Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Category: Thriller/Krimi

 

Autor:

Michael Meisheit
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453439825
Taschenbuch: 446 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Atemlose Spannung von der ersten Seite an

Zum Inhalt:

Einem Forscherteam ist es gelungen, Menschen einen Chip in den Sehnerv zu implantieren, durch den alles, was sie sehen, live und für jeden sichtbar auf Bildschirme übertragen wird. Die Markteinführung ist von langer Hand und mit großem Aufwand geplant. Tage zuvor entdeckt eine ehemalige Mitarbeiterin die Streams und wird Zeuge eines Mordes. Offenbar wissen die Probanden nichts von dem Chip und sollen nach und nach ausgeschaltet werden. Sie wendet sich an eine Kollegin von früher und diese an die Polizei. Für Nina Kreutzer und Tim Börde beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn keiner weiß, wer die Probanden sind und der Killer ist gnadenlos.

Meine Meinung:

Wow, ich habe schon länger keinen so spannenden Thriller gelesen. Bereits mit dem Prolog fesselt der Autor und zieht den Leser in die Geschichte. Dann geht es Schlag auf Schlag. Lange ist der Killer seinen Verfolgern einen Schritt voraus, was ganz schön an den Nerven zerrt. Durch geschickte Cliffhanger und den Wechsel der Perspektiven zwischen Ermittlern und Profikiller entsteht das Bedürfnis, das Buch gar nicht mehr aus der Hand zu legen. Die Handlung erstreckt sich gerade mal über ca. 2 oder 3 Tage, aber dabei passiert so viel, dass man kaum folgen kann. Schlussendlich kommt es zu einem mörderischen Showdown, der dann noch mal alles toppt.

Die entstehende Liebesgeschichte zwischen Ärztin und Polizist passt nicht wirklich in den Zeitrahmen, wird aber auch nur ganz kurz angerissen, sodass es sich nicht störend auswirkt. Ich mochte beide Hauptfiguren, obwohl sich Tim schon nach kurzer Zeit ziemlich dem Einfluss von Nina ergibt. Ein paar Klischees werden bedient, kein Böser kommt davon, dafür ein paar zu viele der Guten. Dennoch sind die wirklich wichtigen Personen wunderbarerweise vom Glück begünstigt.

Die Möglichkeiten dieser Technologie sind gar nicht mal so abwegig und daher schon irgendwo beängstigend. Alles in allem ein perfekt inszenierter Plot, der sicher auch vor der Kamera ein Highlight darstellen würde. Nicht umsonst schreibt der Autor auch Drehbücher und arbeitet im Fernsehgeschäft. Es besteht also die Hoffnung auf eine Verfilmung.

Ich kann jedem Fan rasanter Thriller mit einem kleinen Scifi-Touch den Roman nur wärmstens empfehlen und werde Michael Meisheit im Auge behalten.

Kerstin at Sonntag, Mai 17th, 2020 | Filed under: Meisheit, Michael,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Markus Thiele
Verlag: Benevento Verlag
ISBN-13: 978-3710900914
Gebundene Ausgabe: 407 Seiten
Persönliche
Wertung:

Was ist Recht, was Gerechtigkeit?

Inhalt:

Es ist die größte berufliche Herausforderung für Strafverteidiger Hannes Jansen. Er soll einen Polizisten vertreten, der des Mordes an einem Asylbewerber angeklagt ist. Neue Beweise lassen auch Hannes an seiner Unschuld zweifeln, aber es ist nicht seine Aufgabe, Recht zu sprechen. Der Zufall will es, dass er sich ausgerechnet in die Pathologin Sophie Tauber verliebt, die ihm kurz darauf als Gegner vor Gericht gegenübersteht. Er muss eine Entscheidung treffen, die ihm alles abverlangt.

Auch über Sophies Vergangenheit liegen Schatten, die sie lüften möchte. Dabei stößt sie auf ein Familiengeheimnis, das bis in die Zeit des NS-Regimes zurückreicht. Wird sie ihren verschollenen Vater finden und kann sie ihm verzeihen, dass er sie noch ungeboren im Stich ließ?

