Kerstins Bücherreich

„Der Bücherwurm liest sogar die Bücher, die er rezensiert.“ Gabriel Laub (1928-98)


Autor:

Jay Asher
Verlag: cbt
ISBN-10: 3570164792
Klappenbroschur: 314 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Perfekt in die Weihnachtszeit passender Jugend-Liebesroman

Zum Inhalt:

Sierras Familie gehört eine Weihnachtsbaumplantage in Oregon und jedes Jahr fahren sie nach Thanksgiving nach Kalifornien, um ihre Bäume an den Mann zu bringen. Schon seit Kindestagen ist Sierra dabei und hilft, so gut sie kann. Dieses könnte ihr letztes Mal sein, denn die Branche tut sich schwer. Für den einen Monat hat Sierra gewiss nicht vor, etwas mit einem Jungen anzufangen, doch dann begegnet ihr Caleb. Nicht nur sein unwiderstehliches Grübchen hat es ihr angetan, auch dass er Weihnachtsbäume an Hilfsbedürftige verschenkt, wärmt ihr Herz. Doch da ist auch ein Gerücht, welches ihr eigentlich jeden Kontakt mit ihm verbieten sollte …

Meine Meinung:

„Dein Leuchten“ ist Jay Ashers dritter Jugendroman. Mit leisen Tönen erzählt er hier die wunderbar romantische Geschichte der ersten Liebe zwischen Sierra und Caleb. Der Hintergrund mit dem Weihnachtsbaumverkauf und den ganzen Traditionen drumherum macht das Buch natürlich zu einem perfekten Vorweihnachtsbuch und versetzt in besinnliche Stimmung.

Sierra ist ein taffes Mädchen, die sehr verantwortungs- und familienbewusst ist, aber auch ihre eigene Meinung durchzusetzen weiß. So hört sie auch nicht auf Gerüchte von anderen, sondern macht sich lieber selbst ein Bild. Sie erkennt, dass Caleb es wert ist und kämpft um ihn und ihre Liebe. Es ist sehr schön, wie die beiden sich langsam, ja fast zaghaft, annähern. Beide haben ihre Zweifel, Caleb aufgrund seiner Vergangenheit, Sierra, weil sie nicht glauben kann, dass ihre Liebe die Entfernung, die zwischen ihnen liegt, überdauern kann.

Es gibt einige sehr romantische Szenen, die den Leser bestimmt in die eigene Jugend zurückversetzen, so sie denn schon länger her ist. Auch ein wenig Humor blitzt ab und an auf. Ansonsten kommt der Roman ohne größere Konflikte aus, plätschert oft auch ein wenig vor sich hin. Große Spannung oder gar Dramatik sollte daher nicht erwartet werden.

Allerdings vermittelt er sehr schön die Botschaft, die natürlich auch perfekt zur Weihnachtszeit passt, dass jeder eine zweite Chance verdient hat und es sich für die wahre Liebe zu kämpfen lohnt.

Ich danke dem cbt-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, November 27th, 2016 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Asher, Jay,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Nachdem ich das Buch “Nebel im August” gelesen hatte und auch einer Lesung mit dem Autor Robert Domes beiwohnen konnte, war es für mich selbstverständlich, dass ich mir auch die Verfilmung anschauen möchte. Dies konnte ich nun am gestrigen Tag in unserem kleinen Kronenkino in Zittau, das immer wieder besondere Filme auf die Leinwand bringt, nachholen.

Wer das Buch kennt, dem sei gesagt, dass sich die Verfilmung lediglich auf die letzten Lebensmonate Ernst Lossas, seinen Aufenthalt in der Pflegeanstalt Irsee bis hin zu seinem schrecklichen Tod, bezieht. Über den Inhalt habe ich mich schon ausführlich in Rezension zum Buch und Lesungsbericht ausgelassen. Die eindringlichen Bilder des Films haben das grausame Geschehen in Irsee einmal mehr deutlich gemacht.

