Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Category: Thriller/Krimi

 

Autor:

Alexander Hartung
Verlag: Verlag Edition M
ISBN-13: 978-2496708813
Taschenbuch: 283 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Actionreicher Serienauftakt um Streifenpolizistin

Inhalt:

Die Hamburger Streifenpolizistin Alina Grimm kennt ihren Kiez, der angeblich vierte Mord eines unauffindbaren Serienmörders macht sie neugierig und sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Das passt jemandem ganz und gar nicht, sie wird in einen Hinterhalt gelockt und verletzt. Zudem werden ihr Drogen untergeschoben, die zur Suspendierung führen. Nun möchte Alina erst recht der Sache auf den Grund gehen und sie erhält dabei unerwartete Unterstützung.

Meine Meinung:

„Nichts als Staub“, der Auftakt einer neuen Reihe um die Ermittlerin Alina Grimm, war mein erster Krimi von Alexander Hartung. Die sehr temporeiche Geschichte hat mich gut unterhalten. Der Autor bringt hier so ziemlich alles zur Sprache, was das Krimigenre zu bieten hat – Mord, Drogen, Korruption, Erpressung.

Die Charakterdarstellung der Hauptfigur macht deutlich, dass sie als Streifenpolizistin deutlich unterfordert ist. Wie es der Zufall will, bekommt sie zahlungskräftige und in Gestalt von Elias auch schlagkräftige Unterstützung. Ein zwielichtiger ehemaliger Schulkamerad und ein verrückter Professor machten das Quartett komplett und einer zukünftigen Detektei steht nichts im Weg. Die Nebenfiguren sind allerdings schon sehr klischeebehaftet. Auch der Kollege Zufall rettet nach meinem Geschmack einmal zu oft den Agierenden den Allerwertesten.

Gefallen hat mir das hohe Tempo. Ein Plan, einmal gefasst, wird im nächsten Kapitel umgehend in die Tat umgesetzt, ohne langes Hin- und Herfahren, Nebenbeschreibungen oder gründliche Vorbereitung. So wird die Spannung auch bis zum Schluss konstant aufrechterhalten.

Der Krimi bietet spannende Unterhaltung, wenn es auch teilweise ein wenig an Glaubwürdigkeit mangelt. Dennoch ist für jeden was dabei und ich bin an der Fortsetzung der Reihe durchaus interessiert.

Kerstin at Montag, September 13th, 2021 | Filed under: Hartung, Alexander,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Alex Michaelides
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3-426-28215-1
Taschenbuch (Klappenbroschur): 352 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Brutale Morde am College

Zum Inhalt:

Als die junge Studentin Zoe völlig aufgelöst ihre Tante Mariana Andros, eine Traumatherapeutin, anruft, weil sie vermutet, dass ihre beste Freundin Tara ermordet wurde, eilt diese umgehend zu ihr nach Cambridge. Nach kurzem Zögern beginnt sie eigene Nachforschungen anzustellen und verdächtigt schon nach kurzer Zeit den charismatischen, aber undurchschaubaren Professor Fosca, dessen Steckenpferd griechische Tragödien sind. Er hat in einer Art Geheimbund eine Gruppe junger hübscher Mädchen um sich geschart, aus deren Mitte es bald ein weiteres Opfer zu beklagen gibt. Mariana wagt sich immer tiefer in die Abgründe und muss schon bald selbst um ihr Leben bangen.

Meine Meinung:

Ich kenne den hochgelobten Debütroman „Die stumme Patientin“ des Autors nicht und bin daher völlig erwartungsfrei an das Buch gegangen. Trotz ein paar kleiner Längen in der Mitte muss ich sagen, dass mich das Buch gut unterhalten hat und auch zu fesseln wusste.

