Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Category: Thriller/Krimi

 

Autor:

Adriana Jakob
Verlag: Selfpublishing
ISBN-13: 978-3748163299
Taschenbuch: 371 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Mord im Freundeskreis

Inhalt:

Als Kommissar Rauch nach einem feucht-fröhlichen Klassentreffen mit einem Kater erwacht, rechnet er nicht damit, umgehend mit einem äußerst persönlichen Fall konfrontiert zu werden. Denn ausgerechnet in der Turnhalle seiner alten Schule wird eine Leiche gefunden. Und Rauch kennt nicht nur das Opfer sehr gut, sondern vermutlich auch den Täter. Er weigert sich jedoch, daran zu glauben, dass einer seiner engsten Freunde ein Mörder sein könnte. Seine geschätzte Kollegin und Fallanalytikerin Dr. Sophie Hagen hilft ihm bei den Ermittlungen, bei denen Rauch den Täter vorerst bewusst außerhalb seines Freundeskreises auf die Spur kommen will.

Meine Meinung:

Die erfolgreiche Autorin Adriana Popescu wagt sich mit neuem Pseudonym erstmals ins Krimi-Genre, welches sie persönlich sehr schätzt. Ich war gern bereit, ihren Kommissar Rauch bei seinem ersten Fall zu begleiten.

Das Buch liest sich äußerst flüssig, hält unter anderem auch aufgrund der kurzen und dialoglastigen Kapitel konstant ein hohes Spannungsniveau und lässt den Leser bis zur Auflösung miträtseln. Auf dem Weg dahin gibt es die ein oder andere überraschende Wendung. Genau so, wie ich es mag. Allerdings hat der Kommissar an der erfolgreichen Klärung des Falls keinen wirklich großen Anteil. Beinahe täglich fliegt ihm quasi ein neues Detail zu, wobei auch Kollege Zufall keine kleine Rolle spielt, und schlussendlich setzt sich das Puzzle eher selbsttätig zusammen.

Dass der Autorin ihr Stuttgart sehr am Herzen liegt, spürt man auf jeder Seite. Obwohl ich die Stadt noch nie besucht habe, wird alles so bildhaft beschrieben, dass ich mir vieles gut vorstellen konnte und der Wunsch in mir erwachte, ihr einmal einen Besuch abzustatten.

Besonders gelungen fand ich die Charakterisierung der Figuren. Nicht nur Rauch und seine Kollegin Hagen sind eindrucksvoll skizziert mit all ihren persönlichen Problemen, auch die weiteren Nebenfiguren wie EDV-Genie Frederike Jansen, der Gerichtsmediziner oder auch Kollege Dörflinger machen einen sehr sympathischen Eindruck, sodass man einfach mehr von ihnen lesen möchte. Es gibt keine explizite Liebesgeschichte, aber so ein bisschen unterschwellig ist bei Hagen und Rauch etwas zu spüren. Ich glaub, da geht noch was. Zu sehr leidet Rauch unter einem möglichen Verlust seiner Kollegin.

Was mir ein wenig Schwierigkeiten bereitet hat beim Lesen waren die Namen. Es wird von der Person relativ willkürlich mal mit Vor-, mal mit Nachnamen, mal mit Berufsbezeichnung gesprochen. Da Sophie nun aber mit Hagen auch noch einen Nachnamen hat, der ebenfalls als Vorname vorkommt und in meinem näheren Umfeld sehr präsent ist, hatte ich mitunter Schwierigkeiten bei der Geschlechterzuordnung.

Die Mischung zwischen persönlichen Befindlichkeiten der Ermittler und dem Fortgang der Ermittlungen war perfekt ausgeglichen, sodass nichts auf der Strecke blieb. Potential für weitere spannende Fälle ist auf jeden Fall gegeben und ich kann den Krimi Liebhabern weniger blutrünstiger Geschichten, die dafür aber viel Lokalkolorit und ausgefeilte Charaktere zu bieten haben, sehr empfehlen.