Natürlich wurden aufgrund dramaturgischer Effekte einige Aspekte der Buchvorlage entsprechend geändert. Die Kernaussage jedoch, wie verlogen und menschenverachtend dieses perverse System funktioniert hat, bleibt. Einen großen Anteil haben daran auch die Schauspieler, allen voran Ivo Pietzcker. Er gibt herausragend den etwas rebellischen, dabei aber sehr intelligenten Jungen, den man einfach gernhaben muss. Ein klein wenig klischeehaft wirkt der Einsatz der wunderschönen Schwester Edith Kiefer (Henriette Confurius) als Todesengel, der die herzensgute Oberschwester Sophia (Fritzi Haberlandt) gegenübersteht, die einzig das Ziel hat, den Kranken zu helfen und an der Doppelmoral der Obrigen fast zerbricht. Großartig auch Anstaltsleiter Dr. Veithausen (Sebastian Koch), der grandios Engel und Teufel verkörpert. Einerseits kümmert er sich rührend um seine behinderten Schutzbefohlenen, andererseits stellt er vor anderen Anstaltsleitern stolz seine selbst entwickelte Suppe vor, der sämtliche Nährstoffe entzogen wurden, was die Kranken den langsamen Hungertod sterben lässt und natürlich weit weniger auffällig ist.

Bei den Tötungen selbst wird nicht auf große Effekte gezielt, aber gerade das gnädige Abblenden zeigt hier besonders Wirkung. So hinterlässt der Film dann auch einen dicken Kloß im Hals und man möchte das Gesehene am liebsten schnellstmöglich vergessen. Doch das ist nicht möglich, und gerade deshalb ist dieser Film auch so wichtig.

Kerstin hat am Donnerstag, November 24th, 2016 | Geschrieben unter: Domes, Robert,Historisch,Romanverfilmungen | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Es passiert ja relativ selten, dass sich jemand zu einer Lesung in unser kleines Zittau verirrt. Umso größer war meine Freude, als ich feststellte, dass der Autor Robert Domes eingeladen war, seinen biografischen Roman über das kurze Leben des Ernst Lossa – “Nebel im August” – im Rahmen einer Lesung in unserer Christian-Weise-Bibliothek vorzustellen. Ich war nämlich gerade dabei, das Buch zu lesen und wollte es mir natürlich nicht nehmen lassen, eine Signatur zu erhalten und vor allem den Autor und seine Beweggründe kennenzulernen.

lesung_domesDie Lesung war in drei Teile gegliedert. Zuerst berichtete Herr Domes, wie die Idee zu diesem Roman entstanden ist und über seine ausführliche Recherchearbeit. Zum Beispiel wurde er in diversen Ämtern und Heilanstalten vorstellig, interviewte Zeitzeugen und diverse Verwandte von Ernst Lossa, um sich ein umfassendes Bild seines Lebens zu machen. Mit seinem großen rhetorischen Talent und der dabei doch so ruhigen und eindringlichen Art fesselte der Autor seine Zuhörer von der ersten Minute an. Man merkte deutlich, wie sehr ihn persönlich Ernsts Geschichte auch nach der langen Zeit noch nahegeht.

Es folgte ein Lesungsabschnitt, wo Herr Domes einige Schlüsselszenen des Romans in eindrucksvoller Weise wiedergab. Auch hier wusste er absolut zu begeistern, den er brachte den Text, auch durch Einsatz verschiedener Stimmelemente, so lebendig rüber, dass selbst ich, die ja alles bereits gelesen hatte, ihn noch mal völlig anders wahrnahm. Danach hatte sicher nicht nur ich einen Kloß im Hals und auch der Autor brauchte einen Moment, um zurück ins Hier und Jetzt zu finden.signatur_domes

Den Schluss bildete eine Fragerunde, wo sich einige Zuhörer mit Beiträgen aus ihrer persönlichen Vergangenheit einbrachten. Denn auch hier in der ostsächsischen Region gab es nicht wenige Anstalten, in denen ähnliches Grauen stattfand, wie Ernst und Tausende andere Patienten es erdulden mussten. Das alles war sehr interessant und bewegend. Herr Domes berichtete in dem Rahmen auch noch, dass er oft für Schulklassen mit bis zu 100 Teilnehmern liest und es ihm ein großes Anliegen ist, das Thema Euthanasie im Dritten Reich nicht totzuschweigen. Seine Aktionen, die er teilweise unternommen hat, um die Opfer zu ehren, rührten dabei nicht nur mich zu Tränen.

