Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Category: Thriller/Krimi

 

Autor:

Thomas Kiehl
Verlag: Benevento
ISBN-13: 978-3710901430
Klappen-
broschur:
324 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Der Preis für ewige Jugend

Inhalt:

An den Bewohnern einer kleinen schwedischen Insel wurde über einen langen Zeitraum ein Medikament getestet, was langanhaltende Jugend und Gesundheit verspricht – mit Erfolg. Nun steht es kurz vor dem Börsengang und verspricht Millionengewinne für das Pharmaunternehmen und die Investoren. Gleichzeitig zeichnet sich aber ab, dass ein Großteil der weiblichen Nachkommen der Probanden unfruchtbar ist. Besteht ein Zusammenhang? Lena Bondroit ist Biologin und Epigenetik-Expertin und soll der Sache auf den Grund gehen, was sie in tödliche Gefahr bringt.

Meine Meinung:

Mit „Das Jungblut-Serum“ erscheint bereits der dritte Band um die Verhaltensbiologin Lena Bondroit von Thomas Kiehl. Leider kenne ich die Vorgängerbände nicht, was aber für das Verständnis auch nicht notwendig ist. Das Wissenschaftsgebiet der Epigenetik war mir bisher ebenfalls nicht bekannt und ich fand es sehr spannend, die entsprechenden Zusammenhänge, wie zum Beispiel Verhaltensweisen von Depressiven auch vererbt werden können, erklärt zu bekommen. Dabei ist alles leicht verständlich und nicht mit fachspezifischem Vokabular überfrachtet.

Die Hauptfigur Lena war mir direkt sympathisch, sie hat auch ihre Schwächen, handelt aber trotzdem meist konsequent nach ihrem moralischen Kompass. Auch die Nebenfiguren sind interessant gezeichnet und bieten durch ihre Undurchschaubarkeit die eine oder andere Überraschung. Generell wird es durch Geheimnisse, überraschende Wendungen und gefährliche Eingriffe von anfangs unbekannter Seite keine Minute langweilig in diesem atmosphärischen Wissenschafts-Thriller.

Die Lösung am Ende war mir nicht so ganz befriedigend, bietet aber zumindest Ansätze, um sich eigenen Spekulationen hinzugeben. Der Roman spielt in einer nahen Zukunft und wirkt teilweise beängstigend realitätsnah. Man merkt dem Autor die intensive Recherche an und gleichzeitig wird der Leser getriggert, was das eigene Denken zur medizinisch unterstützten Verlängerung des Lebens anbelangt.

Ich habe mich definitiv gut unterhalten gefühlt und würde Lena auch in Zukunft gern weiter bei ihren Einsätzen begleiten. Für alle Fans von Medizin-Thrillern ein Muss.

Kerstin at Mittwoch, Dezember 14th, 2022 | Filed under: Kiehl, Thomas,Science Fiction,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Andreas Brandhorst
Verlag: Fischer
ISBN-13: 978-3596707195
Taschen-buch: 608 Zeichen
Persönliche
Wertung:

 

 

Die Weltwirtschaft am Rande des Abgrunds

Inhalt:

Eine Gruppe einflussreicher Finanzgenies, die sich selbst „Die Sieben“ nennt, versucht, die nächste große Finanzkrise für sich zu nutzen und mithilfe der Digitalwährung Bitcoin eine Art Weltherrschaft zu erlangen. Nachvollziehbar, dass die alten Mächte sich mit allen Mitteln dagegen wehren. Gleichzeitig will Martin Freeman ein Buch über den Erfinder des Bitcoin, Satoshi Nakamoto, schreiben, dessen Identität nach wie vor unbekannt ist. Er gerät dabei zwischen die Fronten von Geheimdiensten und Regierungen sowie den „Sieben“ und muss bald selbst um sein Leben fürchten.

Meine Meinung:

Mich hatte das Thema Bitcoin und der Verweis „für Leser von Andreas Eschbach“ auf das Buch aufmerksam gemacht. Ich muss gestehen, ich habe mich sehr schwer getan, durch die vielen Seiten zu kommen. Es gibt eine Vielzahl von Personen, die man erst mal auseinanderhalten muss und so auch kaum Nähe aufbauen kann. Die „Sieben“ werden rasch reduziert, nicht immer ist klar, wie und durch wen.

