Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Archives: Februar 2020

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426524404
Klappen-broschur: 350 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Brandheiße Fortsetzung, die es in sich hat

Zum Inhalt:

Nach den aufwühlenden Ereignissen am Kieler Institut für Rechtsmedizin, die nicht nur Paul Herzfeld, sondern auch seine Verlobte nachhaltig im täglichen Leben beeinflussen, verordnet ihm sein Chef eine Auszeit. Er soll vertretungsweise die Pathologie in Itzehoe übernehmen, nachdem sein Vorgänger dort Suizid beging. Doch wirkliche Ruhe gibt es in Herzfelds Leben nicht. Er stößt auf jede Menge Ungereimtheiten, was den Tod von Dr. Petersen betrifft und wird bei seinen Nachforschungen von mehreren Stellen ausgebremst. Er ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat und ihm schon bald eine Profikillerin auf den Fersen ist. Es gilt einen unfassbaren Skandal aufzudecken, sofern ihm die Zeit dafür bleibt …

Meine Meinung:

Die Fortsetzung von „Abgeschlagen“, die zeitlich unmittelbar nach den dortigen Ereignissen einsetzt, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Das Buch ist von der ersten Seite an superspannend und die kurzen, prägnanten Kapitel verführen zum ständigen Weiterlesen.

Anders als in Band 1 ist hier lange unklar, worum es eigentlich geht und erst nach und nach an der Seite von Paul Herzfeld kommt der Leser an die Hintergründe eines riesigen Skandals. Eine eiskalte Killerin, rasante Verfolgungsjagden und aufzudeckende Geheimnisse, was will ein Thrillerleser mehr.

Gekonnt lässt Michael Tsokos auch wieder Fälle aus seiner eigenen rechtsmedizinischen Praxis in die Geschichte einfließen, die sicher nicht für jedermann leicht verdaulich beschrieben sind, aber trotzdem enorm interessant. Wer hier zimperlich ist, sollte kein True Crime lesen.

Die zweite ständige Bedrohung für Paul Herzfeld, die aus Band 1 resultiert und zum Ende des Buches zur Gewissheit wird, heizt die Neugier auf den Abschlussband der Trilogie natürlich extrem an und lässt die Wartezeit bis dahin schwer erträglich erscheinen.

Kerstin at Montag, Februar 24th, 2020 | Filed under: Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Ginette Kolinka
Verlag: Aufbau digital
ASIN: B081S66N6L
Gebundene Ausgabe 128 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Ergreifender Zeitzeugenbericht

Zum Inhalt:

Ginette Kolinka ist 19, als sie mit Vater, Bruder und Neffe im März 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wird. Sie hat als Einzige überlebt und führt noch heute mit fast 95 Schulklassen durch den Ort, an dem sie unvorstellbares Grauen erfahren hat. Jahrzehntelang hat sie geschwiegen. Nun beschreibt sie eindringlich ihre Erlebnisse in Birkenau, ihren Weg dorthin und auch wie sie nach Kriegsende wieder auf die Beine kam.

Meine Meinung:

Es ist nicht mein erstes Buch über den Holocaust und wird sicher nicht mein letztes sein. Auch wenn es streckenweise beinahe körperlich wehtut, über die damals stattgefundenen Grausamkeiten zu lesen, so finde ich es doch immer wieder wichtig, gerade diesen Teil der deutschen Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren. Und das nicht nur vor dem Hintergrund des gerade deutlich spürbaren Rechtsrucks in unserer Gesellschaft.

Ginette Kolinka konnte den größten Teil ihres Lebens nicht über ihre Zeit im KZ sprechen, erst als Steven Spielberg Zeitzeugen für seinen Film „Schindlers Liste“ suchte, brach sie ihr Schweigen. Nicht mehr lange werden wir Berichte aus erster Hand bekommen, deshalb ist es so wichtig, jeder einzelnen Stimme Gehör zu verschaffen.