Meine Meinung:

Markus Thieles Roman „Echo des Schweigens“ ist angelehnt an die wahren Geschehnisse um den Tod von Oury Jalloh im Jahr 2005, dessen Hintergründe bis heute ungeklärt sind. Mich hat der Autor von der ersten Seite an mit seiner Schreibweise in den Bann gezogen. Obwohl der Gerichtsprozess schlussendlich weniger Raum einnimmt, als von mir anfänglich erwartet, vermittelt Markus Thiele, der selbst Rechtsanwalt ist, verständlich seine Erfahrungen. Mir war bisher nicht bewusst, in welchen starken Gewissenskonflikt man als Anwalt im Falle der Schuld seines Klienten geraten kann. Ein Beruf, der definitiv nichts für mich wäre.

Natürlich beruht die Liebesgeschichte von Sophie und Hannes und erst recht ihre sich langsam aufdeckende gemeinsame Vergangenheit auf ein bisschen zu viel Zufall, aber sei es drum, es ist ein Roman. Erst spät eröffnen sich die Zusammenhänge und es wird wild in der Zeit umhergesprungen. Da es aber gut gekennzeichnet war und die handelnden Personen nicht überhandnahmen, störte mich das keineswegs. Im Gegenteil, der im Nazideutschland handelnde Teil wusste mich besonders zu faszinieren, berühren mich Schicksale aus dieser Zeit doch immer wieder sehr.

Dem Autor gelingt es, den Schwerpunkten seines Romans die für meinen Geschmack genau richtige Wichtung zu geben. Die Liebesgeschichte findet nur am Rande statt, bietet gegenüber den beiden anderen eher dramatischen Teilen (hochbrisanter aktueller Gerichtsfall und Verbrechen im NS-Deutschland, beide an wahre Ereignisse angelehnt) jedoch eine willkommene positive Ausrichtung.

Wer einen reinen Justizthriller erwartet, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein. Es ist eher eine dramatische Familiengeschichte, wo die Hauptprotagonisten sich am Ende in einem Gerichtsprozess gegenüberstehen und zwischen Moral und dem Wunsch nach Gerechtigkeit den richtigen Weg finden müssen. Für mich eine interessante Neuentdeckung auf dem Buchmarkt und unbedingt weiterzuempfehlen.

Kerstin at Sonntag, März 22nd, 2020 | Filed under: Historisch,Literatur allg.,Thiele, Markus,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426524404
Klappen-broschur: 350 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Brandheiße Fortsetzung, die es in sich hat

Zum Inhalt:

Nach den aufwühlenden Ereignissen am Kieler Institut für Rechtsmedizin, die nicht nur Paul Herzfeld, sondern auch seine Verlobte nachhaltig im täglichen Leben beeinflussen, verordnet ihm sein Chef eine Auszeit. Er soll vertretungsweise die Pathologie in Itzehoe übernehmen, nachdem sein Vorgänger dort Suizid beging. Doch wirkliche Ruhe gibt es in Herzfelds Leben nicht. Er stößt auf jede Menge Ungereimtheiten, was den Tod von Dr. Petersen betrifft und wird bei seinen Nachforschungen von mehreren Stellen ausgebremst. Er ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat und ihm schon bald eine Profikillerin auf den Fersen ist. Es gilt einen unfassbaren Skandal aufzudecken, sofern ihm die Zeit dafür bleibt …

Meine Meinung:

Die Fortsetzung von „Abgeschlagen“, die zeitlich unmittelbar nach den dortigen Ereignissen einsetzt, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Das Buch ist von der ersten Seite an superspannend und die kurzen, prägnanten Kapitel verführen zum ständigen Weiterlesen.

Anders als in Band 1 ist hier lange unklar, worum es eigentlich geht und erst nach und nach an der Seite von Paul Herzfeld kommt der Leser an die Hintergründe eines riesigen Skandals. Eine eiskalte Killerin, rasante Verfolgungsjagden und aufzudeckende Geheimnisse, was will ein Thrillerleser mehr.

