Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Category: Thriller/Krimi

 

Autor:

Clemens Murath
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3-453-27283-5
Klappen-broschur: 475 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Knallharter Berlin-Thriller, der kein Blatt vor den Mund nimmt

Zum Inhalt:

Berlin steht den Machenschaften der kriminellen Clans beinahe machtlos gegenüber. Da braucht es schon Ermittler, die es mit dem geschriebenen Gesetz nicht ganz so genau nehmen. Frank Bosman vom LKA ist so einer. Korrupt bis zur Schmerzgrenze sowie selbst erfahren im Milieu, geht er knallhart gegen die Mafia vor und schreckt dabei auch vor Selbstjustiz nicht zurück. Als sich den Libanesen und ihrem Kopf Arslan Aziz ein albanischer Clan entgegenstellt und es zu einem Mord vor Zeugen kommt, sieht Bosman seine Chance, endlich mal richtig aufzuräumen.

Meine Meinung:

Das Krimidebüt um den knallharten Ermittler Frank Bosman und Auftakt einer Serie hat den Stempel Heyne Hardcore zu Recht bekommen. Hier wird wahrlich eine deutliche Sprache gesprochen, die aber zur ganzen Atmosphäre und dem Unterwelt-Milieu passt. Man mag sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass es genauso wie dargestellt in den dunklen Kreisen Berlins wirklich abgeht. Wenn ich so etwas lese, bin ich immer recht froh, weitab davon zu leben und keine Chance zu haben, mit Ähnlichem konfrontiert zu werden.

In dem Roman bekommt man Einblick in die Drogen- wie Stricherszene, korrupte Polizisten, Banker, Richter sind an der Tagesordnung, bezüglich Sex wird kaum etwas ausgelassen. Nach Sympathieträgern sucht man vergeblich, aber das ist sicher auch nicht das Ziel. Vor allem auch die Hauptfigur kann man nur als moralisch sehr ambivalent betrachten.

Es waren mir persönlich ein bisschen zu viele Schauplätze, Handlungsstränge und Personen, um permanent folgen zu können. Wenn man sich aber erst mal eingelesen hat in den Personenkreis, sollte es durchaus Freude bereiten, deren Leben in den Folgebänden weiterzuverfolgen. Die Prise schwarzer Humor macht den Roman spritzig und hat mich oft zum Grinsen gebracht. Insgesamt liest sich der Krimi recht flüssig und Langeweile kommt wirklich keine auf. Der Autor ist Drehbuchschreiber, das merkt man, läuft doch alles irgendwie wie ein Film ab. Auf jeden Fall mal etwas anderes und für Berlin-Kenner sicher noch interessanter. Mir auch die Fortsetzung zu gönnen, liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Kerstin at Donnerstag, Juni 10th, 2021 | Filed under: Murath, Clemens,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Daniel Holbe
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52738-2
Taschenbuch: 91 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Blutiges Intermezzo

Zum Inhalt:

Seit Jahren verschwinden im kleinen brandenburgischen Dorf Zieplitz Menschen, ab und an werden Leichenteile gefunden, von einem Kannibalen ist die Rede. Die Polizei tappt im Dunkeln, weshalb ein erfahrener Profiler aus Berlin hinzugerufen wird. Carlo Zingka nimmt die Ermittlungen auf und steht schon bald vor einer großen Herausforderung.

Meine Meinung:

Der für mich fünfte Kurzthriller aus der Reihe „Eiskalte Thriller“ von Knaur mit je ca. 100 Seiten hat mir ausnehmend gut gefallen. Ich kannte bisher nichts von Daniel Holbe, kann daher keine Vergleiche anstellen, aber er soll ja hier etwas blutiger herangegangen sein. Und das ist er wirklich, was man natürlich mögen muss und auf mich zutrifft. Besonders die Passagen aus der Sicht des Killers haben es in sich und sind wahrlich nichts für Zartbesaitete. Auch mit seinem immer wieder durchblitzenden schwarzen Humor konnte der Autor bei mir punkten.

