Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)

 

Autor:

Stefanie Lasthaus
Verlag: Heyne
ISBN-10: 3453317291
Klappen-broschur: 399 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Frostiges Wintermärchen mit bittersüßer Lovestory

Zum Inhalt:

Nach einem bösen Streit mit ihrem Freund Gideon flieht die junge Neve Whitmore in die eiskalte kanadische Winternacht. Gerade noch rechtzeitig findet sie der Künstler Lauri Kenneth, der in der Nähe über die Feiertage eine Waldhütte gemietet hat, und pflegt sie aufopferungsvoll. Schon bald entwickeln sich zarte Bande zwischen ihnen. Doch in Neve hat sich etwas verändert und um Lauri nicht in Gefahr zu bringen, muss sie ihn verlassen. Denn eine alte Macht hat anderes mit ihr im Sinn.

Meine Meinung:

„Das Frostmädchen“, welches sich durch ein sehr passend gewähltes, stimmiges Cover auszeichnet, ist ein frostig-kaltes Wintermärchen, was hervorragend in die aktuelle Jahreszeit passt. Insgesamt ein eher ruhiges Buch, außer den beiden Hauptfiguren gibt es kaum nennenswerte Nebencharaktere und zwischen beiden im Wechsel wird die Handlung auch erzählt.

Lauri war mir ein wenig sympathischer als Neve, aber sein etwas eigenbrötlerischer und sensibler Charakter entspricht mir auch am ehesten. Neve kann man schwerer einschätzen und gleich zu Anfang passiert ja etwas mit ihr, was ihre späteren Handlungsweisen vielleicht auch nachvollziehbarer macht.

Die Story plätschert eine ganze Weile ziemlich dahin und dreht sich irgendwann ziemlich im Kreis. Das ist der Punkt, der bei mir zu einem Sternchen Abzug führt, aber gegen Ende hin wird es dann richtig spannend und auch mit dem Schluss kann man als Leser leben, auch wenn ich ihn, zumindest für Lauri, auf die Dauer nicht wirklich als zufriedenstellend betrachten würde.

Die Autorin schafft es sehr gut Gefühle zu transportieren, vor allem hat mir aber ihre Beschreibung des kanadischen Winters, inklusive der Jagd durch Sturm und Eis gefallen. Das Ganze ist so atmosphärisch dargestellt, dass ich mir oft zwischendurch einen Tee machen musste, weil mich selbst im wohligen Zuhause eine Gänsehaut überkam. Ich muss allerdings dazusagen, dass ich ein absoluter Sommertyp bin und mir dieses ständige durch den Schnee stapfen ohnehin ein Grausen verursacht hat.

Das Buch zeigt, dass wahre Liebe vielleicht nicht Berge versetzen, aber doch so einiges ändern kann. Daher, wer eine schöne Lovestory zu schätzen weiß, vor eisiger Kälte keine Furcht hat und ein bisschen Magie und Fantasy in seinen Büchern mag, der kann mit diesem Buch so falsch nicht liegen.

Ich danke dem Heyne Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, Januar 22nd, 2017 | Geschrieben unter: Fantasy/Paranormal,Lasthaus, Stefanie,Liebesroman,Linnhe, Stephanie | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Nachdem ich im letzten Jahr gar kein Jahresfazit abgegeben habe, möchte ich diesmal wenigstens kurz auf mein Lesejahr 2016 zurückblicken. Wenn ich mir den Bericht von Anfang 2015 so ansehe (http://www.kerstins-reich.de/buecherreich/?p=1862) so hat sich leider, was meine Vorhaben betrifft, nicht allzu viel verändert.

Ich habe zwar mit 79 Büchern und 23883 Seiten einiges mehr gelesen, das heißt aber nur, dass ich mehr gearbeitet habe, wieder bei viel zu vielen Rezensionsexemplaren hier geschrien habe und mein SUB keine nennenswerte Entlastung erfahren hat. Im Einzelnen sieht das so aus:

- Gesamt: 79
- Korrektorat/Lektorat: 25
- Rezensionsexemplare: 38
- SUB: 16

Von den gekauften Printbüchern habe ich die meisten gelesen, bei E-Books dagegen sieht das anders aus. Da sind so viele neu bei mir eingezogen, dass ich sie wahrscheinlich nicht mal in zwei Jahren schaffen könnte. Es geht aber auch zu einfach, dass man sie mit einem Klick auf dem Kindle hat. Smiley Die Bibliothek, wo ich eigentlich unheimlich gern bin, habe ich auch wieder nur ein einziges Mal aufgesucht.