Die Erlebnisse der Französin werden achronologisch erzählt und beginnen mit der Ankunft in Auschwitz und dem Vorwurf, den sie sich wohl ewig machen wird. In ihrer Naivität riet sie ihrem Vater und Bruder aufgrund ihrer Schwäche die bereitstehenden LKW zu nutzen und schickte sie damit direkt in den sicheren Tod. Die zweite Hälfte des für den geringen Inhalt recht preisintensiven Büchleins befasst sich mit der Gefangennahme und der Zeit nach dem KZ-Aufenthalt. Diese Zeitsprünge wirken teilweise etwas verwirrend.

Von den Grausamkeiten wird sehr sachlich und nüchtern berichtet, was wahrscheinlich aufgrund der Thematik gar nicht anders möglich ist. Einen Tick mehr Emotion hätte ich mir dennoch gewünscht. Es wird auch immer wieder betont, dass sich Ginette gar nicht mehr an alles erinnern kann, was sicher auch ihrem hohen Alter geschuldet ist. Zu den Details brauche ich mich nicht zu äußern. Es erschüttert mich nur jedes Mal wieder aufs Neue, zu was Menschen fähig sind.

Mein erster Besuch in Auschwitz ist für dieses Jahr fest eingeplant und ein wenig habe ich Angst, dem Unbeschreibbaren so nah zu kommen. Dennoch möchte ich mich dieser Vergangenheit stellen.

Das Buch ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur Aufklärung der im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten verübten Verbrechen und sollte gleichzeitig als Prävention und Mahnmal Berücksichtigung finden.

Kerstin at Dienstag, Februar 18th, 2020 | Filed under: Biografie,Kolinka, Ginette,Sachbuch | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426524381
Klappen-broschur: 410 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

True Crime vom Meister

Zum Inhalt:

Paul Herzfeld ist seit einem Jahr am Kieler Institut für Rechtsmedizin. Sein egozentrischer Chef, Professor Schneider, hat nur ein Ziel: sich durch eine möglichst bahnbrechende Aufklärung eines brutalen Mordes hervorzutun und dadurch den demnächst vakanten Posten des Leiters des Instituts zu erlangen. Doch bei den letzten Obduktionen verhält sich Schneider seltsam und Herzfeld lassen gewisse Ungereimtheiten keine Ruhe. Als auch noch der Hausmeister Hansen sich ihm mit einem Geheimnis anvertraut, muss Herzfeld schon bald nicht nur um seines, sondern auch um das Leben seiner Familie bangen.

Meine Meinung:

Nachdem man in „Abgeschnitten“ (gemeinsam mit Sebastian Fitzek) bereits schon mal von Paul Herzfeld lesen durfte, widmet sich der anerkannte Forensik-Experte Professor Michael Tsokos nunmehr in einer Trilogie den beruflichen Anfangsjahren der Figur und startet mit „Abgeschlagen“.

Das Cover mit der Machete ist schlicht, aber sehr eindrucksvoll und eines guten Thrillers würdig. Die Geschichte startet dann auch spannend und der Leser steht direkt mitten im Geschehen. Bei den Beschreibungen der verschiedenen Sektionen kommt natürlich das große Fachwissen von Tsokos zum Tragen, für meinen Geschmack fast ein wenig zu detailliert. Hier zeigt der Roman dann auch ein paar Längen und reißt erst zum Ende hin beim packenden Showdown wieder richtig vom Hocker.

Das liegt wohl aber auch daran, dass der Täter sehr früh feststeht und es quasi kaum Überraschungen oder Wendungen gibt. Dennoch ist der Thriller flüssig und solide geschrieben und weiß zu unterhalten. Die recht kurzen Kapitel und jeweils genauen Standortangaben sind dabei sehr hilfreich.

Ich bin schon gespannt, wie es mit Herzfeld weitergeht und werde sicher auch die Folgebände lesen. Für Fans von True Crime sicher nicht die falscheste Wahl.

Kerstin at Mittwoch, Februar 12th, 2020 | Filed under: Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off
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