Das Büchlein – hätte ich mir auch gut als normalen Roman vorstellen können, die Story gibt einiges her – bietet überraschende Wendungen und hat mich mit dem letzten Unterkapitel dann tatsächlich noch ins Grübeln gebracht, was das leider viel zu kurze Lesevergnügen aber keinesfalls schmälert.

Kerstin at Freitag, Juni 4th, 2021 | Filed under: Holbe, Daniel,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Veit Etzold
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52768-9
Taschenbuch: 110 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Für mich leider ein Fehlgriff

Zum Inhalt:

Als ein befreundeter Buchhändler in Oxford Charles Ward ein besonderes Buch anbietet, greift er sofort zu. Es handelt sich um einen Reiseführer einer schottischen Region, wo große Kämpfe stattfanden und noch immer die Geister der Gefallenen umgehen sollen. Das Buch enthält auch handschriftliche Notizen dreier verschiedener Personen und soll Charles zu einer Professur verhelfen. Doch je mehr er sich in die Geschichte des „schwarzen Prinzen“ vertieft, umso einschneidender verändert sich sein eigenes Leben.

Meine Meinung:

Dies ist ein weiterer Kurzthriller aus der Reihe „Eiskalte Thriller“ von Knaur, die jeweils im Umfang von ca. 100 Seiten herausgegeben wurden. Ich kenne Veit Etzold durch seine Clara Vidalis-Thriller und bin dementsprechend von etwas anderem ausgegangen. Hier wagt sich der Autor ins Horror-Genre a la H. P. Lovecraft bzw. begibt sich, wie er im Nachwort erklärt, zurück zu den Wurzeln und seinen ersten schriftstellerischen Gehversuchen.

Genau das traf dann so gar nicht meinen Geschmack. Zwar interessiert mich die schottische Geschichte, aber hier tauchten zu viele unaussprechliche Namen auf, schwarzmagische Rituale und Erläuterungen, einfach zu viel Geschichte für die wenigen Seiten, sodass wirkliche Spannung nur sehr langsam aufkommt. Letzten Endes bevorzuge ich es auch, wenn ein Fluch gebrochen wird und nicht jedes Versuchen ohnehin zum Scheitern verurteilt ist. Daher konnte mich auch das Ende nicht überzeugen.

Wer Horror dieser Art mag, ist sicher gut bedient, wer aber einen knackigen Thriller mit Psychopathen erwartet, wie man es vom Autor gewohnt ist, wird sicher enttäuscht sein.

Kerstin at Dienstag, Juni 1st, 2021 | Filed under: Etzold, Veit,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

S. K. Tremayne
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52766-5
Taschenbuch: 96 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Wahrgewordener Albtraum

Zum Inhalt:

Wie schlimm muss dieses Gefühl sein. Eine Frau wacht auf, fühlt sich wie gerädert, es herrscht völlige Dunkelheit. Langsam stellt sie fest, dass sie sich nicht in ihrem eigenen Bett, sondern in einer Art Gummizelle befindet … Wer spielt dieses grausame Spiel mit ihr? Stecken ihr Mann oder sein Freund dahinter? Ist sie Teil eines Experimentes? Und wie kann sie ihre Tochter Nancy retten, die in Lebensgefahr schweben soll …

Meine Meinung:

Mit diesem Kurzthriller, der ausschließlich aus der Sicht der unbekannten Frau erzählt wird, verschafft der Autor seinen Lesern wahrhaftig ein äußerst beklemmendes Gefühl. Man ist bei jedem ihrer nahezu blinden Schritte hautnah dabei. Sie selbst gibt durch ihre Gedankenwelt verschiedene Richtungen vor, in die sich die Geschichte entwickelt. Die Auflösung letzten Endes sollte für fast jeden eine Überraschung bereithalten und verursacht aufgrund ihrer Aktualität noch mal mehr eine Gänsehaut.

Ich war auf jeden Fall gefesselt und die knapp 100 Seiten flogen nur so vorbei. Was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, bin ich bereits bei den Kurzromanen von Tsokos und Poznanski eingegangen. Hier ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Wer aber gar nicht so umfangreichen Lesestoff sucht und sich gern ein wenig gruselt, der liegt mit „Augen ohne Licht“ genau richtig.