Das neue Jahr hat lesetechnisch auch nicht wirklich glorreich begonnen. Ich habe fast drei Wochen für die zwei Bücher gebraucht, die ich um den Jahreswechsel herum begonnen habe. Und es stehen auch bereits wieder 4 Reziexemplare an, die gelesen werden wollen. Das heißt, der letzte Fitzek und Strobel, die ich schon längst gelesen haben wollte, werden wohl noch warten müssen, wobei inzwischen jeweils bald schon Neues von ihnen erhältlich sein wird.

Genretechnisch waren es überwiegend Liebesromane, die ich las, ein paar Sachbücher durch die Korrekturen für Lübbe, und auch ein paar Thriller. Mein absolutes Lieblingsbuch jedoch – und das sticht diesmal dermaßen hervor, dass ich es nicht unerwähnt lassen möchte – war ein Jugendbuch, und zwar “Mein bester letzter Sommer” von Anne Freytag. Kein Buch hat mich dermaßen mitgerissen und emotional durchgerüttelt wie dieses.

Empfehlen möchte ich euch auch “Wellenglitzern” von Marie Merburg. Dieses erscheint am 16. März bei Lübbe. Ein wunderbarer Ostsee-Liebesroman voller Humor und Gefühle und natürlich das tolle Setting nicht zu vergessen. Und soeben habe ich die Korrektur des dritten Teils der Lena Halberg-Trilogie von Ernest Nyborg beendet. Dieser erscheint auch im März und es geht darin, wie schon in den ersten beiden Teilen, die ich letztes Jahr las, um die Journalistin Lena Halberg, die den Verflechtungen von Politik, Geheimdiensten und Rüstungsindustrie auf die Spur kommt, indem sie u. a. den Unfall von Lady Diana und die Attentate vom 11. September 2001 sowie London 2005 näher untersucht. Für politisch Interessierte auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

Mehr möchte ich dann auch zu meinem Lesejahr 2016 gar nicht sagen. Ich wünsche mir ein wenig mehr private Lesezeit und gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich in diesem Jahr mal ein paar schon fast vergessene Leseschätze aus meinen Regalen zur Hand nehmen kann. In diesem Sinne, all meinen Lesern noch ein gesundes Jahr mit vielen tollen Büchern!

Kerstin hat am Donnerstag, Januar 5th, 2017 | Geschrieben unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Jennifer Riemek, Michael Kuhn
Verlag: Ammianus
ISBN-10: 3945025435
Taschenbuch: 208 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Bedrückendes Zeugnis, was Menschen einander antun können

Inhalt:

Jakob Bergmann ist gerade vierzehn Jahre alt, als er 1935 immer mehr unter den an die Macht gekommenen Nationalsozialisten zu leiden hat, die die jüdische Bevölkerung systematisch ausgrenzen und schließlich verfolgen bis hin zur geplanten Ausmerzung. Immer wieder muss er fliehen und im Ausland Unterschlupf suchen. Einzig die Liebe zur ein Jahr jüngeren Annie Vries gibt ihm die Kraft und Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden.

Meine Meinung:

„Wir waren doch so jung“ von Jennifer Riemek und Michael Kuhn ist eine Mischung aus einer berührenden fiktiven Geschichte, die getragen wird von einer großen Liebe, und den durch Zeitzeugen belegten wahren Begebenheiten zur Zeit der Judenverfolgung während des Nationalsozialismus. Erzählt wird hierbei die Geschichte zweier jüdischer Familien aus Aachen von 1934 bis 1945 entnommen den Erinnerungen des knapp über siebzig Jahre alten Jakobs.

