-Book: 65 Seiten (inkl. Leseprobe)
Persönliche
Wertung:

 

 

Neugierig machendes Prequel

Zum Inhalt:

Die besten Freundinnen Fritzi und Isa wollen einen gemeinsamen Urlaub auf Rügen verbringen und planen bereits im Februar alles bis ins kleinste Detail, wohl wissend, dass einige der Wünsche gar nicht im finanziellen Rahmen liegen. Besonders Fritzi sehnt eine Auszeit von ihrem Zuhause herbei, ist hier ein Streit zwischen ihren Eltern doch an der Tagesordnung.

Als es jedoch endlich Sommer ist, befindet sich Fritzi zwar auf dem Weg nach Rügen, jedoch ohne Isa. Ihr sicherlich nicht selbst gewähltes Ziel ist eine Einrichtung für psychisch erkrankte Teenager. Was ist zwischen den Freundinnen passiert, woraus diese einschneidende Wendung resultierte?

Meine Meinung:

Eine meiner liebsten Autorinnen – Adriana Popescu – beweist hier einmal mehr ihr Herz für ihre Leser und gibt mit diesem kostenlosen kleinen Prequel zu „Mein Sommer auf dem Mond“, welches am 12. März 2018 erscheinen wird, einen ersten Einblick in das Leben ihrer Protagonistin Fritzi. Man lernt in den wenigen Kapiteln das Mädchen und ihre Sehnsüchte schon sehr gut kennen.

Wie ich es von der Autorin kenne und liebe, fließt bereits hier jede Menge Popkultur in die Geschichte ein. Vor allem ihre Bewunderung für das Harry Potter-Universum scheint sie auf ihre weibliche Hauptfigur übertragen zu haben.

„Schöne Grüße vom Mond“ enthält außerdem eine längere Leseprobe zum sich bald anschließenden Roman, die extrem neugierig auf die restliche Geschichte und die Abenteuer der so unterschiedlichen Teenager in einem diesmal etwas anderen Setting macht. Ich jedenfalls kann den Erscheinungstermin kaum erwarten und vielen Fans von Adriana wird es sicher ebenso ergehen. Danke!

Kerstin hat am Dienstag, Februar 13th, 2018 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Popescu, Adriana | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Arno Strobel
Verlag: Fischer TB
ISBN-10: 3596296161
Taschenbuch: 364 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Arno Strobel in Serie – gelungenes Experiment

Inhalt:

Max Bischoff ist neu bei der Düsseldorfer Mordkommission. Sein Faible für moderne Ermittlungsmethoden wird von seinem Partner Horst Böhmer größtenteils belächelt, was ständig zu kleinen Sticheleien führt. Im Großen und Ganzen ergänzen sich beide jedoch gut, was bei ihrem ersten großen Fall auch nötig ist.

Ein stadtbekannter Journalist taucht blutüberströmt auf dem Polizeirevier auf. Das Blut gehört zu einer seit 2 Jahren vermissten Schauspielerin, von der nach wie vor jede Spur fehlt. Statt der Lösung des Falls näher zu kommen, wird er immer rätselhafter und eine wie Müll entsorgte Frauenleiche macht es nicht einfacher. Im Umkreis der Ermittlungen begegnet Max die große Liebe, deren Verschwinden ihn an seine emotionale Grenze bringt.

Meine Meinung:

Ich bin seit Jahren ein großer Fan von Arno Strobel, wobei mir das eine Buch mehr, das andere weniger gefallen hat. Dennoch verpasse ich keine Veröffentlichung, auch wenn es diesmal recht lange gedauert hat, mir den Auftakt seiner Thriller-Trilogie um Max Bischoff vorzunehmen, da Band 2 bereits erhältlich ist, den ich direkt im Anschluss lesen werde.