Der Bezug zu den griechischen Tragödien wird gut in die Geschichte eingeflochten, nimmt aber nicht überhand. Interessanteste Figur ist zweifelsohne der bereits zu Beginn zum Mörder hochstilisierte Professor Fosca, der ganz sicher Dreck am Stecken hat, selbstredend der Täter aber nicht sein kann. Die Hauptfigur Mariana war mir an sich schon sympathisch, allerdings agiert sie von ihrer Ausbildung und Erfahrung als Therapeutin ausgehend schon extrem naiv und blauäugig, indem sie ihrem Hauptverdächtigen derart nahe kommt.

Die Atmosphäre und Abläufe am altehrwürdigen College werden stimmungsvoll wiedergegeben und ich konnte mich sehr gut in das Setting hineinversetzen. Sowohl Titel als auch Klappentext sind ein wenig irreführend, denn verschwunden ist bzw. vermisst wird zu keiner Zeit eine Studentin. Sie werden einfach nur brutal ermordet und sofort gefunden. Zum Ende nimmt der Thriller noch einmal richtig Fahrt auf und mit dem überraschenden Twist habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Das kommt nicht sehr oft vor, weshalb es für mich einen großen Pluspunkt darstellt.

Wer das College-Setting mag und sich von einem Thriller mal wieder richtig überraschen lassen will, wird trotz einiger Längen im Mittelteil mit „Die verschwundenen Studentinnen“ sicher keinen Fehlgriff machen.

Kerstin at Donnerstag, Juli 29th, 2021 | Filed under: Michaelides, Alex,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Andreas Winkelmann
Verlag: Rowohlt
ISBN-13: 978-3-499-00040-9
Taschenbuch: 381 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Dir läuft die Zeit davon …

Inhalt:

Lennart Wolff verfolgt einen vermeintlichen Einbrecher und endet mit einem Messer im Auge. Rebecca Oswald, im Rollstuhl sitzende Polizistin, glaubt ihren Augen nicht zu trauen, als ein älterer Herr mit dem Fahrrad an ihr vorbeifährt, auf dessen Gepäckträger sich ein menschlicher Fuß befindet. Und Joggerin Eva Probst kann gerade noch ihrer Freundin ihr Unbehagen mitteilen, dass sie sich beobachtet fühlt, bevor sie auf schreckliche Art zu Tode kommt. Hauptkommissar Jens Kerner hat alle Hände voll zu tun, zwischen diesen Verbrechen eine Verbindung herzustellen, so unwahrscheinlich sie auch scheinen mag. Doch der Mörder hat seine eigene Agenda, er will eine Karte erstellen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat …

Meine Meinung:

„Die Karte“ war tatsächlich mein erster Roman der Kerner-und-Oswald-Reihe von Andreas Winkelmann. Das habe ich an einigen Stellen, wo auf vorherige Fälle verwiesen wurde, ein wenig bedauert. Ich kann so auch keine Vergleiche ob der Qualität anstellen. Auf jeden Fall ist es aber nicht vonnöten, die Vorgängerbände zu kennen.

Insgesamt hat mich der Thriller gut unterhalten. Die Spannung bleibt durchweg auf einem hohen Niveau, es gibt überraschende Wendungen und einen aufregenden Showdown. Die Ermittlungsarbeit wurde überzeugend dargestellt und auch das persönliche Geplänkel zwischen Becca und Jens fand in einem gesunden Rahmen statt. Die Sicht des Täters im Präsens ist faszinierend zu lesen und der schnelle Wechsel zwischen den verschiedenen Handlungssträngen, die kontinuierlich aufeinander zu laufen, sorgt für ein hohes Tempo.

Ein paar Sachen haben mich dennoch gestört, weshalb ich nicht die höchste Punktzahl ansetzen kann. Die sich als Auflösung ergebende Motivation des Täters hat für mich keinen wirklichen Zusammenhang mit dem eigentlichen Aufhänger des Thrillers. Das Thema mit dem Fitness-Tracker und der Lauf-App verläuft sich irgendwie und hätte doch viel mehr Potenzial gehabt. Die weitere Auswahl der Opfer scheint mir zu weit hergeholt. Und muss jede taffe, selbstständige Frau auch gleich einen Hass auf Männer hegen? Das nimmt ein wenig überhand.