Der eindeutig spannendere Handlungsstrang betrifft Martin Freeman, der mit seiner Hacker-Freundin quer durch mehrere Länder gejagt wird, was nicht ohne Blessuren abgeht. Da gibt es auch immer wieder spannende Sequenzen, allerdings hatte das Buch auch Längen für mich. Besonders hat mich dann aber der Showdown in Grönland gefesselt.

Wie das mit dem Bitcoin und der Blockchain funktioniert, habe ich nach wie vor nicht verstanden, ist aber vielleicht auch nicht unbedingt notwendig. Erschreckend ist aber schon, dass in der inzwischen so digitalisierten Welt das vorgestellte Szenario gar nicht mal so weit hergeholt scheint. Wo das Ganze mal hinführen soll, mag ich mir in der Tiefe gar nicht vorstellen.

Der Schreibstil des Autors ist gut zu lesen und für technik- und wirtschaftsinteressierte Leser ist das Buch allemal lesenswert.

Kerstin at Freitag, Dezember 9th, 2022 | Filed under: Brandhorst, Andreas,Science Fiction,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Ernst Kaufmann
Verlag: Verlag Anton Pustet
ISBN-13: 978-3702510701
Klappen-
broschur:
302 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Erschütterung in Salzburger Kunstszene – Inspektor Ruprecht ermittelt

Inhalt:

Ein scheinbarer Selbstmord eines Salzburger Kunstexperten lässt Chefinspektor Ruprecht, leitender Ermittler beim LKA, zweifeln. Durch Zufall entdeckt er in der Wohnung des Toten ein lange verschollenes Gemälde und den Schlüssel zu einem Depot mit weiteren wertvollen Kunstwerken. Sein Spürsinn ist geweckt und er dringt immer tiefer in ein Netzwerk skrupelloser Kunstdiebe, die schon seit vielen Jahren gefragte Kunst in den Osten verschieben. Das Opfer wurde definitiv ermordet und bald gibt es eine weitere Leiche. Je tiefer Ruprecht in das Wespennest sticht, umso gefährlicher wird es für ihn und auch die Mitglieder seiner Familie.

Meine Meinung:

Mit „Blanke Gier“ startet der Wiener Autor Ernst Kaufmann seine in Salzburg spielende Krimireihe um den ermittelnden Chefinspektor Ruprecht, die den Leser in die vielen vielleicht nicht so bekannte österreichische Kunstszene führt.

Mir war Ruprecht direkt sympathisch, er geht besonnen und straight seinen Weg, gibt viel auf sein Bauchgefühl und lässt sich auch von seinem etwas übereifrigen Chef nicht aus der Ruhe bringen. Zudem hat er wohltuend wenig persönliche Macken oder Laster, wie es ja mittlerweile fast die Norm ist. Seine Hündin Ella ist dabei immer treu an seiner Seite. Aber auch die Nebenfiguren aus seiner Familie, dem LKA und vor allem auch sein Freund Hogge sind mir direkt ans Herz gewachsen.

Ich selbst war nur kurz mal für ein paar Stunden in Salzburg, aber durch seine bildhaften Beschreibungen macht der Autor die schöne Stadt sehr lebendig. Auch seine enge Zusammenarbeit mit der Salzburger Polizei wird deutlich, denn genau so könnte ich mir die Ermittlungsarbeit im realen Leben vorstellen. Vielleicht nicht gerade, dass Ruprecht sich beim Verhör Notizen machen muss. Ich denke mal, auch dort werden diese inzwischen aufgezeichnet.

Die erste Hälfte des Buches wird vorwiegend zur Figureneinführung genutzt und hat daher ein eher gemächliches Tempo. Auf den letzten hundert Seiten nimmt die Spannung dann enorm zu und der Fall findet zu einer zufriedenstellenden Aufklärung. Mir persönlich gefällt die Lena Halberg-Reihe des Autors dann doch einen Tick besser, aber das liegt wohl am Sensationsgehalt.

