Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

Archives: November 2020

 

Autor:

Maxim Voland
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492070713
Gebundene Ausgabe 525 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Actionreicher Agententhriller basierend auf faszinierender Idee

Inhalt:

1949 – eine alternative Geschichte. Es entsteht eine gesamtdeutsche DDR mit der kleinen autonomen Zone West-Berlin. Heute – ein moderner Überwachungsstaat, führend in Europa. Doch ist wirklich alles so rosig, wie nach außen dargestellt? Als eine Giftgaswolke zahlreiche Tote in beiden Teilen Berlins fordert, ist dies der Auftakt zu einer gigantischen Verschwörung. Ein alternder Stasi-Oberst, der dem System längst abgeschworen hat, eine britische Agentin des Geheimdienstes in West-Berlin sowie eine rebellierende junge DDR-Bürgerin nebst ihres zu Besuch im Land weilenden Cousins aus Frankreich werden involviert und sind gezwungen, eine Katastrophe höchsten Ausmaßes zu verhindern.

Meine Meinung:

Ich hatte, als ich das Buch bekam, herauszufinden versucht, welcher Bestseller-Autor sich hinter Maxim Voland verbirgt. Es war mir nicht gelungen. Nun ist das Geheimnis gelüftet und es wundert mich nicht, dass ich mit dem Schreibstil ganz gut zurechtgekommen bin, denn ich habe schon ein paar ähnlich spannende Bücher, wenn auch aus dem Fantasy-Bereich, von Markus Heitz gelesen.

Ausschlaggebend, mich des Buches anzunehmen, war allerdings die faszinierende Idee einer alternativen DDR. Ich wollte unbedingt wissen, wie diese aussehen könnte. Verpackt in einen spannenden Thriller – umso besser. Wie die Spaltung Deutschlands in sehr vielen Köpfen noch immer präsent ist, wird es auch bei den Lesern aus Ost und West bestimmt ganz unterschiedliche Meinungen geben. Sicher auch eine Altersfrage, denn die Jugend kann ganz unbelastet an das Gedankenexperiment herangehen.

Mir persönlich, die erst während der Berufsausbildung die Wende erlebte, hat es gefallen, die ganzen Begrifflichkeiten und Situationen der „alten“ DDR wiederauferstehen zu lassen. Im Prinzip hat sich ja nichts verändert, nur der Fortschritt hat Einzug gehalten. Wie das in dem maroden System und mit Planwirtschaft funktioniert hat, bleibt weitestgehend außen vor. Auch echte DDR-Bürger trifft man im Buch kaum, zumindest haben sie kein langes Leben. Dahingehend hatte ich mir etwas mehr versprochen.

Stattdessen erleben wir diverse Geheimdienste, Stasi, Mafia, NVA und einen unbescholtenen Bürger aus dem Ausland im Wettlauf gegen eine unbekannte Macht, die ohne Rücksicht auf viele Menschenleben ihre Ziele mittels alter Nazi-Waffen erreichen will. Im Groben bewegen wir uns auf drei Handlungsebenen, die gut zu unterscheiden sind durch Voranstellung des jeweiligen Handlungsortes und am Ende geschickt miteinander verknüpft werden.

Nachdem es noch recht gemächlich beginnt, geht ab ca. dem zweiten Drittel echt die Post ab. Ein Gemetzel jagt das nächste, wobei man bei den Beschreibungen nicht zu zimperlich sein sollte, und Leichen pflastern den Weg. Einzig unsere Hauptfiguren bleiben natürlich nahezu unbehelligt. Das war mir an einigen Stellen tatsächlich etwas zu viel. Selbst ein Staat, der Meister im Vertuschen ist, sollte Schwierigkeiten haben, so viele Opfer zu erklären. Generell erschien mir vieles dann auch unglaubwürdig, ohne näher ins Detail gehen zu wollen.

Das Buch ist spannend und actionreich, keine Frage. Der kleine französische Dolmetscher rettet schlussendlich fast im Alleingang halb Europa. James Bond lässt grüßen. Definitiv gute Unterhaltung und mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Mit dem Nachwort spricht mir der Autor aus dem Herzen. Vieles hätte anders laufen können und sollen, vielleicht gäbe es dann jetzt auch eine etwas andere BRD.

Kerstin at Donnerstag, November 19th, 2020 | Filed under: Thriller/Krimi,Voland, Maxim | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Autor:

Kristina Valentin
Verlag: Diana
ISBN-13: 978-3453360648
Taschenbuch: 319 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Manchmal rückt ein Blitz alles ins richtige Licht

Inhalt:

Am Abend ihres perfekt vorbereiteten 46. Geburtstags wird Felicitas vom Blitz getroffen. Sie erholt sich gut, jedoch fehlt ein komplettes Jahr in ihrer Erinnerung. Sie selbst hat sich offenbar zu ihrem Nachteil verändert und auch ihre Schwester und beste Freundin verhalten sich eigenartig. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit lernt sie sich neu kennen und findet in ihrem neuen Arbeitskollegen Sebastian eine verwandte Seele.

Meine Meinung:

Erneut ist Kristina Valentin, die auch als Kristina Steffan und Kristina Günak veröffentlicht, ein herzerwärmendes Buch gelungen. Auf ruhige Art, mit leisen Tönen, aber auch immer wieder mit dem ihr eigenen Humor lässt uns die Autorin Felicitas auf dem Weg ihrer Selbstfindung begleiten. Die Protagonistin ist in meinem Alter, weswegen ich ihre Handlungsweisen und Gedanken gut nachvollziehen konnte. Sebastian ist ein wirklicher Schatz, ein Kollege und Freund, wie man ihn sich nur wünschen kann. Ganz sicher geht auch noch mehr zwischen beiden, aber die Liebesgeschichte ist eher nur angedeutet und wird Erwartungen der Leser in dieser Richtung vielleicht eher enttäuschen.

Vielmehr geht es darum, dass die Hauptfigur sich von alten Verhaltensmustern löst, ihre selbst auferlegten Fesseln sprengt und endlich ihren eigenen Weg geht. Das beschreibt die Autorin auf anrührende Weise und in einem wunderbar zu lesenden Schreibstil.

Das erste Mal habe ich in einem Buch Näheres über das Bestattungswesen erfahren, da Felicitas und auch Sebastian dort tätig sind. Persönlich hatte ich damit zum Glück noch keine oder nur wenig Berührungspunkte, aber bei Bedarf würde ich mir genau so einen Partner in dieser schweren Zeit an der Seite wünschen. Man merkt der Geschichte an, dass die Autorin sich intensiv damit auseinandergesetzt und gut recherchiert hat.

Insgesamt ist „Herzblitze“ ein Roman der leisen Töne, gut passend zur Jahreszeit, der aber auch Mut macht, seinen eigenen Weg zu gehen und Abhängigkeiten abzustreifen. Von mir sehr gern eine warmherzige Weiterempfehlung.

Kerstin at Sonntag, November 1st, 2020 | Filed under: Günak, Kristina,Steffan, Kristina,Valentin, Kristina | RSS 2.0 | TB | Comments off
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