Trotzdem kann man den Thriller gut und flüssig weglesen und ich werde den Autor auf jeden Fall im Auge behalten.

Kerstin at Donnerstag, Juli 1st, 2021 | Filed under: Thriller/Krimi,Winkelmann, Andreas | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Clemens Murath
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3-453-27283-5
Klappen-broschur: 475 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Knallharter Berlin-Thriller, der kein Blatt vor den Mund nimmt

Zum Inhalt:

Berlin steht den Machenschaften der kriminellen Clans beinahe machtlos gegenüber. Da braucht es schon Ermittler, die es mit dem geschriebenen Gesetz nicht ganz so genau nehmen. Frank Bosman vom LKA ist so einer. Korrupt bis zur Schmerzgrenze sowie selbst erfahren im Milieu, geht er knallhart gegen die Mafia vor und schreckt dabei auch vor Selbstjustiz nicht zurück. Als sich den Libanesen und ihrem Kopf Arslan Aziz ein albanischer Clan entgegenstellt und es zu einem Mord vor Zeugen kommt, sieht Bosman seine Chance, endlich mal richtig aufzuräumen.

Meine Meinung:

Das Krimidebüt um den knallharten Ermittler Frank Bosman und Auftakt einer Serie hat den Stempel Heyne Hardcore zu Recht bekommen. Hier wird wahrlich eine deutliche Sprache gesprochen, die aber zur ganzen Atmosphäre und dem Unterwelt-Milieu passt. Man mag sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass es genauso wie dargestellt in den dunklen Kreisen Berlins wirklich abgeht. Wenn ich so etwas lese, bin ich immer recht froh, weitab davon zu leben und keine Chance zu haben, mit Ähnlichem konfrontiert zu werden.

In dem Roman bekommt man Einblick in die Drogen- wie Stricherszene, korrupte Polizisten, Banker, Richter sind an der Tagesordnung, bezüglich Sex wird kaum etwas ausgelassen. Nach Sympathieträgern sucht man vergeblich, aber das ist sicher auch nicht das Ziel. Vor allem auch die Hauptfigur kann man nur als moralisch sehr ambivalent betrachten.

Es waren mir persönlich ein bisschen zu viele Schauplätze, Handlungsstränge und Personen, um permanent folgen zu können. Wenn man sich aber erst mal eingelesen hat in den Personenkreis, sollte es durchaus Freude bereiten, deren Leben in den Folgebänden weiterzuverfolgen. Die Prise schwarzer Humor macht den Roman spritzig und hat mich oft zum Grinsen gebracht. Insgesamt liest sich der Krimi recht flüssig und Langeweile kommt wirklich keine auf. Der Autor ist Drehbuchschreiber, das merkt man, läuft doch alles irgendwie wie ein Film ab. Auf jeden Fall mal etwas anderes und für Berlin-Kenner sicher noch interessanter. Mir auch die Fortsetzung zu gönnen, liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Kerstin at Donnerstag, Juni 10th, 2021 | Filed under: Murath, Clemens,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Daniel Holbe
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52738-2
Taschenbuch: 91 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Blutiges Intermezzo

Zum Inhalt:

Seit Jahren verschwinden im kleinen brandenburgischen Dorf Zieplitz Menschen, ab und an werden Leichenteile gefunden, von einem Kannibalen ist die Rede. Die Polizei tappt im Dunkeln, weshalb ein erfahrener Profiler aus Berlin hinzugerufen wird. Carlo Zingka nimmt die Ermittlungen auf und steht schon bald vor einer großen Herausforderung.