Kerstin at Donnerstag, Mai 27th, 2021 | Filed under: Thriller/Krimi,Tremayne, S. K. | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52765-8
Taschenbuch: 109 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Wenn es persönlich wird

Zum Inhalt:

Täglich ihrer Arbeit im Sektionssaal nachzugehen, ist für Rechtsmedizinerin Sabine Yao etwas anderes, als plötzlich persönlich betroffen zu sein. Denn in der Nähe von Kiel wird die Wasserleiche ihrer Tante geborgen. Offenbar liegt ein Verbrechen vor und Sabine beginnt zu ermitteln.

Meine Meinung:

Wer die Fred-Abel-Reihe von Michael Tsokos kennt, ist mit Sabine Yao bereits in Berührung gekommen und darf sich freuen, etwas tiefer in ihre Gefühlswelt einzutauchen. Der vorliegende Kurzthriller kann jedoch auch ohne jede Vorkenntnis gelesen werden.

Ich konnte mich gut in die Rechtsmedizinerin hineinversetzen, die abseits ihrer Arbeitsroutine plötzlich verarbeiten muss, einen Angehörigen vor sich auf dem Sektionstisch zu sehen. Mit Unterstützung von mehreren Seiten gelingt es ihr, dem Täter schnell auf die Spur zu kommen.

Das muss es auch, denn der ca. 100 Seiten lange Kurzroman bietet keine Gelegenheit für Ausschweifungen. Das quasi offene Ende deutet auf eine Fortsetzung hin, die hier aber wenig Sinn macht, weshalb ich es unnötig fand. Inhaltlich und vom knackigen Schreibstil her gibt es nichts zu meckern. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte jedoch vom Verlag überdacht werden. Für die vorliegende Menge wären 5 Euro durchaus angebrachter, wenn die Kurzthriller, von denen es bisher noch fünf weitere gibt, viele Leser finden sollen.

Kerstin at Mittwoch, Mai 19th, 2021 | Filed under: Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Ursula Poznanski
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52767-2
Taschenbuch: 75 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Eiskalter Stalker

Zum Inhalt:

Für Wolfram ist Ella die Eine – und das wird auch sie noch einsehen. Ihrem Happy End steht eigentlich nur einer im Weg, ihr Freund Paul. Als beide eine Winterwanderung planen, ist das für Wolfram die Chance. Hier muss sich doch einfach eine Möglichkeit bieten, den unliebsamen Nebenbuhler loszuwerden.

Meine Meinung:

Hauptrolle in diesem eisigen Kurzthriller von Bestsellerautorin Ursula Poznanski spielt der durchgeknallte Stalker Wolfram, der mit allen Mitteln seine „Liebste“ für sich zu gewinnen sucht. Die leider viel zu kurze Geschichte hat mich sehr gut unterhalten. Langeweile kommt auf jeden Fall zu keiner Zeit auf und man kann sie mit ca. 75 Seiten auch gut in einem Rutsch durchlesen.

Wolfram stellt sich nicht eben klug an und wirkt dabei manches Mal unfreiwillig komisch, aber wer hat behauptet, dass Psychopathen auch immer mit großer Intelligenz gesegnet sein müssen? Amüsant fand ich die zusätzliche Stimme in seinem Kopf, deren Bewandtnis sich erst zum Ende aufklärt. Dieses wartet dann auch mit einer kleinen Überraschung auf.

Als Kritik könnte man höchstens anbringen, dass die Investition für den Umfang eines Groschenromans doch relativ happig ausfällt. Das Lesevergnügen schmälert es hingegen keineswegs. Wer Geschmack an diesem Thriller-Häppchen gefunden hat, sollte sich auch die anderen in gleicher Edition herausgegebenen Kurzthriller von namhaften Autoren wie Michael Tsokos, Veit Etzold, S. K. Tremayne, Lisa Jackson und Daniel Holbe nicht entgehen lassen.