Ich bin sehr froh, an dieser nachdenklich machenden und berührenden Lesung teilgenommen zu haben. Natürlich habe ich mir auch mein Buch signieren lassen. In der kommenden Woche werde ich mir dann auch noch den Film “Nebel im August” ansehen und darüber berichten. Ich danke dem Veranstalter, der Hillerschen Villa, und der Christian-Weise-Bibliothek für diese Möglichkeit.

Kerstin hat am Samstag, November 19th, 2016 | Geschrieben unter: Allgemein,Domes, Robert,Historisch | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Robert Domes
Verlag: cbj
ISBN-10: 3570403289
Taschenbuch 352 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Eines der schwärzesten Kapitel deutscher Geschichte

Zum Inhalt:

Ernst Lossa gehört zu einer Familie fahrender Händler, die im Sommer 1933 durchs bayerische Land zieht. Als die Mutter schwer erkrankt, während der Vater für Geschäfte unterwegs ist, werden ihr die Kinder entrissen. Ernst und seine drei Geschwister landen im Waisenhaus. Der gerade mal Vierjährige entwickelt sich zu einem schwierigen Kind, der einen Hang zum Diebstahl nicht verleugnen kann. Nachdem die Nonnen irgendwann überfordert mit ihm sind, wird er in ein Erziehungsheim abgeschoben. Eine Psychiaterin verpasst ihm hier den Stempel „asozialer Psychopath“, was ihn schließlich in eine psychiatrische Anstalt in Kaufbeuren bringt. Hier endet das viel zu kurze Leben des nicht einmal 15jährigen Ernst mit der Todesspritze. Im Rahmen des Euthanasie-Programmes des Nationalsozialismus wird er als „unwertes Leben“ aus dem Weg geräumt.

Meine Meinung:

Der Journalist und Autor Robert Domes nimmt sich in diesem Buch des Themas Euthanasie im Dritten Reich an – eines der schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte. Über fünf Jahre hat er akribisch recherchiert, Zeitzeugen befragt und so die kurze Lebensgeschichte des Ernst Lossa für die Nachwelt zu Papier gebracht. Sein Einzelschicksal wird zum Präzedenzfall, war er doch weder geistig noch körperlich behindert. Aber er war unbequem, im Weg, ein notorischer Dieb, eigensinnig und hatte die falschen Wurzeln, auf jeden Fall aber genug Voraussetzungen, um vom NS-System verfolgt und gnadenlos zum Schweigen gebracht zu werden. Er steht dabei für die mindestens 200.000 überwiegend namenloser Opfer, die zwischen 1939 und 1945 von den Nazis auf verschiedenste Art ermordet wurden.

Robert Domes hat aus Ernsts Geschichte keine trockene Dokumentation gemacht, sondern einen biografischen Roman geschrieben. Dabei wählt er eine Perspektive, die den Leser zu ca. neunzig Prozent direkt an Ernsts Seite stellt. Er erlebt hautnah mit, was der Junge fühlt, denkt und auch erleiden muss. Das ist nicht immer einfach, das Grauen in dieser Zeit war unvorstellbar. Aber es gibt auch schöne Momente, in denen Ernst glücklich ist. Wenn er an die Zeit mit seiner Familie zurückdenkt, die Streiche mit seinen Freunden, seine erste Verliebtheit. Er ist kein Held, einfach ein normaler Junge, der sich zeit seines Lebens nach Liebe und Aufmerksamkeit sehnt. Der intelligent genug ist, das Grauen zu durchschauen, was ihn wahrscheinlich auch das Leben gekostet hat.

Das Buch kann Jugendlichen wie Erwachsenen gleichermaßen empfohlen werden, die sich für dieses Thema interessieren. Gerade für Jugendliche, denen das Vokabular im Zweiten Weltkrieg nicht mehr so präsent sein dürfte, erklärt ein Glossar im Anhang leicht verständlich alle Begriffe. Jede der Figuren des Romanes hat tatsächlich existiert, wenn die Namen auch teilweise verfälscht wurden. Gerade diese Authentizität macht die Geschichte umso schockierender, je länger man sich damit beschäftigt. Dennoch finde ich es äußert wichtig, dieses dunkle Kapitel nicht totzuschweigen, vor allem in einer Zeit, wo das braune Geschwür wieder zunehmend Nahrung bekommt. Das Thema ist aktuell wie nie.