Mir hat „Tiefe Narbe“ eigentlich recht gut gefallen. Diesmal rückt Arno Strobel die Polizeiarbeit eindeutig in den Vordergrund. Die beiden Ermittler sind mit ihren unterschiedlichen Ansätzen nun keineswegs Neuerfindungen, aber durchaus sympathisch, wobei Max, aus dessen Sicht erzählt wird, dem Leser eindeutig näher kommt. Auch sein privates Umfeld inkl. der im Rollstuhl sitzenden Schwester fand ich gut gezeichnet, von der sicher noch viel in den Folgebänden zu lesen sein wird.

Die kursiv hervorgehobenen Passagen, die quasi „im Kopf des Mörders“ stattfinden, sind detailliert beschrieben, grausam und verstörend, aber gerade das mag ich.

Der Versuch, falsche Spuren zu legen, wirkt ein wenig bemüht, aber zumindest bei mir hat es funktioniert und ich wusste lange nicht so recht, wo der Hase nun langläuft. Die Ermittler schießen sich etwas zu extrem auf einen Verdächtigen ein, die so oft erwähnten modernen Ermittlungsmethoden finden eigentlich keine Anwendung und letztes Endes bringt ein Zufall Max auf die richtige Spur. Die eingebaute Liebesgeschichte hinterlässt einen etwas bitteren Nachgeschmack, verwandelt sie doch den mit über dreißig durchaus erwachsenen Max in einen fast sabbernden Teenager, der alles um sich herum vergisst, jegliche Regeln ignoriert und bereits nach wenigen Tagen von der großen Liebe träumt. Das war dann selbst mir ein wenig zu viel des Guten. Das Ende war dann doch ein wenig überraschend, bietet aber die richtige Ausgangsbasis für die Folgebände um Max Bischoff.

Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen und denke, dass die meisten Strobel-Fans dem etwas anderen Stil des Autors etwas abgewinnen dürften.

Kerstin hat am Sonntag, Februar 11th, 2018 | Geschrieben unter: Strobel, Arno,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Sandra Henke
Verlag: Heyne
ISBN-10: 3453545923
Taschenbuch: 289 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Das Lustschloss des Grafen

Zum Inhalt:

Scotia soll das Familienunternehmen, die edle Pralinenmanufaktur „Lush Chocolates“, eines Tages übernehmen, nachdem ihr Bruder sich zurückgezogen hat, um seine eigenen Träume zu verwirklichen. Sie setzt all ihre Kraft und Energie dafür ein, hat quasi kein Leben neben der Arbeit und unterdrückt ihre heimlichen Wünsche. Die treten deutlich zu Tage, als sie auf Aidan trifft, den dominanten Inhaber des verruchten Lustschlosses „Taboo“. Ihre Neugier ist zu groß und so folgt sie seiner Einladung in den Club, selbstverständlich maskiert. Sie lässt sich zur Lustsklavin ausbilden und geht völlig darin auf. Doch schon bald merkt sie, dass da noch ganz andere Gefühle im Spiel sind. Wird sie zu ihrer Neigung stehen können und alle Bedenken hinsichtlich ihrer adeligen Herkunft und den Ruf der Firma betreffend über Bord werfen können?

Meine Meinung:

Ein weiteres Mal hat es Sandra Henke geschafft, mich mit einem heißen BDSM-Roman zu begeistern. Ich lese das Genre eigentlich nur in ganz kleinen Dosen, um nicht zu sagen fast ausschließlich aus der Feder der Autorin. Denn hier weiß ich vorher, dass ich keine lustlose Aneinanderreihung von Pornoszenen bekomme, sondern eine tolle Geschichte, die so viel mehr beinhaltet.

Es geht nicht nur darum, seine sexuellen Vorlieben auszuleben, sondern überhaupt zu sich zu stehen, den Mut zu finden, für sich zu und seine Liebe zu kämpfen. Ein bisschen Familiendrama, Intrige, Eifersucht, ganz viel Gefühl und Herz. Scotia war mir sofort sympathisch und ihr Tanz auf dem Drahtseil, hin- und hergerissen zwischen Verpflichtung und Leidenschaft, wurde von der Autorin unheimlich gut umgesetzt. Über Aidan als Dominus braucht man kaum Worte zu verlieren. Ein Traummann schlechthin, der es zwar liebt, seine dominante Seite auszuleben, dabei aber nie die Bedürfnisse seiner Partnerin ignoriert. Aber auch Rock, Scotias Bruder, mochte ich sehr gern.