Kerstin at Montag, Juli 1st, 2019 | Filed under: Jakob, Adriana,Popescu, Adriana,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Nina Laurin
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-65411-8
Klappen-broschur: 376 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Wenn der böse Zwilling dich in den Abgrund zieht

 

Zum Inhalt:

Andrea Boudreaux hat ihr Leben mehr schlecht als recht im Griff. Es ist zwölf Jahre her, dass sie schwer verletzt der Flammenhölle entkam, bei der ihre Eltern den Tod fanden. Ihr Zwillingsbruder Eli, ein Sonnyboy und bei allen beliebt, wurde damals des Mordes bezichtigt und weggesperrt. Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuß und dringend tatverdächtig, ein junges Mädchen aus Andreas Umfeld getötet zu haben. Schnell wird ihr bewusst, dass Eli auf einem Rachefeldzug ist. Wird er auch vor ihr nicht Halt machen?

 

Meine Meinung:

„Böser als du denkst“ ist mein erster Thriller von Nina Laurin. Die Autorin hat es geschafft, mich an das Buch zu fesseln. Vor allem spielt sie gekonnt mit den Erwartungen des Lesers, lässt ihn immer wieder schwanken, wer gut, wer böse, wer Täter, wer Opfer ist. Letzten Endes ist nichts, wie es scheint und es gibt immer wieder Überraschungen.

Durch die Zeitsprünge in die Vergangenheit vor dem Brand werden das Leben und die unterschiedliche Entwicklung der Zwillinge gut beleuchtet. Handlungsweisen in der Jetztzeit dadurch nachvollziehbarer. Dennoch fehlt immer das letzte Stückchen Wahrheit, das dem Ganzen einen Sinn verleiht.

Zugegeben, einige Entwicklungen konnte ich als geübter Thrillerleser gut voraussehen, anderes hat schlussendlich auch mich auf die falsche Fährte gelockt. Das Buch endet in einem atemberaubenden Showdown, der keine Fragen offen lässt, aber dennoch Zweifel, ob man sich diesen Ausgang gewünscht hätte.

Das Buch ist ein gelungener Coup für Thrillerfans, denen es mehr um die Psyche als um das Vergießen von literweise Blut geht, und glänzt durch seine Undurchschaubarkeit sowie die gekonnte Verwirrung, in die der Leser versetzt wird.

Ich danke dem Knaur Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Donnerstag, April 11th, 2019 | Filed under: Laurin, Nina,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426281536
Gebundene Ausgabe 377 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Albtraum in der Psychiatrie

 

Zum Inhalt:

Till Berkhoffs siebenjähriger Sohn Max wurde vor einem Jahr entführt und alles deutet darauf hin, dass er eines der Opfer des sadistischen Mörders Guido Tramnitz ist. Dieser sitzt zwischenzeitlich im Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Anstalt ein. Getrieben von dem Wunsch, von seinem Sohn Abschied zu nehmen, lässt sich Till mithilfe seines Schwagers, der bei der Polizei arbeitet, in die Klinik einschleusen und nimmt einiges auf sich, um in Tramnitz‘ Nähe zu gelangen und von ihm die Wahrheit zu erfahren. Doch damit beginnt erst ein Albtraum unvorstellbaren Ausmaßes.

Meine Meinung:

Nachdem mich einige der letzten Fitzeks nicht mehr vollständig überzeugen konnten, hat der Meister des Psychothrillers sich mit „Der Insasse“ selbst übertroffen. Endlich hatte ich mal wieder das berauschende Gefühl, alles stehen und liegen lassen zu müssen, um mit dem Buch voranzukommen und der Lösung entgegenzufiebern. Das hat mir in letzter Zeit viel zu oft gefehlt.

Wir haben einen abgrundtief bösen Mörder, der sich in seiner Rolle gefällt und in der Anstalt bestens aufgehoben fühlt. Seine Taten sind sadistisch, aber die Beschreibung bleibt so weit an der Oberfläche, dass es gut zu verkraften ist, auch wenn es um Kinder geht. Wer hier noch empfindlich reagiert, sollte keine Thriller lesen. Es gibt nicht zu viele Hauptfiguren, sodass man gut folgen kann, obwohl so ziemlich jeder in und um diese Anstalt als keinesfalls „normal“ gelten kann.

Ja, die Grundidee ist an einen gewissen Blockbuster angelehnt, was die Story um Till Berkhoff ein wenig vorhersehbar macht, wenn man ihn kennt. Nichtsdestotrotz versteht es Fitzek, die Spannung von der ersten bis zur letzten Minute aufrecht zu erhalten. Zum Ende hin wird sie nahezu unerträglich. Und er schafft es dennoch, eine für mich überraschende Wendung einzubauen. Er stiftet Verwirrung, die sich schlussendlich aber erklärbar auflöst, womit ich z. B. beim „Nachtwandler“ größere Schwierigkeiten hatte.