Insgesamt bietet dieser erste Krimi der Reihe solide Ermittlungsarbeit, interessante Hintergründe zur Kunstszene Österreichs, ein wenig Lokalkolorit und auch ein winziges bisschen Humor. Ich fühlte mich gut unterhalten und werde die Reihe sicher weiterverfolgen. Band 2 mit dem Titel „Bleiche Erben“ erscheint bereits im Frühjahr 2023.

Kerstin at Dienstag, November 29th, 2022 | Filed under: Kaufmann, Ernst,Nybørg, Ernest,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Ursula Poznanski
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426226896
Klappen-broschur: 397 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Mordserie mit vom Opfer selbst angekündigten Tod

Inhalt:

Nadine Just kündigt während einer Nachrichtensendung ihren eigenen Tod an und wird kurz darauf wirklich ermordet. Ähnlich ergeht es einem bekannten Blogger. Das Netz überschlägt sich mit Vermutungen und kreiert jede Menge Nachahmer, die es den Ermittlern nicht leichtmachen, Wahrheit von Fake zu unterscheiden. Schnell verdächtigt wird Nadines Ex Tibor, denn immer mehr Spuren führen zu ihm. Während er alles versucht, sich vom Verdacht reinzuwaschen und sich dabei immer tiefer reinreitet, will die junge Fina Plank, einzige Frau und neu bei der Mordgruppe, auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Und dann gibt es da noch einen Beobachter im Hintergrund, der ganz eigene Pläne hat …

Meine Meinung:

Da ich schon einiges von der Autorin gelesen habe, eher im Jugendbereich, leider nicht die Vanitas-Reihe, wollte ich den Auftakt ihrer neuen Serie keinesfalls verpassen.

Wenn sich das Buch auch eher als Krimi denn als Thriller darstellt, hat es mich doch ausnehmend gut unterhalten. Der Auftakt ist ein Knüller und auch das Ende habe ich mit atemloser Spannung gelesen, hatte ich doch bis dahin keine Ahnung, wohin das Ganze führt. Der Mittelteil ist spannungstechnisch nicht ganz so aufwühlend, bietet aber dennoch immer wieder interessante Entwicklungen, was nicht zuletzt an einem Erzähler im Hintergrund liegt, der den Leser direkt anspricht und die Mordserie nutzt, um sein eigenes Süppchen zu kochen. Er bleibt natürlich unentdeckt und wird den Spannungsbogen so über die Folgebände sicher grandios aufrechterhalten.

Die Hauptfiguren wirken schon ein wenig klischeehaft, aber das lässt sich wohl nicht immer vermeiden. Die karrierebesessene Bitch, die keine Skrupel kennt, der selbstverliebte Werber, der dennoch eine gute Wandlung hinlegt, wie ich finde und vor allem die wenig selbstwusste neue Frau in der Mordgruppe in Form von Fina Plank. Sie habe ich sofort ins Herz geschlossen, was nicht nur dem Mitleid geschuldet ist, da sie von ihrem Kollegen aufs Heftigste gemobbt wird. Trotzdem behauptet sie sich und wird sicher ihren Weg gehen.

Erschreckend und dennoch sehr realistisch dargestellt sind die Auswüchse und Möglichkeiten, die das Internet allgemein und soziale Medien im Besonderen bieten. Alles in allem ein gelungener Auftakt-Band der Mordgruppe-Reihe, in dem zwar alles schlüssig aufgelöst, durch den Beobachter bzw. Mitspieler im Hintergrund aber die Neugier auf die Fortsetzung enorm hoch angesetzt wird. Ich bleibe auf jeden Fall dabei und hoffe, das Warten dauert nicht zu lang.

Kerstin at Sonntag, Oktober 16th, 2022 | Filed under: Poznanski, Ursula,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Patrick Burow
Verlag: Benevento
ISBN-13: 978-3710901447
Gebundene Ausgabe 292 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Juwelenraub im Grünen Gewölbe als spannender Aufhänger

Inhalt:

Einer der spektakulärsten Raubzüge der Kunstgeschichte – der Juwelenraub im Grünen Gewölbe im November 2019. Dauer lediglich fünf Minuten, die Diamanten spurlos verschwunden. Verdächtigt wird schnell Kunstdetektiv Adrian Falke, dabei ist dieser nur daran interessiert, den Kunstschatz wieder aufzutreiben. An seiner Seite Museumsdirektorin Julia Graf, beide sind den wahren Dieben dicht auf den Fersen und folgen der Spur der Diamanten quer durch Europa und bis nach Dubai.