Die erotischen Szenen im Club sind teilweise sehr explizit und feuern das Vorstellungsvermögen enorm an. Für mich persönlich wäre ein Eindringen in die Welt des BDSM unvorstellbar, nichtsdestotrotz macht es riesigen Spaß, dank Sandra Henke quasi mal durchs Schlüsselloch in sie einzutauchen. Ich muss auch sagen, man lernt doch tatsächlich immer wieder noch dazu, was so alles möglich ist.

Das Buch ist keine Minute langweilig, man fiebert zu jeder Zeit mit den Protagonisten mit und schlägt den Roman nach ihrem verdienten Happy End mit einem seligen Lächeln zu. Für Fans des Genres einfach unverzichtbar.

Ich danke dem Heyne Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, Januar 21st, 2018 | Geschrieben unter: Erotik,Henke, Sandra,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Valentina May
Verlag: Edel-Elements
ASIN: B074H1VG6G
E-Book: 262 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Gibt es Hoffnung, wenn alles verloren scheint?

Inhalt:

Für Abendroth – das familieneigene Gut – ist Miriam bereit, alles zu opfern. Dennoch trifft sie die Untreue ihres Ehemannes unvorbereitet. Sie fühlt sich verfolgt und ein Reitunfall schwächt sie zudem körperlich. Sie willigt schließlich ein, eine Zeit im Ferienhaus ihrer Freundin an der Nordsee auszuspannen. Doch zur Ruhe kommt sie auch dort nicht, denn ihr attraktiver Nachbar Robert weiß sie schon bald mit seinem Charme für sich einzunehmen. Obwohl alles gegen eine Verbindung der beiden spricht, gibt sich Miriam ihren neuentdeckten Gefühlen hin. Doch dann taucht erneut ihr Verfolger auf und Miriam gerät in ernsthafte Gefahr. Sollte ihr totgeglaubter Bruder Jacob doch noch am Leben sein?

Meine Meinung:

In „Winterdämmern“ – Band 2 der Trilogie um die Schwestern von Gut Abendroth – dreht sich alles um Miriam. War sie mir in Band 1 noch ziemlich spröde vorgekommen, so hat sie in dieser Geschichte mein Herz gewonnen. Mutig kämpft sie gegen jedes Unbill, immer im Fokus, ihr geliebtes Abendroth für sich und ihre Kinder vor dem Untergang zu retten.

Der Schauplatz wechselt schon bald an die sturmumtoste Nordsee und auch hier ist es der Autorin sehr anschaulich gelungen, die Naturgewalten einzufangen. Am liebsten wäre ich selbst auf ein Pferd gestiegen und zu einem Ritt am Strand aufgebrochen. Die Romanze zu Robert entwickelt sich mit der gebotenen Langsamkeit und gipfelt in wunderschöner Erfüllung.

Richtig spannend dagegen wird es um das Geheimnis des verschwundenen Bruders, der offenbar doch noch am Leben ist. Die gefährliche Situation, in die Miriam mit ihrem Katerchen gerät, hat mich einige Nerven gekostet. Auflösung dazu gibt es dann erst im 3. Band, in dem Stephanie, die dritte Schwester, der Sache auf den Grund geht.

Schon jetzt bin ich sehr gespannt auf das Finale und möchte jedem Leser leidenschaftlicher Liebesromane mit Familiendrama auch dieses Buch sehr ans Herz legen.

Kerstin hat am Montag, Januar 8th, 2018 | Geschrieben unter: Frauen,Landers, Kim,Liebesroman,May, Valentina | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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