Deutliche Sprache, kurze, prägnante Sätze, mit Cliffhanger endende Kapitel. Das ist genau der Fitzek, den ich mag. Also alles bestens. Ich bin zufrieden mit seinem neuesten Werk und halte es sowohl für Neuleser also auch Wiedereinsteiger sehr gelungen.

Kerstin at Freitag, März 8th, 2019 | Filed under: Fitzek, Sebastian,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Martin Krist
Verlag: Selfpublishing
ASIN: B07FN5QS1W
E-Book: 232 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Kommissar Henry Frei ermittelt wieder

Inhalt:

In Berlin ist ein Serienmörder am Werk. Die Opfer scheinen absolut willkürlich ausgewählt und die Ermittler hinken immer ein wenig hinterher. Kriminalkommissar Henry Frei muss sich wieder an seinen früheren Chef und Freund Oskar Marek wenden, der immer mehr zum Verdächtigen wird. Doch wer hält die Polizei wirklich zum Narren? Und warum kann die gerade noch überglückliche Rebecca ihrem Freund Andreas, dem sie eigentlich einen Heiratsantrag machen wollte, plötzlich überhaupt nicht mehr trauen?

Meine Meinung:

Mit „Stille Schwester“ knüpft Martin Krist unmittelbar an den ersten Henry Frei-Thriller „Böses Kind“ an. Es ist nicht unbedingt nötig, diesen zu kennen, erhöht jedoch das Lesevergnügen. Einige Fragen aus dem ersten Band werden nun beantwortet, noch viel mehr neue jedoch aufgeworfen.

Der tempohafte Schreibstil des Autors sollte einem liegen. Schauplätze und Personen wechseln sehr häufig nach oft kurzen Kapiteln, die auch noch meist mit einem Cliffhanger enden. In einer E-Mail, die der Kommissar offenbar ganz am Ende erhält, lässt Martin Krist auch den Täter wieder zu Wort kommen, was ich immer unglaublich interessant finde, wobei mich seine Motivation diesmal nicht wirklich überzeugte.

Richtig spannend wurde es für mich auch erst im letzten Drittel, wo es dann wirklich Schlag auf Schlag ging. Einige Nebenschauplätze, auch die Story um Rebecca und Andreas, fand ich nicht wirklich notwendig, aber dann wäre der Roman ja noch kürzer geraten. Über allem schwebt natürlich die mehrere Romane übergreifende Story um Marek und seine verschwundene Tochter Alanna, auf deren Auflösung ich wirklich gespannt bin. Auch das komische Verhalten von Frei gibt jede Menge Rätsel auf. Daher ist zu hoffen, dass der nächste Teil nicht gar zu lange auf sich warten lässt.

Kerstin at Freitag, November 23rd, 2018 | Filed under: Krist, Martin,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer
ISBN-10: 3426199203
Gebundene Ausgabe 361 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Öffne nie fremde Pakete …

Zum Inhalt:

Die Psychiaterin Emma Stein wird während eines Hotelaufenthalts Opfer des „Friseurs“. Dieser schert Prostituierten die Haare, vergewaltigt und tötet sie. Emma passt nicht ins Profil, vor allem entkommt sie lebend, weshalb ihre Umwelt, auch ihr Mann, am Wahrheitsgehalt ihrer Aussage zweifelt. Sie hat ihr Baby verloren und traut sich seit Monaten nicht mehr aus dem Haus, von Ängsten völlig in Beschlag genommen. Da bittet der Postbote sie, ein Paket für einen unbekannten Nachbarn anzunehmen. Für Emma ein Grund ihrer Paranoia freie Bahn zu lassen …

Meine Meinung:

Nachdem ich sonst jeden Fitzek der letzten Jahre direkt nach Erscheinen gelesen habe, wollte es mir diesmal aus Zeitgründen nicht gelingen. Dabei hat mich mein Lieblings-Thrillerautor auch diesmal nicht enttäuscht. Innerhalb kürzester Zeit habe ich den Roman verschlungen und jede noch so kleine Unterbrechung fiel mir schwer. Das titelgebende Paket spielt nicht die große Rolle, von der man ausgegangen ist, jedoch tut das der Spannung keinen Abbruch. An der Stelle möchte ich auch gleich mal die tolle Aufmachung der Hardcover-Ausgabe in Form eines Paketes loben.