Meine Meinung:

Auch bei diesem Buch hat sich der Benevento Verlag bei der Gestaltung wieder ordentlich ins Zeug gelegt. Der hervorgehobene Diamant auf dem Deckcover sowie der farbige Buchschnitt machen auf jeden Fall etwas her.

Das Thema – True-Crime-Abenteuer inspiriert vom Juwelenraub in Dresden – hat mich als Sächsin natürlich sofort angesprochen. Allerdings entsprechen nur die ersten Seiten und damit der tatsächlich stattgefundene Raub der Realität und schon bald danach geht die Geschichte ihren eigenen abenteuerlichen Weg. Daran ist auch nichts falsch, da das Verbrechen ja auch aktuell noch nicht aufgeklärt ist.

Ganz großes Plus ist für mich der rasante Schreibstil, der durch kurze Kapitel und ständig wechselnde Perspektiven noch befeuert wird. Hier kommt wirklich keine Minute Langeweile auf, und das mag ich bei einem Thriller sehr. Auch der Informationsmehrwert zum Thema Diamanten und ihre besonders berühmten Exemplare fand mein Gefallen. Die Raubzüge waren clever geplant und ausgeführt.

Manko dagegen sind die doch etwas stereotypen bis zu klischeehaften Charaktere. Allen voran die von Dresden aus ermittelnden Beamten, bei denen man sich fragt, ob sie bisher wirklich nur nach gestohlenen Gartenzwergen gesucht haben. Der Kunstdetektiv dann ein wahrer Indiana Jones, der Kampfkunst fähig, mit offenbar unerschöpflichen finanziellen Mitteln, ohne je zur Bank zu müssen, zu dem die junge und natürlich attraktive Museumsdirektorin bewundernd aufschaut. Die Romanze zwischen den beiden hätte es nun wirklich nicht gebraucht, und die letzten Sätze hätten jeder Pilcher-Schmonzette Ehre gemacht. Die Action-Szenen dann auch noch in Slow Motion beschrieben und teilweise arg an der Realität vorbei – James Bond lässt grüßen.

Auch wenn man als geübter Thrillerleser den wahren Täter recht bald erahnen konnte, hat mir die Auflösung doch recht gut gefallen. Insgesamt wurde ich sehr gut unterhalten, was für mich den Ausschlag für die Bewertung gibt. Fans von actiongeladenen Romanen mit einer Prise Dan Brown kann ich das Buch sehr ans Herz legen.

Kerstin at Dienstag, Oktober 11th, 2022 | Filed under: Abenteuer,Burow, Patrick,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Clemens Murath
Verlag: Heyne Hardcore
ISBN-13: 978-3-453-27282-8
Klappen-broschur: 428 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Frank Bosman, der zweite Einsatz – knallhart, kompromisslos, mitreißend

Zum Inhalt:

Zwischenzeitlich haben die Kosovo-Albaner das Drogengeschäft in Berlin fest im Griff. Deren Oberboss und ehemaliger Warlord Remi Ekrem zieht von Albanien aus die Fäden. LKA-Ermittler Frank Bosman will ihn endlich zur Strecke bringen und tut sich mit UN-Sonderermittlerin Elaine Szolnay zusammen, die eben diesen wegen Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen will. Sie stellen ihm eine Falle und … scheitern. Je tiefer die Ermittler in Ekrems Geschäfte eintauchen, umso gefährlicher wird es für sie persönlich. Und für Erfolge muss man auch schon mal mit den Wölfen heulen.

Meine Meinung:

Ich muss gestehen, der zweite Band um den knallharten Ermittler Frank Bosman von Heyne Hardcore hat mir sogar noch besser gefallen. Es kommt definitiv keine Minute Langeweile auf und die Spannung ist durchweg auf hohem Niveau.