Gekonnt lässt Michael Tsokos auch wieder Fälle aus seiner eigenen rechtsmedizinischen Praxis in die Geschichte einfließen, die sicher nicht für jedermann leicht verdaulich beschrieben sind, aber trotzdem enorm interessant. Wer hier zimperlich ist, sollte kein True Crime lesen.

Die zweite ständige Bedrohung für Paul Herzfeld, die aus Band 1 resultiert und zum Ende des Buches zur Gewissheit wird, heizt die Neugier auf den Abschlussband der Trilogie natürlich extrem an und lässt die Wartezeit bis dahin schwer erträglich erscheinen.

Kerstin at Montag, Februar 24th, 2020 | Filed under: Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3426524381
Klappen-broschur: 410 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

True Crime vom Meister

Zum Inhalt:

Paul Herzfeld ist seit einem Jahr am Kieler Institut für Rechtsmedizin. Sein egozentrischer Chef, Professor Schneider, hat nur ein Ziel: sich durch eine möglichst bahnbrechende Aufklärung eines brutalen Mordes hervorzutun und dadurch den demnächst vakanten Posten des Leiters des Instituts zu erlangen. Doch bei den letzten Obduktionen verhält sich Schneider seltsam und Herzfeld lassen gewisse Ungereimtheiten keine Ruhe. Als auch noch der Hausmeister Hansen sich ihm mit einem Geheimnis anvertraut, muss Herzfeld schon bald nicht nur um seines, sondern auch um das Leben seiner Familie bangen.

Meine Meinung:

Nachdem man in „Abgeschnitten“ (gemeinsam mit Sebastian Fitzek) bereits schon mal von Paul Herzfeld lesen durfte, widmet sich der anerkannte Forensik-Experte Professor Michael Tsokos nunmehr in einer Trilogie den beruflichen Anfangsjahren der Figur und startet mit „Abgeschlagen“.

Das Cover mit der Machete ist schlicht, aber sehr eindrucksvoll und eines guten Thrillers würdig. Die Geschichte startet dann auch spannend und der Leser steht direkt mitten im Geschehen. Bei den Beschreibungen der verschiedenen Sektionen kommt natürlich das große Fachwissen von Tsokos zum Tragen, für meinen Geschmack fast ein wenig zu detailliert. Hier zeigt der Roman dann auch ein paar Längen und reißt erst zum Ende hin beim packenden Showdown wieder richtig vom Hocker.

Das liegt wohl aber auch daran, dass der Täter sehr früh feststeht und es quasi kaum Überraschungen oder Wendungen gibt. Dennoch ist der Thriller flüssig und solide geschrieben und weiß zu unterhalten. Die recht kurzen Kapitel und jeweils genauen Standortangaben sind dabei sehr hilfreich.

Ich bin schon gespannt, wie es mit Herzfeld weitergeht und werde sicher auch die Folgebände lesen. Für Fans von True Crime sicher nicht die falscheste Wahl.

Kerstin at Mittwoch, Februar 12th, 2020 | Filed under: Thriller/Krimi,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Arno Strobel
Verlag: Fischer
ISBN-13: 978-3596703944
Klappen-broschur: 364 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Die perfekte Auszeit – oder doch nicht?

Inhalt:

Digital Detox lautet das Zauberwort. Ein Reiseunternehmen möchte dieses besondere Erlebnis in seinen Katalog aufnehmen und akquiriert dazu eine Gruppe von jungen Leuten als Testpersonen. Fünf Tage ohne Handy, Internet und jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Was als spannendes Experiment beginnt, wird schnell lebensgefährlich, als in dem durch extremen Schneefall total von der Welt abgeschlossenen Bergsteigerhotel bereits in der ersten Nacht einer der Teilnehmer brutal verstümmelt wird und kurz darauf stirbt. Einer von ihnen muss ein Mörder sein – und wer ist der Nächste auf seiner Liste?