Hauptfigur Emma Stein handelt ganz sicher nicht rational und oft recht unberechenbar, aber schließlich ist sie stark traumatisiert, sodass ihr nicht wirklich ein Vorwurf zu machen ist. Mögen sich auch viele darüber beschweren, ich mag die kurzen Kapitel und die – vielleicht nicht immer notwendigen – Cliffhanger. Genau das liebe ich an Fitzek, er lässt mich einfach alles um mich herum vergessen. Einiges war vorhersehbar, anderes wieder nicht. Ich hatte zum Beispiel eine andere Täterfigur auf dem Schirm.

Alles in allem hat mich dieser Fitzek wieder restlos überzeugt und ich freue mich schon darauf, bald die „Flugangst“ lesen zu können. Ich mag einige deutsche Thriller-Autoren, aber dieser steht nach wie vor ganz oben auf der Liste.

Kerstin at Donnerstag, Juli 26th, 2018 | Filed under: Fitzek, Sebastian,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Elisabeth Herrmann
Verlag: cbj Verlag
ISBN-10: 3570165132
Gebundene Ausgabe 474 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Unbequemes Thema großartig verpackt

Zum Inhalt:

Das Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern in Meißen soll eines Tages der große Bruder übernehmen. Also sucht Mia nach beruflichen Alternativen und entscheidet sich, Journalismus zu studieren. Für die Aufnahmeprüfung soll ein Familienfoto recherchiert werden. Dies ist schnell gefunden, denn schon immer hängt im Laden das Bild von einem riesengroßen Nashorn aus Schokolade, dazu Gottlob Herder aus Lüneburg und der kleine Jakob Arnholt, Mias Urgroßvater. Jakob ist schwarz und einst aus der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ ins Land gekommen.

Mia interessiert sich brennend für seine Geschichte und macht sich auf den Weg nach Lüneburg, wo die Nachkommen von Gottlob Herder noch immer eine große Schokoladenfabrik führen. Ein Mord und mehrere Anschläge auf ihr Leben zeigen, dass sie einem Geheimnis auf der Spur ist, das keinesfalls ans Tageslicht dringen soll.

Meine Meinung:

Der neue Jugendroman von Elisabeth Herrmann hat mich wirklich begeistert. Es mag weniger Thriller drin sein als in dem letzten, den ich von ihr gelesen habe – „Die Mühle“. Dieser erschien mir aber auch für die Altersgruppe fast zu heftig.

Die Schokoladenherstellung bildet für den Roman nur die Rahmenhandlung, Hauptthema ist die wenig rühmliche Rolle Deutschlands in der Kolonialzeit, die nach wie vor ein Tabuthema zu sein scheint, obwohl die Vernichtung der Herero inzwischen als Völkermord anerkannt wurde. Ich zumindest hatte zu dem Thema bisher so gut wie noch gar nichts gelesen oder auch von der Schule her behalten, weshalb ich auch immer wieder begeistert bin, wie toll die Autorin geschichtlich brisantes Material mit einer spannenden Story zu verknüpfen vermag.

Der Roman ist wirklich keine Minute langweilig und es macht großen Spaß gemeinsam mit Mia die verworrenen Rätsel einer längst vergangenen Zeit aufzudecken. Sie ist eine tolle Hauptfigur, mit der ich mich sofort identifizieren konnte. Ein Mord und mehrere Anschläge auf das Leben halten die Spannung auch enorm hoch, es werden einige Spuren gelegt, um schließlich dann doch bei einem von mir nicht vermuteten Täter zu landen. Auch eine kleine Liebesgeschichte bahnt sich an, die aber absolut nicht überhand, jedoch ein süßes Ende nimmt.

Der Schreibstil von Elisabeth Herrmann ist einfach großartig, flüssig zu lesen, immer auf dem Punkt und von mitreißender Qualität. Das Buch ist kein splattermäßiger Thriller, sondern bietet nebenbei auch noch Einblick in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte, vor dem wir auch heute noch keinesfalls die Augen verschließen sollten.

Absolut überzeugend und definitiv zu empfehlen für den anspruchsvollen jungen, aber auch älteren Leser.

Ich danke dem cbj-Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplares.