Anders als beim Vorgänger „Der Libanese“ beschränkt sich das Setting dieses Mal nicht auf Berlin, sondern führt auch zu einer Zelle Rechtsradikaler in Sachsen, die den Umsturz planen und nebenbei unfassbare Verbrechen begehen, und nach Albanien in der heutigen sowie weit vergangenen Zeit während des Kosovo-Krieges.

Wirklich Gute gibt es in diesem Krimi nicht. Aufseiten der Polizei sind Korruption, Unterschlagung, Selbstjustiz und kompromisslose Härte sowie Gewalt an der Tagesordnung. Auch wenn man einiges menschlich vielleicht nachvollziehen kann, ist es doch starker Tobak.

Die Handlung ist komplex, werden doch verschiedenste Themen aufgegriffen: Drogenhandel, Rechtsradikale, Organhandel, Flüchtlinge, Reichsbürger, Kriegsverbrechen und die Glamourwelt von Film und Fernsehen. Das Ganze untermalt mit einem schwarzen Humor, der zwischen deutschen Buchdeckeln selten so zum Tragen kommt.

Der Autor peitscht den Leser gnadenlos durch die Handlung, man ist hin- und hergerissen zwischen Mitleid mit Frank Bosman und den Seinen und Abscheu gegenüber seinen Handlungen. Nichts für empfindliche Gemüter, aber sehr zu empfehlen, wenn man auf knallharte Action steht.

Kerstin at Mittwoch, September 14th, 2022 | Filed under: Murath, Clemens,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Florian Schwiecker, Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426528440
Taschenbuch: 335 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Solide Fortsetzung der Justizkrimi-Reihe

Zum Inhalt:

Rechtsanwalt Rocco Eberhardt, gefeierter Verteidiger oftmals zwielichtiger Mandanten, findet sich plötzlich auf der anderen Seite des Rechts wieder. Ein hochrangiger Politiker, im besten Falle zukünftiger Oberbürgermeister von Berlin, soll in einen Skandal von höchster Brisanz verwickelt sein und um diesen zu vertuschen, auch vor Mord nicht zurückschrecken. Über lange Jahre wurden Pflegekinder von Berliner Jugendämtern im Rahmen eines Experimentes bewusst an pädophile Männer vermittelt. Dies klagen die Opfer Jörg Grünwald und Timo Krampe an. Kurz darauf wird Jörg tot aufgefunden und auch Timos Leben scheint in Gefahr. Wird Rocco unter Mithilfe von Rechtsmediziner Justus Jarmer die Wahrheit aufdecken?

Meine Meinung:

Nachdem mir schon der Auftaktband der Krimi-Reihe von Schwiecker und Tsokos sehr gut gefallen hat, wollte ich natürlich unbedingt wissen, was die beiden noch so auf Lager haben. Dass der Aufhänger des Romans, hier als Granther-Experiment bezeichnet, einen wahren Hintergrund hat, ist mehr als erschreckend. Wie viel Leid wurde hier bewusst provoziert bzw. billigend in Kauf genommen.

Das Buch lässt sich gewohnt gut lesen und die kurzen Kapitel und Perspektivwechsel kommen meinem bevorzugten Lesestil sehr entgegen, da ich oft nicht viel Zeit finde, mich länger am Stück mit dem Text zu befassen.

Anwalt und Rechtsmediziner bilden einmal mehr ein eingespieltes Team, wobei mir Justus Jarmer zunehmend sympathischer wird. Die ganz großen Spannungsmomente fehlten allerdings für mich, die Geschichte plätschert eher so dahin und bietet erst am Schluss durch eine unvorhergesehene Wendung einen Überraschungseffekt. Auf die Auffrischung der Jugendliebe von Verteidiger und Staatsanwältin hätte auch gut verzichtet werden können.

Im Großen und Ganzen bietet das Buch aber abwechslungsreiche Unterhaltung und schafft mit der Thematisierung dieses Skandals hoffentlich auch weitere Möglichkeiten der Aufarbeitung und damit Entschädigung der Opfer. Das ganz große Ding war die Story bzw. deren Umsetzung für mich noch nicht, aber ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen.