Auch wenn ich den Film zum Buch, der Ernsts letzte Jahre in Kaufbeuren behandelt und damit nur einen ganz kleinen Teil dieses Roman, noch nicht gesehen habe, möchte ich bereits eine Empfehlung auch dafür aussprechen. Seht euch „Nebel im August“ unbedingt an. Diese Neuauflage des Buches vom Oktober 2016 enthält zahlreiche exklusive Filmfotos.

Ich danke dem cbj-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Freitag, November 18th, 2016 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Biografie,Domes, Robert,Historisch | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Ylvi Walker
Verlag: Selfpublishing
ASIN: B01BFB8OI2
E-Book: 336 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

 

Ein Teufel, wie man ihn so nicht erwartet …

Inhalt:

Mary-Margaret wird seit einiger Zeit vom Pech verfolgt und muss schließlich sogar bei ihrer etwas anstrengenden Schwägerin Obdach nehmen. Deren Sohn hat nur Unfug im Kopf und versucht sich an einer Dämonenbeschwörung. Dabei ruft er den Höllenfürsten persönlich auf den Plan. Luzifer wurde es gerade ein wenig langweilig in der Hölle und so nutzt er sehr gern die Gelegenheit, sich etwas auf der Erde umzuschauen, zumal ihn Mary-Margaret sehr fasziniert und er sie für sich gewinnen will.

Er muss feststellen, dass er nicht der Einzige ist, der sich für sie interessiert. Seine bösartige Ex Lilith hat offenbar eigene Pläne mit ihr, die kein gutes Ende versprechen. Nun bleiben Luzifer nur 48 Stunden, um Mary-Margaret, die der männlichen Spezies abgeschworen hat, für sich zu gewinnen und Liliths Plan zu vereiteln. Dabei wird ein Szenario heraufbeschworen, das das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle für immer zerstören könnte.

Meine Meinung:

„Candlelight & Fegefeuer“ ist der Auftakt der Luzifer-Trilogie von Ylvi Walker. Wer jetzt allerdings ein klares Bild vom Himmel und seinen Bewohnern als den Guten und der Hölle, inklusive Luzifer und seinen Dämonen, als den Bösen erwartet, wird eines Besseren belehrt. Hier stellt die Autorin alles auf den Kopf oder sorgt zumindest für genug Grauzonen, sodass man sich nie sicher sein kann, wer Protagonist und wer Antagonist ist.

Ich muss zugeben, mir war Luzifer dann doch einen Tick zu brav. Ein klein wenig mehr böse Energie hätte ich ihm gewünscht, zumal die vielen Jahre in der Hölle ja auch irgendwo Wirkung zeigen müssten. Dagegen sind selbst die restlichen Erzengel wesentlich vielschichtiger. Jedoch fand ich sehr schön, dass er zu seinen Gefühlen steht, alles zu opfern bereit ist für seine Liebe und in Gegenwart seiner Mary-Margaret oft so herrlich unsicher wird.

Auch die Nebencharaktere, vor allem Emmanuelle, sind sehr vielversprechend. Die Liebesgeschichte zwischen Luzifer und Mary-Margaret verläuft natürlich sehr rasant. Aber das kann einerseits durch die Extremsituation, in der es um Leben oder Tod geht, sowie natürlich die limitierte Zeit auf Erden von Luzifer gut verschmerzt werden. In dem Zusammenhang passt es sehr gut, dass den beiden nach der überstandenen Katastrophe alle Zeit der Welt für den Aufbau einer Beziehung gelassen und nichts überstürzt wird.

Wer es liebt, in fantasievolle Welten abzutauchen, wo der Humor und eine berührende Liebesgeschichte sowie ein spannendes Finale nicht fehlen, wird von diesem Buch nicht enttäuscht sein.