Sicher gibt es unzählige Bücher über den Holocaust, aber aus der Sicht eines jüdischen Teenagers erzählt, der all die furchtbaren Dinge hautnah erleben muss, habe ich noch keines gelesen. Gerade für junge Menschen, die zunehmend weniger Möglichkeiten haben, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen, ist dieses Buch eine wahre Fundgrube an Informationen, die gleichzeitig spannend und mit sehr viel Feingefühl vermittelt werden.

Die Hauptfiguren waren mir sofort sympathisch und es ist nach wie vor unfassbar, welchen menschenunwürdigen Repressalien das jüdische Volk ausschließlich aufgrund ihres Glaubens damals ausgesetzt war. Sie waren zwar nicht die einzige verfolgte Bevölkerungsgruppe, dennoch in Ausmaß und Grausamkeit beispiellos. Durch die Perspektive des Jakob betrachtet, ist der Leser hautnah dabei und möchte sich vor Abscheu und Mitgefühl mitunter abwenden, aber genau das sollte er nicht tun, ist doch die Bedrohung Andersdenkender auch in Europa längst wieder salonfähig geworden.

Mich hat die Geschichte von Jakob und Annie, die ca. drei Viertel des Buches einnimmt, tief berührt, mitgerissen und lange nicht losgelassen. Die im letzten Viertel mit Belegen nachgewiesenen Aussagen der Zeitzeugen, die genau die Erlebnisse der fiktiven Figuren widerspiegeln, machen das Ganze auf schreckliche Weise noch eindringlicher. Da nicht nur Aachen Schauplatz ist, sondern auch Städte in Holland und Belgien sowie Frankreich, wird die Ausbreitung der braunen Seuche dem Leser deutlich vor Augen geführt.

Ich würde jedem, der sich ein wenig für das Thema interessiert und nicht den Mantel des Vergessens darüber legen möchte, dieses Buch ausdrücklich empfehlen.

Mir wurde „Wir waren doch so jung“ aus dem Ammianus Verlag von als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Bestellen kannst du es auf direktem Weg hier.

Kerstin hat am Sonntag, Januar 1st, 2017 | Geschrieben unter: Biografie,Historisch,Kuhn, Michael,Riemek, Jennifer,Sachbuch | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Nora Roberts
Verlag: Diana
ISBN-10: 3453291824
Gebundene Ausgabe 576 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Vom Fehler ihres Lebens zum verdienten Neuanfang

Inhalt:

Shelby ist gerade mal 24 Jahre alt, als ihr Ehemann Richard verunglückt und sie mit ihrer dreijährigen Tochter Callie allein zurücklässt. Doch nicht nur damit. Sie steht plötzlich auch vor einem riesigen Schuldenberg und muss feststellen, dass ihr Mann ein Lügner und Betrüger war. Völlig verzweifelt flieht sie zurück in ihre Heimat in Tennessee, um im Kreise ihrer Familie einen Neuanfang zu wagen.

Doch ein Detektiv ist ihr auf den Fersen, es geschieht ein Mord und immer neue furchtbare Geheimnisse kommen zutage. Zum Glück gibt es da Griffin, der sich sofort in Shelby verliebt, aber sie und ihre Tochter behutsam umwirbt. Shelby fällt es schwer, nochmals einem Mann zu vertrauen und gerade als sie damit beginnt, gerät ihr Leben in tödliche Gefahr.

Meine Meinung:

Mein letzter Roman von Nora Roberts ist eine Weile her, aber ich mochte die Autorin schon immer sehr gern und wurde auch diesmal nicht enttäuscht. „Ein Leuchten im Sturm“ hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Natürlich kann man sagen, dass die Storyline nicht wirklich neu ist und die meisten Wendungen auch nicht sehr überraschend daherkommen, aber das muss ja nichts Negatives bedeuten.

Ich liebe an Nora Roberts, dass sie es immer schafft, mich völlig in ihren Bann zu ziehen und aus der Realität zu reißen. Man fühlt und leidet an jeder Stelle mit den Protagonisten. Natürlich ist besonders das Kleinstadtfeeling nebst bezaubernder Natur ein großer Pluspunkt. Hier kennt jeder jeden, man hilft und unterstützt einander, wobei es natürlich auch das obligatorische Biest gibt, und die Familie hält auf Biegen und Brechen zusammen.