Kerstin at Donnerstag, Juli 28th, 2022 | Filed under: Schwiecker, Florian,Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Sebastian Fitzek / Micky Beisenherz
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3-426-28273-1
Gebundene Ausgabe 332 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

Thematisch ein echter Fitzek, der Humor zu aufgesetzt

Zum Inhalt:

Ein Patient der Psychiatrie gibt an, die kleine Pia entführt zu haben. Sein Wissen will er nur preisgeben, wenn ihm Literaturagent David Dolla ein lukratives Angebot für eine True-Crime-Story verschafft. Was dieser zunächst für einen Scherz hält, nimmt ernste Ausmaße an, als seine Verlobte verletzt und auch der Rest seiner Familie bedroht wird.

Meine Meinung:

Vorab, ich bin ein großer Fan von Sebastian Fitzek. Für diesen Roman hat sich der Autor Unterstützung in Person von Micky Beisenherz geholt. Mir selbst bisher unbekannt, sollte dieser für eine ordentliche Portion Humor in einem Thriller sorgen. Ein gewagtes Experiment, das vermutlich nicht jedermanns Geschmack trifft.

Es ist ohne Frage das Besondere an diesem Buch, für mich jedoch auch sein größtes Manko. Ich habe nichts gegen einen guten Witz, konnte mit den meisten Anspielungen auf die Medienwelt etwas anfangen und auch das eine oder andere Mal herzhaft lachen oder zumindest amüsiert schmunzeln. Einige „Vergleiche“ haben mich jedoch auch die Augen rollen lassen in Anbetracht ihrer Flachheit. Punktum – es ist einfach zu viel des Guten. Besonders am Anfang der Geschichte nimmt es so überhand, dass man der Story kaum folgen kann. Es wird mit der Zeit weniger (oder man gewöhnt sich schlicht daran) und dann nimmt auch die Spannung ihren Lauf. Schlussendlich bereue ich es nicht, bis zum Ende durchgehalten zu haben.

Nimmt man den Humor mal beiseite, bekommt der Leser einen echten Fitzek geboten. Spannung, ein wenig Brutalität, viele überraschende Wendungen und immer wieder Aha-Momente. In der Hinsicht bleibt kein Wunsch offen. Es klärt sich alles zufriedenstellend und wirkt im Ergebnis genial ausgeklügelt. Auch die Nebenfiguren – überwiegend Freunde des Agenten – sind in ihrer Skurrilität erfrischend.

Wer nicht einen typischen Fitzek erwartet und Sinn für manchmal auch ein wenig flachen Humor hat, sollte dem Buch ruhig mal eine Chance geben.

Kerstin at Sonntag, Juli 3rd, 2022 | Filed under: Beisenherz, Micky,Fitzek, Sebastian,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Wulf Dorn
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453270954
Taschenbuch: 491 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Gelungene Fortsetzung – wenn Rache zum Lebensziel wird

Zum Inhalt:

Nach der Ermordung seiner Partnerin ist das Leben des Ex-Psychiaters Mark Behrendt aus den Fugen geraten. Einzige Stütze ist seine Freundin Doreen. Als sich der Mörder erneut bei ihm meldet, Doreen entführt und für ihre Freilassung eine schreckliche Tat von Mark verlangt, beginnt für ihn ein Wettlauf mit der Zeit.

Meine Meinung:

Da seit Band 1 der „Trigger“-Reihe von Wulf Dorn mittlerweile mehr als 10 Jahre vergangen sind, hatte ich den Auftakt kürzlich noch mal gelesen, was sich als vorteilhaft herausstellte. Man war sofort wieder drin in der Geschichte um Ellen Roth und Mark Behrendt, auch wenn im Verlauf des Buches einiges erklärt wird.

Während bei mir bei Teil 1 noch einige Fragen offen blieben, konnte mich die Fortsetzung des Romans direkt von der ersten Seite an fesseln. Mark bekommt es mit einem wirklich wahnhaften Täter zu tun, der vor nichts zurückschreckt. Seine Identität wird recht früh klar, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut. Die Protagonisten liefern sich ein atemberaubendes Katz-und-Maus-Spiel und der Autor weiß immer wieder mit überraschenden Wendungen zu punkten. Ich habe jedenfalls keine Minute Langeweile verspürt.