Kerstin hat am Samstag, November 12th, 2016 | Geschrieben unter: Fantasy/Paranormal,Liebesroman,Walker, Ylvi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Corina Bomann
Verlag: List Verlag
ISBN-10: 3471351426
Gebundene Ausgabe 378 Seiten
Persönliche
Wertung:
,5

 

Mit dem Barbarazweig zum Glück

Inhalt:

Die Familie Baabe betreibt im Ostseebad Heiligendamm im Jahre 1902 ein Gästehaus. Die Tochter des Hauses soll sich gemäß den Wünschen ihrer Eltern am Weihnachtsabend verloben, doch keiner der Heiratskandidaten entspricht ihren Vorstellungen, gehört ihr Herz doch längst einem anderen. Nur leider gehört Peter zur Familie Vandenboom und da eine lange Feindschaft beide Familien verbindet, ist ein glückliches Ende für Johanna schlicht unerreichbar.

Ihr Bruder Christian findet unterdessen eine junge Frau halbtot am Strand. Die Schiffbrüchige hat ihr Gedächtnis verloren und wird vorerst im Gästehaus der Baabes betreut. Ganz wichtig scheint ihr ein Barbarazweig zu sein, den sie fest umklammert hielt, als sie gefunden wurde. Christian beginnt schon bald Gefühle für Barbara zu entwickeln, doch seine Mutter begegnet ihr voller Misstrauen. Dies setzt Dinge in Bewegung, die alles verändern werden.

Meine Meinung:

Obwohl ich bereits einige Bücher von Corina Bomann besitze und sie schon zweimal persönlich treffen durfte, ist „Winterblüte“ mein erster gelesener Roman der Autorin. Vorab möchte ich dem Verlag ein Kompliment für das wunderschöne Buchcover machen. Die kleinen goldenen Applikationen sind ein echtes Highlight und machen den Umschlag zu etwas Besonderem.

Mich hat an dem Buch sowohl das Setting gereizt, da ich das Meer liebe und meine Mutter vor vielen Jahren öfter in Heiligendamm zur Kur war, also auch die Zeit, in der es spielt. Der Beginn des 20. Jahrhunderts war einfach eine Zeit großer Umwälzungen und es passt sehr gut, dass mit dieser Geschichte auch verstaubte Traditionen und Standesregeln aufgehoben werden.

Der Roman ist ein wunderschönes Winter-/Weihnachtsbuch und der beliebte Brauch des Barbarazweigs zieht sich wie ein roter Faden hindurch. Hauptaugenmerk liegt aber vor allem auf den Personen und ihren Liebesgeschichten. Ich fand die Charaktere sehr interessant gestaltet, auch den Wandel, den sie irgendwie alle durchleben. Durch die Schiffbrüchige und das große Familiendrama in der Vergangenheit zwischen den Baabes und den Vandenbooms gibt es genug Geheimnisse, die für Spannung und Aufregung sorgen.

Die Autorin bedient sich einer einfachen, aber sehr gewählten Sprache, die den Leser förmlich in die damalige Zeit und ihre Traditionen zieht. Einmal darauf eingelassen, war man richtiggehend gefangen vom Liebesdrama der Johanna und dem Kampf ums Erinnern bei Barbara. Von Herzen gönnte ich beiden ihr Glück, welches die Barbarazweige schlussendlich ja auch verkündeten. Natürlich war mit großen Überraschungen nicht zu rechnen und alles schon in wenig vorhersehbar, dafür das Ende aber umso romantischer und herzergreifend.

Ein wenig mehr Information hätte ich mir schon zum Ort und der damaligen Zeit gewünscht, wenn schon so ein interessanter historischer Schauplatz vorliegt, aber das bedeutet jetzt nicht wirklich große Abstriche, denn am wichtigsten ist nun mal die Liebe.

Am besten genießt man den Roman schön eingekuschelt mit einem Tee vor dem Kamin oder auf der Couch. Mich hat „Winterblüte“ aus der Gegenwart gerissen, in eine Liebesgeschichte katapultiert, um die es sich zu kämpfen lohnt, und sie hat den Zauber einer vergangenen Zeit auferstehen lassen. Klare Leseempfehlung für die Winterzeit, aber auch jederzeit sonst.