Natürlich mag Shelby anfangs ein Naivchen gewesen sein, aber sonst wäre sie auch nicht zu Richards Opfer geworden. Und hey, wenn mir jemand mit 19 die Welt zu Füßen legt, klar greift man da zu. Sich danach wieder aus der Schlinge zu befreien, ist, vor allem, wenn ein Kind involviert ist, sicher nicht so einfach. Gerade der große Zusammenbruch und der Schuldenberg, vor dem Shelby nun steht, machen sie zur äußerst starken Frau, wecken quasi die Löwin in ihr, die alles für ihr Kind tun würde.

Deshalb kann ich auch ihre anfängliche Zurückhaltung Griff gegenüber verstehen, obwohl sie ihn und auch den Leser trotzdem immer wieder zu überraschen weiß. Griff ist natürlich ein Hauptgewinn, der sich wohl jede Frau für sich ersehnt. Aber auch die kleine Callie ist einfach bezaubernd, ebenso wie der Rest der Familie, besonders die taffe Grandma.

Ich habe jede Zeile des mitunter ein wenig ausschweifenden Textes genossen und mich in Tennessee gleich zu Hause gefühlt. Einerseits gibt es tolle romantische Momente, andererseits sorgt die ständige Bedrohung, die über allem liegt, für stetes Herzklopfen. Der Showdown ist dann auch wirklich atemberaubend und rundet diesen Pageturner perfekt ab.

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die Liebesromane mit großer Dramatik und einem Touch Thrill mögen.

Ich danke dem Diana-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Montag, Dezember 26th, 2016 | Geschrieben unter: Liebesroman,Roberts, Nora,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

                   

   

 

Autor:

Linus Geschke
Verlag: Edel Elements
ASIN: B01KXQ4GA0 (Band 4)
E-Books: 298 Seiten (gesamt)
Persönliche
Wertung:
,5

 

Die Rezension umfasst alle Teile der Tetralogie!!!

 

Wenn Serienkiller zum Vorbild werden …

Inhalt:

Zwei grausame Morde werden an Liebespaaren im Großraum Köln verübt, die scheinbar in keinem Zusammenhang stehen. Erst durch die Mitwirkung von Fallanalytiker Marco Brock stößt das Team um Kommissarin Eva Lendt auf Parallelen. Bald wird traurige Gewissheit, dass offenbar ein Nachahmungstäter sich die Morde des Zodiac-Killers zum Vorbild nimmt, der Ende der sechziger Jahre in der San Francisco Bay Area in den USA zu Gange war.

Wie sein Vorbild wird der aktuelle Killer immer mordlustiger und spielt mit der Polizei. Eine gnadenlose Jagd zur Vermeidung weiterer Opfer beginnt und die Ermittler können dem Täter nur auf die Spur kommen, wenn sie sich intensiv mit seinem Idol beschäftigen.

Meine Meinung:

Zum Glück habe ich alle vier Teile der E-Book-Reihe von Linus Geschke gleichzeitig bekommen und konnte sie so direkt hintereinander weg lesen. Sich einen einzelnen Teil rauszupicken macht auch keinen Sinn, denn die Teile fließen ineinander über und sind nicht in sich abgeschlossen. Das macht es auch schwierig, sie einzeln zu bewerten, weshalb sich diese Rezension auch auf das ganze Buch bezieht, welches sicher auch noch mal in der Form erscheinen wird. Einen wirklichen Sinn sehe ich in der Aufsplittung auch tatsächlich nicht. Man liest es entweder ganz oder gar nicht.

Die Idee, einen Killer hierzulande einem der berühmtesten Serienkiller, noch dazu einen der wenigen, der nie identifiziert geschweige denn gefasst wurde, nacheifern zu lassen, ist schon toll, wenn auch nicht total neu. Auch ich habe den Film mit Jake Gyllenhaal gesehen und konnte mich der Faszination dieser Thematik schwer entziehen, weshalb ich sehr neugierig war, was Linus Geschke daraus gemacht hat.