Meine Meinung:

Mit „Offline“ hat mich Arno Strobel seit Längerem mal wieder vollends überzeugt. Die Idee einer digitalen Auszeit in unserer heutigen technikabhängigen Welt ist schon mal spannend, die Umsetzung ist es auch. Natürlich kein ganz neuer Plot – eine von der Außenwelt abgeschnittene Gruppe, in der ein Mörder sein Unwesen treibt. Damit hatte bereits Agatha Christie Erfolg. Aber schließlich kann man das Rad nicht immer wieder neu erfinden.

Ich mag solche Psycho-Experimente, wo Personen mit unterschiedlichsten Charakteren in Extremsituationen aufeinandertreffen. Wo jeder jeden verdächtigt und so nach und nach auch bei fast jedem eine Leiche im Keller gefunden wird, sodass zumindest die Möglichkeit besteht, er wäre der Täter. So kann man als Leser fleißig miträtseln. Die Auflösung habe ich in ähnlicher Form zwar erahnt, aber der Weg dorthin war dennoch außerordentlich aufreibend.

Vor allem aus der Perspektive eines der Opfer zu lesen, war extrem aufwühlend. Unvorstellbar, was ein Mensch in dieser Situation wohl durchmachen muss. Hier beweist der Autor extremes Einfühlungsvermögen.

Ich kann im Moment wirklich nur noch sehr wenig privat lesen und brauche teilweise unheimlich lange für ein Buch. Mit „Offline“ hat es Arno Strobel jedoch geschafft, mich bedingungslos an seine Geschichte zu fesseln und das Buch in kürzester Zeit zu beenden. Daumen hoch und weiter so, lieber Arno!

Kerstin at Mittwoch, Januar 8th, 2020 | Filed under: Strobel, Arno,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Ernest Nybørg
Verlag: Verlag Edition AV
ISBN-13: 978-3868412109
Taschenbuch: 320 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Die Spur des Geldes

Inhalt:

Eher durch Zufall stößt die Journalistin Lena Halberg auf der Suche nach einer neuen Story auf den mysteriösen Selbstmord eines Bankers. Sie nimmt die Fährte auf und wird in den Panama-Papers fündig. Martin Kurkov, ein eiskalter Finanzhai, der sich gern als Kunst-Mäzen und Förderer des jungen Cellisten Andrej Majinski präsentiert, scheint in diverse krumme Geschäfte verwickelt zu sein. Wie schmutzig diese sind und dass sich Lena auf der Jagd nach Beweisen in höchste Gefahr begibt, bemerkt sie fast zu spät.

Meine Meinung:

Eigentlich schien die Geschichte um Lena Halberg mit dem letzten Teil der Trilogie (Paris ‘97, New York ‘01 und London ‘05) von Ernest Nybørg beendet, aber die Journalistin ist zurück und kein bisschen ruhiger geworden. Sie lebt mittlerweile in der Nähe von Bozen und arbeitet für einen italienischen Sender. Nachdem sie einen Aufhänger gefunden hat, verbeißt sie sich in gewohnter Manier in die Story und trotzt jeder Gefahr. Das tut sie für meinen Geschmack manchmal ein wenig zu verantwortungslos und ohne Rücksicht auf ihr Umfeld.

Der Autor hat einmal mehr hervorragend recherchiert und bedient sich echter Pressemeldungen, um daraus eine spannende Story zu konstruieren. Diese wirkt denn auch äußerst authentisch und wirklichkeitsnah. Die Spannung nimmt diesmal etwas langsamer Fahrt auf und auch der Leser muss eine anfängliche Verwirrung aufgrund recht vieler Schauplätze in Kauf nehmen. Die Jagd nach Informationen und verschiedenste Verbrechen führen quer über den Erdball und verdichten sich zu einem Sog, dem man sich spätestens ab der Hälfte des Buches nicht mehr entziehen kann.