Ich danke vorablesen.de und dem List-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, November 6th, 2016 | Geschrieben unter: Bomann, Corina,Historisch,Liebesroman | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Michael Tsokos
Verlag: Droemer
ISBN-10: 342627700X
Klappen-broschur: 186 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Die Wahrheit über die größten Irrtümer der Rechtsmedizin

Zum Inhalt:

Was sieht man nicht alles in den beliebten Fernsehkrimis oder diversen CSI-Formaten aus Amerika, wenn es um die Identifizierung von Toten oder die Arbeit von Rechtsmedizinern geht. Eine Menge Klischees sind da im Umlauf, die mit der Realität wenig bis nichts zu tun haben. Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, Professor Michael Tsokos, bringt Licht ins Dunkel und klärt sachlich und für den Laien verständlich über 40 Irrtümer auf.

Meine Meinung:

Die Rechtsmedizin ist ein Fachgebiet, das mich schon länger fasziniert. So bin ich auch, weniger beim Tatort, aber was die ganzen amerikanischen Serien in dem Bereich angeht ziemlich up to date. Natürlich stellt sich einem da schon manchmal die Frage, inwieweit einem hier realitätsnahes Wissen vermittelt wird. Daher war ich sehr gespannt, was ein anerkannter Fachmann wie Michael Tsokos, den ich als Person und Autor sehr schätze, dazu zu sagen hat und welche Details wirklich ins Reich der Fantasie gehören.

Das kleine Büchlein liest sich flugs weg, da die insgesamt 40 Irrtümer auf jeweils maximal 2 bis 3 Seiten abgehandelt sind, es einige leere Seiten gibt und das Ganze auch noch durch zum Thema passende Illustrationen von Christoph J. Kellner aufgelockert wird.

Zugegeben, ein großer Prozentsatz der „Irrtümer“ sollte für jede mit einem gesunden Menschenverstand ausgerüstete Person keiner sein. Manche Erklärungen wirken daher schon ein wenig an ein etwas minderbemitteltes Klientel gerichtet. Vielleicht ist dem auch geschuldet, dass Herr Tsokos hier an einigen Stellen etwas oberlehrerhaft, wenn nicht sogar arrogant, erscheint. Aber er ist ohne Zweifel eine Koryphäe auf seinem Gebiet, deshalb kann ich ihm das auch nicht wirklich übel nehmen.

Die Irrtümer werden klar und sachlich aufgeklärt, sind teilweise amüsant zu lesen und bieten in einigen wenigen Fällen sogar interessantes Wissen, das sicherlich bisher nicht jedem zu eigen war.

Damit war „Sind Tote immer leichenblass?“ für mich eine durchaus interessante und vor allem unterhaltsam aufbereitete Sammlung von Irrtümern die Rechtsmedizin betreffend und deren Klarstellung.

Ich danke dem Droemer Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, Oktober 30th, 2016 | Geschrieben unter: Sachbuch,Tsokos, Michael | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Cody McFadyen
Verlag: Lübbe
ISBN-10: 3785725663
Gebundene Ausgabe 477 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Erwartungen leider nicht erfüllt

Inhalt:

Der grauenhafte Mord an einer fünfköpfigen Familie in Denver ruft FBI-Agentin Smoky Barrett und ihr Team auf den Plan, denn sie wird vom Mörder mittels einer Botschaft direkt angesprochen. Doch die Mitglieder dieser Familie sind nicht die einzigen Opfer. Smoky gerät in einen Sog des Bösen, dessen Ausmaß jede Vorstellungskraft sprengt. Die hochschwangere Agentin entkommt nur knapp einem Serienkiller und muss fortan um ihr Leben und das ihrer Familie bangen. Wird ihre Psyche daran zerbrechen?

Meine Meinung:

Ich war von Beginn an ein großer Fan der Smoky Barrett-Reihe von Cody McFadyen und freute mich sehr, als bekannt wurde, dass es endlich die lang verschobene Fortsetzung geben sollte. Bei so heiß ersehnten Büchern gönne ich mir hin und wieder schon mal die Hardcover-Ausgabe und warte nicht aufs Taschenbuch. Ich bin allerdings sehr froh, dass ich in diesem Fall ein Bibliotheksexemplar ergattern und mir so das Geld sparen konnte.

Das Buch unterscheidet sich klar von seinen Vorgängen in punkto Schreibstil, Spannung und Tempo. Es ist in drei Teile gegliedert. Den ersten Teil fand ich auch noch richtig gut. Unvorstellbare Szenarien, extreme Gewalt, enorme Spannung, auch wenn die ganze Bunkeranlage schon einen ziemlich unglaubwürdigen Touch hat. Dennoch, ich war begeistert.