Das Buch als Ganzes betrachtet finde ich wirklich sehr ansprechend. Teil 1 beginnt direkt mit dem ersten Mord und ab da flaut die Spannung eigentlich nie ganz ab. Zwischenzeitlich kommt auch der Killer zu Wort, was mir immer besonders gefällt, weil es ja doch nicht so einfach ist, sich in so jemanden hineinzuversetzen. Die von Brock vorgetragenen Rückblenden zu den realen Ereignissen um den Zodiac-Killer in Amerika bilden eine spannende Vermischung von Fiktion und Realität. Durch Erweiterung des Figurenpools versucht der Autor geschickt, den Leser auf falsche Fährten zu führen, was jedoch nur teilweise gelingt. Die Auflösung ist schlussendlich dennoch eine Überraschung.

Die Hauptfiguren sind vielschichtig und interessant beschrieben. Eva lässt sich ungern von oben reinreden und da kommt ein von sich mehr als überzeugter und ungeheuer arroganter Fallanalytiker gerade recht. Die Kabbeleien der beiden lockern das düstere Thema etwas auf. Brock ist natürlich anfangs der Unsympath schlechthin, gewinnt aber immer Verlaufe der Handlung. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese Ermittlerkonstellation nochmals zum Zuge kommt.

Insgesamt ein wirklich solider und spannender Thriller, obwohl ich ihn eigentlich eher zu den Kriminalromanen zählen würde, da er mich nun auch nicht gerade atemlos gemacht hat. Das größte Manko ist dabei wirklich nur die Teilung, da die einzelnen Parts für sich genommen einfach keinen Sinn ergeben.

Ich danke dem Verlag Edel Elements für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, Dezember 25th, 2016 | Geschrieben unter: Geschke, Linus,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Adriana Popescu
Verlag: cbj
ASIN: B01NCKX5AT
E-Book: ca. 42 Seiten (inkl. Leseprobe)
Persönliche
Wertung:

 

 

Wunderbares Sequel zu “Paris, du und ich”

Eine Inhaltsangabe schenke ich mir hier mal. Adriana Popescu hat ihren Lesern ein wunderbares Weihnachtsgeschenk (und das im wahrsten Sinne, denn diese Kurzgeschichte gibt es gratis) gemacht, indem sie an den Schauplatz ihres Jugendromans „Paris, du und ich“ zurückgekehrt ist.

Das Wiedersehen mit Jean-Luc sowie Emma und Vincent, die offenbar nach wie vor glücklich in Paris leben, hat mir direkt gleich mal die Tränen in die Augen getrieben, wie auch dem alten Mann, der seit langer Zeit mal wieder einen Weihnachtsfeiertag nicht allein verbringen muss.

So lässt er sich auch nicht lange bitten und erzählt den beiden, wie seine große Liebesgeschichte mit Clara im Paris von 1950 angefangen hat. Dies weiß die Autorin gewohnt gefühl- und liebevoll in Worte zu packen, sodass der Leser meint, dabei gewesen zu sein. Leider endet die wirklich kurze Kurzgeschichte viel zu schnell, es folgt noch eine Leseprobe zu „Ein Sommer und vier Tage“ (was wohl ein neues Cover bekommen hat?) und man ist schlagartig wieder im Hier und Jetzt. Sehr schade!

Dennoch habe ich den kurzen Ausflug nach Paris sehr genossen und empfehle jedem, der sie noch nicht kennt, die Geschichte von Emma und Vincent zu lesen.

Kerstin hat am Dienstag, Dezember 20th, 2016 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Liebesroman,Popescu, Adriana | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare


Autor:

Jay Asher
Verlag: cbt
ISBN-10: 3570164792
Klappenbroschur: 314 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Perfekt in die Weihnachtszeit passender Jugend-Liebesroman

Zum Inhalt:

Sierras Familie gehört eine Weihnachtsbaumplantage in Oregon und jedes Jahr fahren sie nach Thanksgiving nach Kalifornien, um ihre Bäume an den Mann zu bringen. Schon seit Kindestagen ist Sierra dabei und hilft, so gut sie kann. Dieses könnte ihr letztes Mal sein, denn die Branche tut sich schwer. Für den einen Monat hat Sierra gewiss nicht vor, etwas mit einem Jungen anzufangen, doch dann begegnet ihr Caleb. Nicht nur sein unwiderstehliches Grübchen hat es ihr angetan, auch dass er Weihnachtsbäume an Hilfsbedürftige verschenkt, wärmt ihr Herz. Doch da ist auch ein Gerücht, welches ihr eigentlich jeden Kontakt mit ihm verbieten sollte …