Kerstin at Sonntag, Mai 27th, 2018 | Filed under: All Age/Jugend,Herrmann, Elisabeth,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael E. Vieten
Verlag: Abacus Verlag
ASIN: B07B7R9GW3
E-Book: 296 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Der Mensch ist des Menschen Wolf

Inhalt:

Im Wolfsgehege eines Tierparks im Hunsrück werden menschliche Überreste gefunden. Ein willkommener Anlass für die Gegner der Einrichtung, die eine Schließung aufgrund finanzieller Interessen befürworten, die Angst der Menschen in der näheren Umgebung zu schüren. Christine Bernard beginnt zu ermitteln und schnell kristallisieren sich mehrere mögliche Spuren heraus. Wer steckt wirklich hinter dem feigen Mord? Die Kommissarin gibt alles und gerät dabei erneut mehr als einmal selbst in Lebensgefahr.

Meine Meinung:

Inzwischen hat Michael E. Vieten den 4. Band um Christine Bernard vorgelegt. Die vorherigen Fälle werden teilweise kurz angeschnitten, es ist aber nicht nötig, diese vorab gelesen zu haben.

Mit der Einbeziehung des Wolfes in seinen Kriminalfall nimmt sich der Autor erneut eines aktuellen Themas an, denn die zunehmende Wiederansiedlung des Wolfes in Deutschland ruft sowohl Gegner als auch Befürworter dieses großartigen Tieres auf den Plan, womit ausgedrückt sein sollte, auf welcher Seite ich mich sehe.

Es ist deutlich zu spüren, dass der Autor auf Kritik reagiert. Die hohe Attraktivität der Kommissarin ist diesmal gar kein Thema, auch die Namensbezeichnungen sind angenehmer zu lesen. Christine ist weit weniger starrsinnig, hat also auch eine Entwicklung durchgemacht und die allzu häufigen spontanen Perspektivwechsel wurden ebenfalls reduziert.

Der Leser bekommt interessante Hintergrundinfos zum Wolf an sich und die vielfältigen Spuren ermöglichen ein Miträtseln bis zum Schluss. Das Ende ist auch nicht wirklich vorhersehbar, wenn auch gut nachvollziehbar. Durch gute polizeiliche Ermittlungsarbeit erschließt sich Schritt für Schritt die Lösung. Dennoch wird es nie langweilig und an einigen Stellen, wenn sich Christine doch mal wieder allein dem Gegner stellt, sogar so richtig spannend.

Das Einfließen ihres Privatlebens im genau richtigen Umfang macht die Kommissarin noch sympathischer und menschlicher.

Alles in allem ein wirklich gut recherchierter und aufbereiteter Kriminalfall, der auch Leser mit empfindlicherem Gemüt überzeugen sollte. Es bleibt auf jeden Fall spannend bei Christine Bernard und ich werde ihre Tätigkeit als Kommissarin bestimmt weiterverfolgen.

Ich danke dem Autor bzw. dem Abacus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Sonntag, Mai 20th, 2018 | Filed under: Thriller/Krimi,Vieten, Michael E. | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

A. J. Finn
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3764506415
Klappen-
broschur:
541 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Spannendes Psychopuzzle und Hommage an Film noir

Inhalt:

Anna Fox leidet nach einem schweren Trauma unter Depressionen und Agoraphobie, kann also ihr großes Haus in New York nicht verlassen. Die Kinderpsychologin hilft in Online-Foren ebenfalls Betroffenen, spielt Schach am Computer, sieht mit Vorliebe Schwarz-Weiß-Filme und bei allem trinkt sie viel zu viel und nimmt wahllos Medikamente. Außerdem beobachtet sie mit Vorliebe ihre Nachbarn. Als sie Zeuge eines Verbrechens wird, ist sie nicht in der Lage zu helfen. Sie findet sich nach einem Zusammenbruch vor ihrem Haus im Krankenhaus wieder und ihren Beteuerungen wird nicht geglaubt. Hat sie sich alles nur eingebildet? So langsam beginnt Anna selbst, an sich zu zweifeln.

Meine Meinung:

Mit „The Woman in the Window“ hat A. J. Finn wirklich ein beeindruckendes Debüt hingelegt, ob es nun der Spannungsbestseller des Jahres ist, bleibt abzuwarten, immerhin liegt die Hälfte ja noch vor uns.