Meine Meinung:

Der für mich fünfte Kurzthriller aus der Reihe „Eiskalte Thriller“ von Knaur mit je ca. 100 Seiten hat mir ausnehmend gut gefallen. Ich kannte bisher nichts von Daniel Holbe, kann daher keine Vergleiche anstellen, aber er soll ja hier etwas blutiger herangegangen sein. Und das ist er wirklich, was man natürlich mögen muss und auf mich zutrifft. Besonders die Passagen aus der Sicht des Killers haben es in sich und sind wahrlich nichts für Zartbesaitete. Auch mit seinem immer wieder durchblitzenden schwarzen Humor konnte der Autor bei mir punkten.

Das Büchlein – hätte ich mir auch gut als normalen Roman vorstellen können, die Story gibt einiges her – bietet überraschende Wendungen und hat mich mit dem letzten Unterkapitel dann tatsächlich noch ins Grübeln gebracht, was das leider viel zu kurze Lesevergnügen aber keinesfalls schmälert.

Kerstin at Freitag, Juni 4th, 2021 | Filed under: Holbe, Daniel,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Veit Etzold
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52768-9
Taschenbuch: 110 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Für mich leider ein Fehlgriff

Zum Inhalt:

Als ein befreundeter Buchhändler in Oxford Charles Ward ein besonderes Buch anbietet, greift er sofort zu. Es handelt sich um einen Reiseführer einer schottischen Region, wo große Kämpfe stattfanden und noch immer die Geister der Gefallenen umgehen sollen. Das Buch enthält auch handschriftliche Notizen dreier verschiedener Personen und soll Charles zu einer Professur verhelfen. Doch je mehr er sich in die Geschichte des „schwarzen Prinzen“ vertieft, umso einschneidender verändert sich sein eigenes Leben.

Meine Meinung:

Dies ist ein weiterer Kurzthriller aus der Reihe „Eiskalte Thriller“ von Knaur, die jeweils im Umfang von ca. 100 Seiten herausgegeben wurden. Ich kenne Veit Etzold durch seine Clara Vidalis-Thriller und bin dementsprechend von etwas anderem ausgegangen. Hier wagt sich der Autor ins Horror-Genre a la H. P. Lovecraft bzw. begibt sich, wie er im Nachwort erklärt, zurück zu den Wurzeln und seinen ersten schriftstellerischen Gehversuchen.

Genau das traf dann so gar nicht meinen Geschmack. Zwar interessiert mich die schottische Geschichte, aber hier tauchten zu viele unaussprechliche Namen auf, schwarzmagische Rituale und Erläuterungen, einfach zu viel Geschichte für die wenigen Seiten, sodass wirkliche Spannung nur sehr langsam aufkommt. Letzten Endes bevorzuge ich es auch, wenn ein Fluch gebrochen wird und nicht jedes Versuchen ohnehin zum Scheitern verurteilt ist. Daher konnte mich auch das Ende nicht überzeugen.

Wer Horror dieser Art mag, ist sicher gut bedient, wer aber einen knackigen Thriller mit Psychopathen erwartet, wie man es vom Autor gewohnt ist, wird sicher enttäuscht sein.

Kerstin at Dienstag, Juni 1st, 2021 | Filed under: Etzold, Veit,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

S. K. Tremayne
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52766-5
Taschenbuch: 96 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Wahrgewordener Albtraum

Zum Inhalt:

Wie schlimm muss dieses Gefühl sein. Eine Frau wacht auf, fühlt sich wie gerädert, es herrscht völlige Dunkelheit. Langsam stellt sie fest, dass sie sich nicht in ihrem eigenen Bett, sondern in einer Art Gummizelle befindet … Wer spielt dieses grausame Spiel mit ihr? Stecken ihr Mann oder sein Freund dahinter? Ist sie Teil eines Experimentes? Und wie kann sie ihre Tochter Nancy retten, die in Lebensgefahr schweben soll …

Meine Meinung:

Mit diesem Kurzthriller, der ausschließlich aus der Sicht der unbekannten Frau erzählt wird, verschafft der Autor seinen Lesern wahrhaftig ein äußerst beklemmendes Gefühl. Man ist bei jedem ihrer nahezu blinden Schritte hautnah dabei. Sie selbst gibt durch ihre Gedankenwelt verschiedene Richtungen vor, in die sich die Geschichte entwickelt. Die Auflösung letzten Endes sollte für fast jeden eine Überraschung bereithalten und verursacht aufgrund ihrer Aktualität noch mal mehr eine Gänsehaut.