Meine Meinung:

„Dein Leuchten“ ist Jay Ashers dritter Jugendroman. Mit leisen Tönen erzählt er hier die wunderbar romantische Geschichte der ersten Liebe zwischen Sierra und Caleb. Der Hintergrund mit dem Weihnachtsbaumverkauf und den ganzen Traditionen drumherum macht das Buch natürlich zu einem perfekten Vorweihnachtsbuch und versetzt in besinnliche Stimmung.

Sierra ist ein taffes Mädchen, die sehr verantwortungs- und familienbewusst ist, aber auch ihre eigene Meinung durchzusetzen weiß. So hört sie auch nicht auf Gerüchte von anderen, sondern macht sich lieber selbst ein Bild. Sie erkennt, dass Caleb es wert ist und kämpft um ihn und ihre Liebe. Es ist sehr schön, wie die beiden sich langsam, ja fast zaghaft, annähern. Beide haben ihre Zweifel, Caleb aufgrund seiner Vergangenheit, Sierra, weil sie nicht glauben kann, dass ihre Liebe die Entfernung, die zwischen ihnen liegt, überdauern kann.

Es gibt einige sehr romantische Szenen, die den Leser bestimmt in die eigene Jugend zurückversetzen, so sie denn schon länger her ist. Auch ein wenig Humor blitzt ab und an auf. Ansonsten kommt der Roman ohne größere Konflikte aus, plätschert oft auch ein wenig vor sich hin. Große Spannung oder gar Dramatik sollte daher nicht erwartet werden.

Allerdings vermittelt er sehr schön die Botschaft, die natürlich auch perfekt zur Weihnachtszeit passt, dass jeder eine zweite Chance verdient hat und es sich für die wahre Liebe zu kämpfen lohnt.

Ich danke dem cbt-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, November 27th, 2016 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Asher, Jay,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Nachdem ich das Buch “Nebel im August” gelesen hatte und auch einer Lesung mit dem Autor Robert Domes beiwohnen konnte, war es für mich selbstverständlich, dass ich mir auch die Verfilmung anschauen möchte. Dies konnte ich nun am gestrigen Tag in unserem kleinen Kronenkino in Zittau, das immer wieder besondere Filme auf die Leinwand bringt, nachholen.

Wer das Buch kennt, dem sei gesagt, dass sich die Verfilmung lediglich auf die letzten Lebensmonate Ernst Lossas, seinen Aufenthalt in der Pflegeanstalt Irsee bis hin zu seinem schrecklichen Tod, bezieht. Über den Inhalt habe ich mich schon ausführlich in Rezension zum Buch und Lesungsbericht ausgelassen. Die eindringlichen Bilder des Films haben das grausame Geschehen in Irsee einmal mehr deutlich gemacht.

Natürlich wurden aufgrund dramaturgischer Effekte einige Aspekte der Buchvorlage entsprechend geändert. Die Kernaussage jedoch, wie verlogen und menschenverachtend dieses perverse System funktioniert hat, bleibt. Einen großen Anteil haben daran auch die Schauspieler, allen voran Ivo Pietzcker. Er gibt herausragend den etwas rebellischen, dabei aber sehr intelligenten Jungen, den man einfach gernhaben muss. Ein klein wenig klischeehaft wirkt der Einsatz der wunderschönen Schwester Edith Kiefer (Henriette Confurius) als Todesengel, der die herzensgute Oberschwester Sophia (Fritzi Haberlandt) gegenübersteht, die einzig das Ziel hat, den Kranken zu helfen und an der Doppelmoral der Obrigen fast zerbricht. Großartig auch Anstaltsleiter Dr. Veithausen (Sebastian Koch), der grandios Engel und Teufel verkörpert. Einerseits kümmert er sich rührend um seine behinderten Schutzbefohlenen, andererseits stellt er vor anderen Anstaltsleitern stolz seine selbst entwickelte Suppe vor, der sämtliche Nährstoffe entzogen wurden, was die Kranken den langsamen Hungertod sterben lässt und natürlich weit weniger auffällig ist.