Kerstin at Dienstag, Mai 11th, 2021 | Filed under: Poznanski, Ursula,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Markus Thiele
Verlag: Benevento
ISBN-13: 978-3-7109-0128-7
Gebundene Ausgabe 240 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Gibt es die Unfehlbarkeit des Rechts?

Inhalt:

Strafrichter Frank Petersen ist von sich und vor allem seiner Unfehlbarkeit als Richter überzeugt. Doch es häufen sich Zweifel an seiner Integrität, Urteile von ihm werden in höherer Instanz widerrufen. Aufgrund einer Entscheidung, die er aus Befangenheit hätte nicht treffen sollen, wendet sich sogar seine Familie von ihm ab, wirft ihm Vorurteile, gar Fremdenhass vor. Schließlich löst die Haftentlassung von Corinna Maier, die einst in seinem Gerichtssaal vor Urteilsverkündung den Mörder ihres Sohnes erschoss, alte Wunden auf. Petersen muss sich fragen, ob er seinem eigenen Urteil noch trauen darf.

Meine Meinung:

Unter Einbeziehung zweier wahrer Rechtsfälle – dem Fall Marianne Bachmeier, die 1981 den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschoss, und dem Fall Amadeu Antonio Kiowa, der 1990 in Eberswalde Opfer rechtsradikaler Gewalt wurde – legt Markus Thiele nach „Echo des Schweigens“ hier erneut einen klugen Roman über die Unfehlbarkeit des Rechts und die Grenzen von Schuld und Gerechtigkeit vor.

Mit Petersen, wie er im Buch auch fast ausschließlich bezeichnet wird, ist es nicht leicht, warm zu werden. Eigentlich ist er tatsächlich der selbstherrliche, von sich überzeugte Mensch, den seine Frau in ihm sieht und der schlussendlich während seiner Reise zu sich selbst auch von außen nur Bestätigung und Rechtfertigung seiner Handlungsweise sucht. Dass er dabei Fehler einräumt und zur Selbsterkenntnis kommt, kann man ihm aber positiv anrechnen.

Die auf zweiter Handlungsebene erzählte Geschichte der Corinna Maier, die erst ihre große Liebe und dann auch noch ihren Sohn durch rechte Gewalt verliert, hat mich dagegen wesentlich mehr berührt. Was für ein Schicksal und für mich durchaus nachvollziehbarer Grund ihrer Kurzschlusshandlung. Die Lebenswege beider kreuzen sich nach dem Mord im Gerichtssaal und Verbüßen der Haftstrafe erneut und bedeuten nach anfänglichem Unverständnis doch so etwas wie Heilung.

Es handelt sich hier wahrlich nicht um einen Justizthriller, vielmehr um eine tiefgründige Betrachtung des Justizsystems mit all seinen Grauzonen und Tücken. Und um die ausführliche Charakterstudie eines Mannes des Gesetzes, der willens ist, sein Bestes zu geben und doch immer wieder an seine Grenzen gerät. Der Roman regt definitiv zum Nachdenken an und zeigt einmal mehr, dass es ein reines Richtig oder Falsch nicht gibt.

Kerstin at Mittwoch, April 28th, 2021 | Filed under: Literatur allg.,Thiele, Markus,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52549-4
Klappen-broschur: 400 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Abel ermittelt wieder – spannend, aufwühlend, lesenswert

Zum Inhalt:

Dr. Fred Abel beurteilt die Misshandlung eines Kleinkindes, nicht wissend, dass es sich um die Nichte seiner Kollegin Sabine Yao handelt, was ihre Zusammenarbeit fortan erschwert. Weitere Aufsehen erregende Fälle, unter anderem ein in einen Boxsack eingenähtes und dann zu Tode geprügeltes Opfer, bringen den libanesischen Saad-Clan ins Spiel, der ohne Rücksicht Zeugen aller Couleur aus dem Weg räumt. Als einer der Saad-Brüder tödlich verletzt wird, gerät auch Abel, dessen Gutachten zur Todesursache dem Clan nicht gefällt, ins Visier, ebenso wie seine schwangere Lebensgefährtin …

Meine Meinung:

Der neue True-Crime-Thriller der Fred-Abel-Reihe von Michael Tsokos ist mal wieder ein Volltreffer. Verschiedenste spektakuläre Mordfälle, die einen großen Bezug zur Realität haben, was sie umso brutaler erscheinen lässt, stellen den Rechtsmediziner Abel vor große Herausforderungen. Geschickt werden verschiedene Nebenschauplätze eröffnet, die letzten Endes ein komplettes Puzzle ergeben. Zwischen ihnen wird in atemberaubenden Tempo gewechselt, was mit recht kurzen Kapiteln und einem ständig erhöhtem Adrenalinspiegel einhergeht. Vielleicht ist diese Art des Schreibens nicht jedermanns Sache, aber ich liebe es, da ich oft nicht viel Zeit für längere Leseabschnitte habe. Die auf jeder Ebene vorhandene hohe Spannungskurve lässt mich dennoch am Ball bleiben. Der Showdown am Ende hat dann noch mal eine besondere Qualität.

Gekonnt kann Rechtsmediziner Tsokos sein vielfältiges Wissen während der Sektionen, aber auch nur durch Beschreibung unglaublicher Fälle mit wahrem Hintergrund zum Ausdruck bringen. Einmal mehr erschüttern mich dabei die Abgründe, in die der Autor da wohl leider allzu oft tauchen muss.

Ein paar Sachen (Stichwort: IT-Überwachung) und Eigenmächtigkeiten wirken ein wenig überzogen, aber es ist immerhin noch ein Roman. Dennoch bin ich durchaus bereit, die Gewaltbereitschaft der Clans, genauso wie sie beschrieben wird, für bare Münze zu nehmen und in diesem Zusammenhang froh, weit weg von Berlin in einer gemütlichen Kleinstadt zu leben.

Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Minute voller Spannung, dramatischer Wendungen und authentischer Szenen. Jedem True-Crime-Fan nur zu empfehlen. Ich freue mich bereits auf die Fortsetzung der Reihe, denn einen 5. Band hat Tsokos bereits angekündigt.

Kerstin at Mittwoch, März 17th, 2021 | Filed under: Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Volker Kutscher
Verlag: Piper
ASIN: B087GKPMBZ
E-Book: 544 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Packender historischer Hintergrund, Spannung mittelmäßig

Inhalt:

Olympia 1936 – Berlin steht kopf. Ein weltoffenes Deutschland soll präsentiert werden, da sind Skandale oder sogar Sabotage der Spiele fehl am Platz. Als ein Mord im olympischen Dorf geschieht, wird Gereon Rath kurzerhand dorthin versetzt, um für Aufklärung zu sorgen, könnten doch Kommunisten dahinterstecken. Eher lustlos geht er dieser Aufgabe nach, hat er doch im privaten Umfeld größere Probleme und auch immer mehr Schwierigkeiten, sich durch seine unterweltlichen Kontakte und ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden seinen Vorgesetzten gegenüber durchzusetzen. Er ahnt nicht, dass sein Ende bereits besiegelt ist …

Meine Meinung:

Vorab sollte ich erwähnen, dass dies mein erster Roman von Volker Kutscher und damit der Rath-Reihe ist. Durch die großartige Verfilmung „Babylon Berlin“ bin ich darauf aufmerksam geworden und wollte mich einfach mal der literarischen Vorlage annähern. Vielleicht ein Fehler, nicht mit Band 1 zu beginnen, wie ich es normalerweise bevorzuge, obwohl das Buch auch durchaus ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. Dennoch gibt es den einen oder anderen Rückblick auf vergangene Fälle, den man bei Unkenntnis schwer nachvollziehen kann und da der Stoff doch ein wenig von der Verfilmung abweicht, entsteht auch Irritation.

Zur Entwicklung der Reihe und eventuell absteigender Qualität kann ich daher nichts sagen und mich nur auf den vorliegenden Band beziehen. Die Beschreibung des sich im Olympia-Taumel befindenden Berlins fand ich sehr gelungen. Man fühlt sich direkt in die Zeit versetzt und spürt die drohende Gefahr durch den immer mehr erstarkenden Nationalsozialismus in jeder Zeile.