Ich-Erzählerin Anna ist eigentlich zu kaputt, um wirklich sympathisch zu sein, aber ihren Schmerz aufgrund des durchlebten Traumas, welches erst nach und nach zur Sprache kommt, konnte ich gut nachvollziehen. Für meinen Geschmack startet das Buch etwas zu gemächlich, erst nach ca. 200 Seiten passiert wirklich was. Hier hätten ein paar Kürzungen dem Lesefluss gutgetan. So ist es lediglich eine Aufzählung von Annas relativ eintönigem Tagesablauf, mit dem ständigen Verweis auf ihren Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Eigentlich müsste sie es ja besser wissen und bei den Mengen wundert es mich ehrlich, dass sie nicht schon längst mal in der Notaufnahme gelandet ist bzw. unrettbar im Haus ihr Leben ausgehaucht hat, da sie ja kaum Kontakt zur Außenwelt hat.

Danach nimmt der Thriller wirklich Fahrt auf und war am Ende ganz nach meinem Geschmack. Eine unerwartete Wendung folgt auf die andere und die Auflösung konnte zumindest mich trotzdem überraschen, wobei ich dem Täter da in einer Hinsicht auch zustimmen muss. Doch Drogen und Alkohol haben da wohl ihr vernichtendes Werk bereits aufgenommen und so einige Gehirnzellen sind dabei auf der Strecke geblieben.

Annas Vorliebe für Schwarz-Weiß-Filme wird in großem Umfang zelebriert und Fans des Film noir kommen sicher voll auf ihre Kosten. So gibt es diverse Einschübe zu Filmszenen sowie –zitaten mit den großen Stars dieser Ära.

Der Autor schafft es auch wirklich sehr geschickt, kaum merkbare Spuren zu legen und schließlich den Kreis der Verdächtigen stets offen zu halten. Ebenso wie Anna an sich selbst, zweifelt auch der Leser irgendwann daran, was nun Wirklichkeit und was Einbildung ist. Die oft relativ kurzen und knackigen Kapitel fördern das Lesetempo und gegen Ende mochte ich das Buch wirklich kaum noch weglegen.

Ich könnte mir das Buch wirklich extrem gut als Film vorstellen, hier ist auch kein großer Aufwand nötig, weswegen Hollywood wohl schon voll dabei ist. Fans des psychologischen Thrills kann ich das Buch trotz einiger Längen am Anfang wärmstens empfehlen.

Ich danke dem Blanvalet Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Donnerstag, April 12th, 2018 | Filed under: Finn, A. J.,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Stephan Harbort
Verlag: Knaur
ISBN-10: 3426788667
Taschenbuch: 240 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Was macht Frauen zu Serienmörderinnen?

Inhalt:

Es sind weit weniger bekannte Fälle dokumentiert als bei der männlichen Spezies, aber es gibt sie – Frauen, die in Serie töten. Stephan Harbort, Kriminalkommissar und Experte für Serienmörder und kriminalistisches Profiling, beschäftigt sich in diesem True-Crime-Sachbuch mit sieben ausgewählten Serienmörderinnen, die im deutschsprachigen Raum von 1945 bis 2015 aktiv wurden. Er erzählt ihre Geschichte, versucht hinter die Motive zu blicken und analysiert die Psyche der Täterinnen, die eventuell ausschlaggebend für ihr Verhalten war.

Meine Meinung:

„Killerfrauen“ ist mein erstes Buch von Stephan Harbort, obwohl ich mich schon länger für die Thematik interessiere, bisher jedoch vor allem aus Sicht der Rechtsmedizin. Ich finde es generell spannend, hinter die Geschichten zu blicken und der großen Frage nach dem Warum ein bisschen näher zu kommen.

Die sieben Geschichten enthalten die Klassiker wie Kindestötung, Todesengel und die Schwarze Witwe, die auch in unzähligen Filmproduktionen thematisiert wurden. Aber es sind auch Fälle dabei, die für echtes Erstaunen sorgen, speziell wenn man in besondere Ermittlungsmethoden der Polizei Einblick erhält. Der Autor hat mit einigen der Täterinnen persönlichen Kontakt gehabt, mit anderen schriftlich verkehrt, immer jedoch gründlich recherchiert, was man seiner Schreibweise auch anmerkt und worauf das angehangene Literaturverzeichnis deutlich verweist.