Bei den Tötungen selbst wird nicht auf große Effekte gezielt, aber gerade das gnädige Abblenden zeigt hier besonders Wirkung. So hinterlässt der Film dann auch einen dicken Kloß im Hals und man möchte das Gesehene am liebsten schnellstmöglich vergessen. Doch das ist nicht möglich, und gerade deshalb ist dieser Film auch so wichtig.

Kerstin hat am Donnerstag, November 24th, 2016 | Geschrieben unter: Domes, Robert,Historisch,Romanverfilmungen | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Es passiert ja relativ selten, dass sich jemand zu einer Lesung in unser kleines Zittau verirrt. Umso größer war meine Freude, als ich feststellte, dass der Autor Robert Domes eingeladen war, seinen biografischen Roman über das kurze Leben des Ernst Lossa – “Nebel im August” – im Rahmen einer Lesung in unserer Christian-Weise-Bibliothek vorzustellen. Ich war nämlich gerade dabei, das Buch zu lesen und wollte es mir natürlich nicht nehmen lassen, eine Signatur zu erhalten und vor allem den Autor und seine Beweggründe kennenzulernen.

lesung_domesDie Lesung war in drei Teile gegliedert. Zuerst berichtete Herr Domes, wie die Idee zu diesem Roman entstanden ist und über seine ausführliche Recherchearbeit. Zum Beispiel wurde er in diversen Ämtern und Heilanstalten vorstellig, interviewte Zeitzeugen und diverse Verwandte von Ernst Lossa, um sich ein umfassendes Bild seines Lebens zu machen. Mit seinem großen rhetorischen Talent und der dabei doch so ruhigen und eindringlichen Art fesselte der Autor seine Zuhörer von der ersten Minute an. Man merkte deutlich, wie sehr ihn persönlich Ernsts Geschichte auch nach der langen Zeit noch nahegeht.

Es folgte ein Lesungsabschnitt, wo Herr Domes einige Schlüsselszenen des Romans in eindrucksvoller Weise wiedergab. Auch hier wusste er absolut zu begeistern, den er brachte den Text, auch durch Einsatz verschiedener Stimmelemente, so lebendig rüber, dass selbst ich, die ja alles bereits gelesen hatte, ihn noch mal völlig anders wahrnahm. Danach hatte sicher nicht nur ich einen Kloß im Hals und auch der Autor brauchte einen Moment, um zurück ins Hier und Jetzt zu finden.signatur_domes

Den Schluss bildete eine Fragerunde, wo sich einige Zuhörer mit Beiträgen aus ihrer persönlichen Vergangenheit einbrachten. Denn auch hier in der ostsächsischen Region gab es nicht wenige Anstalten, in denen ähnliches Grauen stattfand, wie Ernst und Tausende andere Patienten es erdulden mussten. Das alles war sehr interessant und bewegend. Herr Domes berichtete in dem Rahmen auch noch, dass er oft für Schulklassen mit bis zu 100 Teilnehmern liest und es ihm ein großes Anliegen ist, das Thema Euthanasie im Dritten Reich nicht totzuschweigen. Seine Aktionen, die er teilweise unternommen hat, um die Opfer zu ehren, rührten dabei nicht nur mich zu Tränen.

Ich bin sehr froh, an dieser nachdenklich machenden und berührenden Lesung teilgenommen zu haben. Natürlich habe ich mir auch mein Buch signieren lassen. In der kommenden Woche werde ich mir dann auch noch den Film “Nebel im August” ansehen und darüber berichten. Ich danke dem Veranstalter, der Hillerschen Villa, und der Christian-Weise-Bibliothek für diese Möglichkeit.