Natürlich sind die Hintergründe der Bücher der Trilogie aufgrund ihrer Brisanz und Öffentlichkeitswirksamkeit für viele sicher noch spannender zu lesen, ich bilde da keine Ausnahme, aber wer sich für politische Verstrickungen speziell auf dem Finanzsektor interessiert, ist mit diesem Roman definitiv gut bedient. Ein Thriller, der einen mitfiebern lässt, aber auch nachdenklich macht.

Kerstin at Dienstag, Dezember 3rd, 2019 | Filed under: Nybørg, Ernest,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Adriana Jakob
Verlag: Selfpublishing
ISBN-13: 978-3748163299
Taschenbuch: 371 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Mord im Freundeskreis

Inhalt:

Als Kommissar Rauch nach einem feucht-fröhlichen Klassentreffen mit einem Kater erwacht, rechnet er nicht damit, umgehend mit einem äußerst persönlichen Fall konfrontiert zu werden. Denn ausgerechnet in der Turnhalle seiner alten Schule wird eine Leiche gefunden. Und Rauch kennt nicht nur das Opfer sehr gut, sondern vermutlich auch den Täter. Er weigert sich jedoch, daran zu glauben, dass einer seiner engsten Freunde ein Mörder sein könnte. Seine geschätzte Kollegin und Fallanalytikerin Dr. Sophie Hagen hilft ihm bei den Ermittlungen, bei denen Rauch den Täter vorerst bewusst außerhalb seines Freundeskreises auf die Spur kommen will.

Meine Meinung:

Die erfolgreiche Autorin Adriana Popescu wagt sich mit neuem Pseudonym erstmals ins Krimi-Genre, welches sie persönlich sehr schätzt. Ich war gern bereit, ihren Kommissar Rauch bei seinem ersten Fall zu begleiten.

Das Buch liest sich äußerst flüssig, hält unter anderem auch aufgrund der kurzen und dialoglastigen Kapitel konstant ein hohes Spannungsniveau und lässt den Leser bis zur Auflösung miträtseln. Auf dem Weg dahin gibt es die ein oder andere überraschende Wendung. Genau so, wie ich es mag. Allerdings hat der Kommissar an der erfolgreichen Klärung des Falls keinen wirklich großen Anteil. Beinahe täglich fliegt ihm quasi ein neues Detail zu, wobei auch Kollege Zufall keine kleine Rolle spielt, und schlussendlich setzt sich das Puzzle eher selbsttätig zusammen.

Dass der Autorin ihr Stuttgart sehr am Herzen liegt, spürt man auf jeder Seite. Obwohl ich die Stadt noch nie besucht habe, wird alles so bildhaft beschrieben, dass ich mir vieles gut vorstellen konnte und der Wunsch in mir erwachte, ihr einmal einen Besuch abzustatten.

Besonders gelungen fand ich die Charakterisierung der Figuren. Nicht nur Rauch und seine Kollegin Hagen sind eindrucksvoll skizziert mit all ihren persönlichen Problemen, auch die weiteren Nebenfiguren wie EDV-Genie Frederike Jansen, der Gerichtsmediziner oder auch Kollege Dörflinger machen einen sehr sympathischen Eindruck, sodass man einfach mehr von ihnen lesen möchte. Es gibt keine explizite Liebesgeschichte, aber so ein bisschen unterschwellig ist bei Hagen und Rauch etwas zu spüren. Ich glaub, da geht noch was. Zu sehr leidet Rauch unter einem möglichen Verlust seiner Kollegin.

Was mir ein wenig Schwierigkeiten bereitet hat beim Lesen waren die Namen. Es wird von der Person relativ willkürlich mal mit Vor-, mal mit Nachnamen, mal mit Berufsbezeichnung gesprochen. Da Sophie nun aber mit Hagen auch noch einen Nachnamen hat, der ebenfalls als Vorname vorkommt und in meinem näheren Umfeld sehr präsent ist, hatte ich mitunter Schwierigkeiten bei der Geschlechterzuordnung.