Es gibt durchaus spannende Momente, aber im Großen und Ganzen war ich nicht gerade versucht, das Buch Nägel kauend so schnell als möglich zu beenden. Dafür gibt es zu viele Längen, zu viele Zufälle und die eigentliche Ermittlungsarbeit erfolgt nicht durch Gereon, sondern meist durch seine Frau Charly, die auch viel eher erkennt, dass nur ein Verlassen des Landes einen Ausweg aus der Gefahr birgt. Das Auftreten – auch im olympischen Dorf – von Fritze und auch seine Entwicklung fand ich sehr interessant.

Das Buch endet im wahrsten Sinne des Wortes mit einem großen Knall, aber es bleibt zu hoffen, dass die Reihe fortgesetzt wird, wobei ich gespannt bin, wie der Autor das anstellen wird.

Mir lag die E-Book-Ausgabe vor und ich hoffe, das Buch wurde für das recht preisintensive Hardcover noch mal Korrektur gelesen, denn es enthält extrem viele orthografische Mängel.

Fans der Reihe werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen und ich freue mich bereits auf die nächste Babylon-Staffel.

Kerstin at Mittwoch, März 3rd, 2021 | Filed under: Kutscher, Volker,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Florian Schwiecker/Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52755-9
Taschenbuch: 319 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Auftakt einer Reihe realitätsnaher Justizkrimis

Zum Inhalt:

Der unbescholtene Verwaltungsbeamte Nikolas Nölting wird ohne ersichtlichen Grund zum Amokläufer in einer Bäckerei. Drei Menschen werden angeschossen, einer davon tödlich verletzt. Zu den Gründen schweigt der Täter hartnäckig. Aber genau diesen will sein Strafverteidiger Rocco Eberhardt auf die Spur kommen. Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer macht eine Entdeckung, die den Anwalt in die richtige Richtung lenkt. Durch seine Ermittlungen in der Sache bringt er jedoch seine eigene Familie in tödliche Gefahr, denn die wahren Hintergründe sollen keinesfalls ans Licht kommen.

Meine Meinung:

Ich habe mich sehr auf eine neue Krimireihe unter Beteiligung von Michael Tsokos gefreut, von dem ich bereits fast alle Bücher gelesen habe. Da mich auch Justizdramen sehr interessieren, gab es bezüglich des Buches kein langes Zögern.

Leider ist die Rolle, die Tsokos bzw. sein Alter Ego, der Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer, in diesem Krimi spielt, von nur sehr geringer Bedeutung. Bis auf einen entscheidenden Hinweis und sozusagen als moralisches Gewissen für den Verteidiger ist seine Figur vernachlässigbar. Nichtsdestotrotz hat mich der Roman, der sich fast ausschließlich um die Verteidigung des Angeklagten dreht, sehr gefesselt. Durch die kurzen Kapitel wurde ein hohes Tempo erreicht und mein Interesse konstant aufrechterhalten.

Die Story ist nachvollziehbar, wenn auch leicht überzogen, und könnte so zu jeder Zeit in der Realität passieren. Seine Erfahrung als Strafverteidiger weiß Florian Schwiecker gekonnt auszuspielen. Literarisch ist durchaus noch Luft nach oben. Es gibt immer wieder Spannungshöhepunkte, jedoch insgesamt zu wenig Überraschungen oder sogar Wendungen, was den Krimi vorhersehbar macht. Manche Verhaltensweisen, gerade was den Clanhintergrund betrifft, sind schwer einzuordnen.

Mit dem letzten Satz wird ein Cliffhanger produziert, der auf jeden Fall die Neugier auf den nächsten Band anfacht. Ich würde mir wünschen, dass Jarmer, der inzwischen irgendwie ein Verhältnis zum Anwalt aufgebaut hat, dann eine größere Rolle spielt und damit auch mehr Tsokos im Buch drin ist als draufsteht.

Kerstin at Dienstag, Februar 16th, 2021 | Filed under: Schwiecker, Florian,Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off
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