Ich war auf jeden Fall gefesselt und die knapp 100 Seiten flogen nur so vorbei. Was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, bin ich bereits bei den Kurzromanen von Tsokos und Poznanski eingegangen. Hier ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Wer aber gar nicht so umfangreichen Lesestoff sucht und sich gern ein wenig gruselt, der liegt mit „Augen ohne Licht“ genau richtig.

Kerstin at Donnerstag, Mai 27th, 2021 | Filed under: Thriller/Krimi,Tremayne, S. K. | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52765-8
Taschenbuch: 109 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Wenn es persönlich wird

Zum Inhalt:

Täglich ihrer Arbeit im Sektionssaal nachzugehen, ist für Rechtsmedizinerin Sabine Yao etwas anderes, als plötzlich persönlich betroffen zu sein. Denn in der Nähe von Kiel wird die Wasserleiche ihrer Tante geborgen. Offenbar liegt ein Verbrechen vor und Sabine beginnt zu ermitteln.

Meine Meinung:

Wer die Fred-Abel-Reihe von Michael Tsokos kennt, ist mit Sabine Yao bereits in Berührung gekommen und darf sich freuen, etwas tiefer in ihre Gefühlswelt einzutauchen. Der vorliegende Kurzthriller kann jedoch auch ohne jede Vorkenntnis gelesen werden.

Ich konnte mich gut in die Rechtsmedizinerin hineinversetzen, die abseits ihrer Arbeitsroutine plötzlich verarbeiten muss, einen Angehörigen vor sich auf dem Sektionstisch zu sehen. Mit Unterstützung von mehreren Seiten gelingt es ihr, dem Täter schnell auf die Spur zu kommen.

Das muss es auch, denn der ca. 100 Seiten lange Kurzroman bietet keine Gelegenheit für Ausschweifungen. Das quasi offene Ende deutet auf eine Fortsetzung hin, die hier aber wenig Sinn macht, weshalb ich es unnötig fand. Inhaltlich und vom knackigen Schreibstil her gibt es nichts zu meckern. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte jedoch vom Verlag überdacht werden. Für die vorliegende Menge wären 5 Euro durchaus angebrachter, wenn die Kurzthriller, von denen es bisher noch fünf weitere gibt, viele Leser finden sollen.

Kerstin at Mittwoch, Mai 19th, 2021 | Filed under: Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Ursula Poznanski
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-52767-2
Taschenbuch: 75 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Eiskalter Stalker

Zum Inhalt:

Für Wolfram ist Ella die Eine – und das wird auch sie noch einsehen. Ihrem Happy End steht eigentlich nur einer im Weg, ihr Freund Paul. Als beide eine Winterwanderung planen, ist das für Wolfram die Chance. Hier muss sich doch einfach eine Möglichkeit bieten, den unliebsamen Nebenbuhler loszuwerden.

Meine Meinung:

Hauptrolle in diesem eisigen Kurzthriller von Bestsellerautorin Ursula Poznanski spielt der durchgeknallte Stalker Wolfram, der mit allen Mitteln seine „Liebste“ für sich zu gewinnen sucht. Die leider viel zu kurze Geschichte hat mich sehr gut unterhalten. Langeweile kommt auf jeden Fall zu keiner Zeit auf und man kann sie mit ca. 75 Seiten auch gut in einem Rutsch durchlesen.

Wolfram stellt sich nicht eben klug an und wirkt dabei manches Mal unfreiwillig komisch, aber wer hat behauptet, dass Psychopathen auch immer mit großer Intelligenz gesegnet sein müssen? Amüsant fand ich die zusätzliche Stimme in seinem Kopf, deren Bewandtnis sich erst zum Ende aufklärt. Dieses wartet dann auch mit einer kleinen Überraschung auf.