Die Mischung zwischen persönlichen Befindlichkeiten der Ermittler und dem Fortgang der Ermittlungen war perfekt ausgeglichen, sodass nichts auf der Strecke blieb. Potential für weitere spannende Fälle ist auf jeden Fall gegeben und ich kann den Krimi Liebhabern weniger blutrünstiger Geschichten, die dafür aber viel Lokalkolorit und ausgefeilte Charaktere zu bieten haben, sehr empfehlen.

Kerstin at Montag, Juli 1st, 2019 | Filed under: Jakob, Adriana,Popescu, Adriana,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Nina Laurin
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-65411-8
Klappen-broschur: 376 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Wenn der böse Zwilling dich in den Abgrund zieht

 

Zum Inhalt:

Andrea Boudreaux hat ihr Leben mehr schlecht als recht im Griff. Es ist zwölf Jahre her, dass sie schwer verletzt der Flammenhölle entkam, bei der ihre Eltern den Tod fanden. Ihr Zwillingsbruder Eli, ein Sonnyboy und bei allen beliebt, wurde damals des Mordes bezichtigt und weggesperrt. Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuß und dringend tatverdächtig, ein junges Mädchen aus Andreas Umfeld getötet zu haben. Schnell wird ihr bewusst, dass Eli auf einem Rachefeldzug ist. Wird er auch vor ihr nicht Halt machen?

 

Meine Meinung:

„Böser als du denkst“ ist mein erster Thriller von Nina Laurin. Die Autorin hat es geschafft, mich an das Buch zu fesseln. Vor allem spielt sie gekonnt mit den Erwartungen des Lesers, lässt ihn immer wieder schwanken, wer gut, wer böse, wer Täter, wer Opfer ist. Letzten Endes ist nichts, wie es scheint und es gibt immer wieder Überraschungen.

Durch die Zeitsprünge in die Vergangenheit vor dem Brand werden das Leben und die unterschiedliche Entwicklung der Zwillinge gut beleuchtet. Handlungsweisen in der Jetztzeit dadurch nachvollziehbarer. Dennoch fehlt immer das letzte Stückchen Wahrheit, das dem Ganzen einen Sinn verleiht.

Zugegeben, einige Entwicklungen konnte ich als geübter Thrillerleser gut voraussehen, anderes hat schlussendlich auch mich auf die falsche Fährte gelockt. Das Buch endet in einem atemberaubenden Showdown, der keine Fragen offen lässt, aber dennoch Zweifel, ob man sich diesen Ausgang gewünscht hätte.

Das Buch ist ein gelungener Coup für Thrillerfans, denen es mehr um die Psyche als um das Vergießen von literweise Blut geht, und glänzt durch seine Undurchschaubarkeit sowie die gekonnte Verwirrung, in die der Leser versetzt wird.

Ich danke dem Knaur Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin at Donnerstag, April 11th, 2019 | Filed under: Laurin, Nina,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426281536
Gebundene Ausgabe 377 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Albtraum in der Psychiatrie

 

Zum Inhalt:

Till Berkhoffs siebenjähriger Sohn Max wurde vor einem Jahr entführt und alles deutet darauf hin, dass er eines der Opfer des sadistischen Mörders Guido Tramnitz ist. Dieser sitzt zwischenzeitlich im Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Anstalt ein. Getrieben von dem Wunsch, von seinem Sohn Abschied zu nehmen, lässt sich Till mithilfe seines Schwagers, der bei der Polizei arbeitet, in die Klinik einschleusen und nimmt einiges auf sich, um in Tramnitz‘ Nähe zu gelangen und von ihm die Wahrheit zu erfahren. Doch damit beginnt erst ein Albtraum unvorstellbaren Ausmaßes.

Meine Meinung:

Nachdem mich einige der letzten Fitzeks nicht mehr vollständig überzeugen konnten, hat der Meister des Psychothrillers sich mit „Der Insasse“ selbst übertroffen. Endlich hatte ich mal wieder das berauschende Gefühl, alles stehen und liegen lassen zu müssen, um mit dem Buch voranzukommen und der Lösung entgegenzufiebern. Das hat mir in letzter Zeit viel zu oft gefehlt.