Kerstin hat am Samstag, November 19th, 2016 | Geschrieben unter: Allgemein,Domes, Robert,Historisch | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Robert Domes
Verlag: cbj
ISBN-10: 3570403289
Taschenbuch 352 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Eines der schwärzesten Kapitel deutscher Geschichte

Zum Inhalt:

Ernst Lossa gehört zu einer Familie fahrender Händler, die im Sommer 1933 durchs bayerische Land zieht. Als die Mutter schwer erkrankt, während der Vater für Geschäfte unterwegs ist, werden ihr die Kinder entrissen. Ernst und seine drei Geschwister landen im Waisenhaus. Der gerade mal Vierjährige entwickelt sich zu einem schwierigen Kind, der einen Hang zum Diebstahl nicht verleugnen kann. Nachdem die Nonnen irgendwann überfordert mit ihm sind, wird er in ein Erziehungsheim abgeschoben. Eine Psychiaterin verpasst ihm hier den Stempel „asozialer Psychopath“, was ihn schließlich in eine psychiatrische Anstalt in Kaufbeuren bringt. Hier endet das viel zu kurze Leben des nicht einmal 15jährigen Ernst mit der Todesspritze. Im Rahmen des Euthanasie-Programmes des Nationalsozialismus wird er als „unwertes Leben“ aus dem Weg geräumt.

Meine Meinung:

Der Journalist und Autor Robert Domes nimmt sich in diesem Buch des Themas Euthanasie im Dritten Reich an – eines der schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte. Über fünf Jahre hat er akribisch recherchiert, Zeitzeugen befragt und so die kurze Lebensgeschichte des Ernst Lossa für die Nachwelt zu Papier gebracht. Sein Einzelschicksal wird zum Präzedenzfall, war er doch weder geistig noch körperlich behindert. Aber er war unbequem, im Weg, ein notorischer Dieb, eigensinnig und hatte die falschen Wurzeln, auf jeden Fall aber genug Voraussetzungen, um vom NS-System verfolgt und gnadenlos zum Schweigen gebracht zu werden. Er steht dabei für die mindestens 200.000 überwiegend namenloser Opfer, die zwischen 1939 und 1945 von den Nazis auf verschiedenste Art ermordet wurden.

Robert Domes hat aus Ernsts Geschichte keine trockene Dokumentation gemacht, sondern einen biografischen Roman geschrieben. Dabei wählt er eine Perspektive, die den Leser zu ca. neunzig Prozent direkt an Ernsts Seite stellt. Er erlebt hautnah mit, was der Junge fühlt, denkt und auch erleiden muss. Das ist nicht immer einfach, das Grauen in dieser Zeit war unvorstellbar. Aber es gibt auch schöne Momente, in denen Ernst glücklich ist. Wenn er an die Zeit mit seiner Familie zurückdenkt, die Streiche mit seinen Freunden, seine erste Verliebtheit. Er ist kein Held, einfach ein normaler Junge, der sich zeit seines Lebens nach Liebe und Aufmerksamkeit sehnt. Der intelligent genug ist, das Grauen zu durchschauen, was ihn wahrscheinlich auch das Leben gekostet hat.

Das Buch kann Jugendlichen wie Erwachsenen gleichermaßen empfohlen werden, die sich für dieses Thema interessieren. Gerade für Jugendliche, denen das Vokabular im Zweiten Weltkrieg nicht mehr so präsent sein dürfte, erklärt ein Glossar im Anhang leicht verständlich alle Begriffe. Jede der Figuren des Romanes hat tatsächlich existiert, wenn die Namen auch teilweise verfälscht wurden. Gerade diese Authentizität macht die Geschichte umso schockierender, je länger man sich damit beschäftigt. Dennoch finde ich es äußert wichtig, dieses dunkle Kapitel nicht totzuschweigen, vor allem in einer Zeit, wo das braune Geschwür wieder zunehmend Nahrung bekommt. Das Thema ist aktuell wie nie.

Auch wenn ich den Film zum Buch, der Ernsts letzte Jahre in Kaufbeuren behandelt und damit nur einen ganz kleinen Teil dieses Roman, noch nicht gesehen habe, möchte ich bereits eine Empfehlung auch dafür aussprechen. Seht euch „Nebel im August“ unbedingt an. Diese Neuauflage des Buches vom Oktober 2016 enthält zahlreiche exklusive Filmfotos.

Ich danke dem cbj-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Freitag, November 18th, 2016 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Biografie,Domes, Robert,Historisch | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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