Als Kritik könnte man höchstens anbringen, dass die Investition für den Umfang eines Groschenromans doch relativ happig ausfällt. Das Lesevergnügen schmälert es hingegen keineswegs. Wer Geschmack an diesem Thriller-Häppchen gefunden hat, sollte sich auch die anderen in gleicher Edition herausgegebenen Kurzthriller von namhaften Autoren wie Michael Tsokos, Veit Etzold, S. K. Tremayne, Lisa Jackson und Daniel Holbe nicht entgehen lassen.

Kerstin at Dienstag, Mai 11th, 2021 | Filed under: Poznanski, Ursula,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Markus Thiele
Verlag: Benevento
ISBN-13: 978-3-7109-0128-7
Gebundene Ausgabe 240 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Gibt es die Unfehlbarkeit des Rechts?

Inhalt:

Strafrichter Frank Petersen ist von sich und vor allem seiner Unfehlbarkeit als Richter überzeugt. Doch es häufen sich Zweifel an seiner Integrität, Urteile von ihm werden in höherer Instanz widerrufen. Aufgrund einer Entscheidung, die er aus Befangenheit hätte nicht treffen sollen, wendet sich sogar seine Familie von ihm ab, wirft ihm Vorurteile, gar Fremdenhass vor. Schließlich löst die Haftentlassung von Corinna Maier, die einst in seinem Gerichtssaal vor Urteilsverkündung den Mörder ihres Sohnes erschoss, alte Wunden auf. Petersen muss sich fragen, ob er seinem eigenen Urteil noch trauen darf.

Meine Meinung:

Unter Einbeziehung zweier wahrer Rechtsfälle – dem Fall Marianne Bachmeier, die 1981 den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschoss, und dem Fall Amadeu Antonio Kiowa, der 1990 in Eberswalde Opfer rechtsradikaler Gewalt wurde – legt Markus Thiele nach „Echo des Schweigens“ hier erneut einen klugen Roman über die Unfehlbarkeit des Rechts und die Grenzen von Schuld und Gerechtigkeit vor.

Mit Petersen, wie er im Buch auch fast ausschließlich bezeichnet wird, ist es nicht leicht, warm zu werden. Eigentlich ist er tatsächlich der selbstherrliche, von sich überzeugte Mensch, den seine Frau in ihm sieht und der schlussendlich während seiner Reise zu sich selbst auch von außen nur Bestätigung und Rechtfertigung seiner Handlungsweise sucht. Dass er dabei Fehler einräumt und zur Selbsterkenntnis kommt, kann man ihm aber positiv anrechnen.

Die auf zweiter Handlungsebene erzählte Geschichte der Corinna Maier, die erst ihre große Liebe und dann auch noch ihren Sohn durch rechte Gewalt verliert, hat mich dagegen wesentlich mehr berührt. Was für ein Schicksal und für mich durchaus nachvollziehbarer Grund ihrer Kurzschlusshandlung. Die Lebenswege beider kreuzen sich nach dem Mord im Gerichtssaal und Verbüßen der Haftstrafe erneut und bedeuten nach anfänglichem Unverständnis doch so etwas wie Heilung.

Es handelt sich hier wahrlich nicht um einen Justizthriller, vielmehr um eine tiefgründige Betrachtung des Justizsystems mit all seinen Grauzonen und Tücken. Und um die ausführliche Charakterstudie eines Mannes des Gesetzes, der willens ist, sein Bestes zu geben und doch immer wieder an seine Grenzen gerät. Der Roman regt definitiv zum Nachdenken an und zeigt einmal mehr, dass es ein reines Richtig oder Falsch nicht gibt.

Kerstin at Mittwoch, April 28th, 2021 | Filed under: Literatur allg.,Thiele, Markus,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off
Kerstins Bücherreich Besucher: web site traffic statistics