Fast immer wird jeweils der Fall betrachtet und im Anschluss versucht, der Täterin ein Gesicht zu geben, indem man ihren Hintergrund beleuchtet. Das erfolgt sachlich, analytisch und ohne Wertung. Bei einigen Fällen wurde dies jedoch ausgespart und gerade da hätte mich diese Sichtweise besonders interessiert. Natürlich sind auch vieles nur Vermutungen, wenn die Angeklagten nicht in der Lage oder willens sind, sich umfassend zu äußern, denn in den Kopf schauen kann man nun mal nicht. Generell hätte ich mir einen etwas tieferen Einblick in die Psyche der Damen gewünscht, denn die meisten Fragen bleiben schlussendlich offen. Aber das ist wohl Geschmackssache und die richtige Balance für alle zu finden schlicht unmöglich.

Die Statistik am Ende über Merkmalshäufigkeiten bei Täterinnen, Opfern und Taten fand ich sehr interessant. Insgesamt ein wirklich gutes Buch, um einen tieferen Einblick in die Abgründe der weiblichen Seele zu bekommen und sein Wissen zu erweitern. Fan von True Crime kann ich das Buch nur empfehlen und ich werde mir sicher auch andere Werke des Autors näher ansehen.

Ich danke Stephan Harbort für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Donnerstag, März 8th, 2018 | Filed under: Harbort, Stephan,Sachbuch,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

Autor:

Arno Strobel
Verlag: Fischer TB
ISBN-10: 359629617X
Taschenbuch: 368 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Diesmal im Kopf der Opfer

Inhalt:

Max Bischoff ist nach einer Zwangspause nach seinem wohl schwersten Fall wieder zurück im Dienst im KK 11. Er und sein Partner Horst Böhmer werden mit einem Täter konfrontiert, der mit einer Fliegenmaske wahllos in Häuser einbricht, alle Bewohner bis auf einen tötet und die Botschaft hinterlässt: Erzähl es den anderen! Die Ermittlungen verlaufen zäh, denn die Opfer scheinen nichts gemein zu haben. Dann gibt es einen Anruf aus der Psychiatrie. Der verurteilte und dort einsitzende Mörder Siegfried Fissmann weiß Details zu den Morden, die nur der Täter wissen kann. Da es sonst keine Anhaltspunkte gibt, müssen sich die Kommissare auf ein Psychospiel mit dem Patienten einlassen und geraten dabei selbst an ihre emotionalen Grenzen.

Meine Meinung:

Mit „Kalte Angst“ legt Arno Strobel nun den zweiten Thriller der Max Bischoff-Trilogie vor. Da es einige Anspielungen auf das erlebte Trauma der Hauptfigur in Band 1 (Tiefe Narbe) gibt, ist es für ein besseres Verständnis sinnvoll, mit diesem Roman zu beginnen. Zudem ist da die romanübergreifende Geschichte um Bischoffs an den Rollstuhl gefesselte Schwester, die im Gesamtbild ebenfalls schlüssiger wird und wohl in Band 3 auf ein spannendes Finale zusteuert.

Der Roman ist wie alle Strobels durchgängig flüssig zu lesen und hält auch ein gutes Spannungslevel, das lediglich im Mittelteil ein wenig abfällt. Durch die langwierigen Ermittlungen, die auch noch selten von Erfolg gekrönt sind, hat man es eben doch mehr mit einem Krimi als einem Thriller zu tun. Die atemberaubende Spannung und schnellen Wendungen, die ich aus anderen Thrillern des Autors kenne, haben mir ein wenig gefehlt.

Der Blutdruck schießt jeweils in die Höhe, wenn in die Perspektive des Täters bzw. in diesem Fall eher in die des überlebenden Opfers gewechselt wird. Hier wird nicht zimperlich zur Sache gegangen und das Grauen überträgt sich sehr gut auf den Leser. Mir waren es der Leichen fast ein wenig zu viel und die Ermittlungsweise der Beamten zu gradlinig. Wenn sie sich schon auf Fissmann mit seinem Täterwissen einlassen, hätten sie ihn auch besser durchleuchten können.

So bildete die Auflösung aber trotz allem eine Überraschung und hatte so wohl kaum vorhergesehen werden können. Insgesamt ergab sich ein rundes, wenn auch verstörendes Bild. Der Cliffhanger am Ende ist mehr als gemein und macht es nicht unbedingt einfach, nun ein Jahr auf Band 3 warten zu müssen.

Kerstin at Dienstag, Februar 20th, 2018 | Filed under: Strobel, Arno,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | No Comments
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