Mit dem Einblick in die menschliche Psyche ist der Autor nach 20 Jahren Tätigkeit in der Psychiatrie bestens vertraut und das merkt man seinen Beschreibungen auch an. Es ist immer wieder faszinierend, zu welchen Auswüchsen der menschliche Verstand in der Lage ist, und genau deshalb finde ich Psychothriller so herausfordernd und interessant.

Wulf Dorn hat mit dieser Fortsetzung alles richtig gemacht und wird garantiert die meisten Fans von Psychothrillern mitnehmen, wobei es das Lesevergnügen steigert, wenn man zuerst Band 1 liest.

Kerstin at Dienstag, Juni 28th, 2022 | Filed under: Dorn, Wulf,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Makus Thiele
Verlag: Benevento
ISBN-13: ‎978-3710901317
Gebundene Ausgabe 390 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

Hat man ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben?

Inhalt:

Maria Linz leidet an Alzheimerdemenz im Endstadium. Bereits Jahre zuvor hat sie sich für ein selbstbestimmtes Sterben ausgesprochen und dies auch schriftlich festgehalten. Sollte der Zeitpunkt gekommen sein, soll ihr Neffe, Dr. Max Keller, ihr die entsprechende Unterstützung dabei zukommen lassen. Obwohl er als Arzt dem Schutz des Lebens verpflichtet ist, kommt Max dem sehnlichsten Wunsch seiner Tante nach und erlöst sie von einem würdelosen Leben. Das bringt ihn jedoch in den Fokus der Polizei und er wird schlussendlich sogar wegen Mordes angeklagt. Er hofft auf die Hilfe seines Jugendfreundes Jonas, der inzwischen als Staatsanwalt agiert. Doch kann es dieser mit seinem Gewissen vereinbaren und wird er damit seine eigene Karriere aufs Spiel setzen?

Meine Meinung:

In seinem dritten Roman befasst sich Markus Thiele mit einem Thema, was mich persönlich sehr stark berührt. Meine Mama befindet sich mittlerweile mit derselben Krankheit im Pflegeheim und es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht den Wunsch zu gehen äußert. Der richtige Zeitpunkt, diesen Wunsch schriftlich niederzulegen, wurde verpasst und so können wir nur hilflos das Voranschreiten der Krankheit begleiten und was sie aus ihr macht.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, der eine fiktive Geschichte beschreibt, die so jedoch tagaus, tagein stattfinden könnte und wohl auch wird. Gerichtliche Entscheidungen zum Thema wurden bereits gefallen, das Gesetz steht hier vor einem Umbruch.

Es werden mehrere Sichtweisen beleuchtet, durch Nebenfiguren Input gegeben, auch die Kirche kommt ausführlich zu Wort. Fakt ist, dass die Gesetzeslage zwar eindeutig ist, aber trotzdem eine Menge Auslegungsspielraum bietet. Warum in einem Fall so, im anderen anders entscheiden? Wie selbstbestimmt darf der Mensch sein, wenn es um seinen Tod geht? Auf jeden Fall eine juristische Grauzone und ein Thema, das wahrlich zum Nachdenken anregt.

In Rückblenden wird die Vergangenheit von Max und Jonas und auch deren Umfeld beleuchtet. An manchen Stellen für meinen Geschmack ein wenig zu ausführlich, was die Spannung in der Mitte des Buches etwas abflachen lässt. Dennoch ergibt schlussendlich alles einen Sinn und verdeutlicht so manche Verhaltensweise.

Vor allem den Gerichtsprozess zum Ende hin fand ich extrem spannend und die Herangehensweise von Jonas. Einfach nur clever und ich gehe mit seiner Meinung völlig d‘accord. Aber lest selbst, es lohnt sich. Bleibt zu hoffen, dass durch die Politik in den kommenden Jahren Bewegung in die Rechtsprechung zu diesem Thema kommt. Denn schließlich steht schon im Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Also sollte das auch für ein würdevolles Sterben gelten.

Kerstin at Mittwoch, Juni 1st, 2022 | Filed under: Literatur allg.,Thiele, Markus,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off
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