Wir haben einen abgrundtief bösen Mörder, der sich in seiner Rolle gefällt und in der Anstalt bestens aufgehoben fühlt. Seine Taten sind sadistisch, aber die Beschreibung bleibt so weit an der Oberfläche, dass es gut zu verkraften ist, auch wenn es um Kinder geht. Wer hier noch empfindlich reagiert, sollte keine Thriller lesen. Es gibt nicht zu viele Hauptfiguren, sodass man gut folgen kann, obwohl so ziemlich jeder in und um diese Anstalt als keinesfalls „normal“ gelten kann.

Ja, die Grundidee ist an einen gewissen Blockbuster angelehnt, was die Story um Till Berkhoff ein wenig vorhersehbar macht, wenn man ihn kennt. Nichtsdestotrotz versteht es Fitzek, die Spannung von der ersten bis zur letzten Minute aufrecht zu erhalten. Zum Ende hin wird sie nahezu unerträglich. Und er schafft es dennoch, eine für mich überraschende Wendung einzubauen. Er stiftet Verwirrung, die sich schlussendlich aber erklärbar auflöst, womit ich z. B. beim „Nachtwandler“ größere Schwierigkeiten hatte.

Deutliche Sprache, kurze, prägnante Sätze, mit Cliffhanger endende Kapitel. Das ist genau der Fitzek, den ich mag. Also alles bestens. Ich bin zufrieden mit seinem neuesten Werk und halte es sowohl für Neuleser also auch Wiedereinsteiger sehr gelungen.

Kerstin at Freitag, März 8th, 2019 | Filed under: Fitzek, Sebastian,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Martin Krist
Verlag: Selfpublishing
ASIN: B07FN5QS1W
E-Book: 232 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Kommissar Henry Frei ermittelt wieder

Inhalt:

In Berlin ist ein Serienmörder am Werk. Die Opfer scheinen absolut willkürlich ausgewählt und die Ermittler hinken immer ein wenig hinterher. Kriminalkommissar Henry Frei muss sich wieder an seinen früheren Chef und Freund Oskar Marek wenden, der immer mehr zum Verdächtigen wird. Doch wer hält die Polizei wirklich zum Narren? Und warum kann die gerade noch überglückliche Rebecca ihrem Freund Andreas, dem sie eigentlich einen Heiratsantrag machen wollte, plötzlich überhaupt nicht mehr trauen?

Meine Meinung:

Mit „Stille Schwester“ knüpft Martin Krist unmittelbar an den ersten Henry Frei-Thriller „Böses Kind“ an. Es ist nicht unbedingt nötig, diesen zu kennen, erhöht jedoch das Lesevergnügen. Einige Fragen aus dem ersten Band werden nun beantwortet, noch viel mehr neue jedoch aufgeworfen.

Der tempohafte Schreibstil des Autors sollte einem liegen. Schauplätze und Personen wechseln sehr häufig nach oft kurzen Kapiteln, die auch noch meist mit einem Cliffhanger enden. In einer E-Mail, die der Kommissar offenbar ganz am Ende erhält, lässt Martin Krist auch den Täter wieder zu Wort kommen, was ich immer unglaublich interessant finde, wobei mich seine Motivation diesmal nicht wirklich überzeugte.

Richtig spannend wurde es für mich auch erst im letzten Drittel, wo es dann wirklich Schlag auf Schlag ging. Einige Nebenschauplätze, auch die Story um Rebecca und Andreas, fand ich nicht wirklich notwendig, aber dann wäre der Roman ja noch kürzer geraten. Über allem schwebt natürlich die mehrere Romane übergreifende Story um Marek und seine verschwundene Tochter Alanna, auf deren Auflösung ich wirklich gespannt bin. Auch das komische Verhalten von Frei gibt jede Menge Rätsel auf. Daher ist zu hoffen, dass der nächste Teil nicht gar zu lange auf sich warten lässt.

Kerstin at Freitag, November 23rd, 2018 | Filed under: Krist, Martin,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Comments off
Kerstins Bücherreich Besucher: web site traffic statistics