Danach scheint es plötzlich, als wäre in dem Autor eine Wandlung vor sich gegangen. Der zweite und größte Teil beschäftigt sich mit dem psychischen Trauma, welches Smoky erlitten hat. Dass ihr Erleben, noch dazu in hochschwangerem Zustand, schwer zu verkraften gewesen sein muss, keine Frage. Allerdings ergeht sich der Autor nun in derart ausschweifendem Psychogeschwafel, mit unzähligen Wiederholungen, dass das Lesen tatsächlich zur Tortur wird. Oft ist kaum zu unterscheiden zwischen Traum und Wirklichkeit, Smoky erinnert sich an jede Menge zurückliegender Fälle, die überhaupt keine Relevanz haben und das ganze Buch unnötig aufblähen. Irgendwo muss der stolze Preis wohl gerechtfertigt werden. Vieles davon wäre in einem psychologischen Fachbuch auf jeden Fall besser aufgehoben gewesen als in einem Thriller, auch wenn es in Teilen nicht uninteressant war.

Der dritte Teil schließlich soll die Auflösung bringen. Soll wohlgemerkt, denn letztendlich wird nur einer der Täter entlarvt und das auch noch auf eine Weise, die mir ebenfalls nicht zusagt. Da lässt man seine Mitarbeiter einfach mal ein paar Tage ein bisschen recherchieren, setzt sich dann gemeinsam an einen Tisch und schwupps hat sich ein Verdächtiger durch einen sehr leichtsinnigen Fehler herauskristallisiert. Dabei deckt man noch auf, dass das Ganze unvorstellbare Dimensionen annimmt und bis in höchste Kreise reicht. Trotzdem bleiben jede Menge „Warums“, „Weshalbs“ und „Was sollte der ganze Aufwand eigentlich?“ übrig.

Schön zu wissen am Ende, Smoky ist wieder in der Spur und kann sich nun auf die Jagd nach dem Rest der so überaus genialen Bande machen. Auf dass der nun noch nicht abgeschreckte Leser auch die nächsten Bände kaufen möge. Ich befürchte ja fast, dass die Taktik nicht aufgehen und Cody McFadyen mit diesem 5. Band einige treue Leser verloren haben wird. Ich bin auf jeden Fall in starkem Zweifel, ob ich wissen muss, wer nun der Wolf und der Folterer sowie der Kopf der Reiter sind.

Für den doch sehr vielversprechenden Beginn des Romans und einige Schockmomente sowie berührende Szenen im späteren Verlauf, bin ich geneigt, zwei Sterne zu hinterlassen, aber mehr war hier wirklich nicht drin.

Kerstin hat am Samstag, Oktober 29th, 2016 | Geschrieben unter: McFadyen, Cody,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Yvonne Richter
Verlag: Fabulus-Verlag
ISBN-10: 3944788289
Gebundene Ausgabe 295 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

Kindgerechte Dystopie mit einigen Schwächen

Inhalt:

Es ist nicht leicht, in der Welt der Castingindustrie zu überleben. Neben Geld muss sogar Wohnraum, Nahrung und Kleidung in teilweise hirnrissigen Castings erspielt werden. Lovis findet in Jo und einigen anderen Jugendlichen Gleichgesinnte, die dem System den Kampf ansagen wollen. Nach und nach gelingt es ihnen, das Räderwerk ein wenig ins Stocken zu bringen. Mit weiteren Freunden und auch erwachsenen Helfern gründen sie eine Gemeinschaft, die sie unabhängig vom Castingrummel machen soll. Doch man ist ihnen bereits dicht auf den Fersen.

Meine Meinung:

Als großer Fan der Panem-Trilogie hat mich der Klappentext von „Casting“ sehr angesprochen, da mir diese dystopische Welt, betrachtet man die unzähligen Casting-Formate im TV, gar nicht mal so unrealistisch erschien. Leider konnte mich Yvonne Richter mit ihrem Buch nicht wirklich überzeugen.

Die Grundidee ist sehr originell, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass dieses System tatsächlich funktionieren würde. Allerdings ist das Buch auf eine Leserschaft ab 10 Jahren ausgelegt, die sich über die Hintergrunde und Zusammenhänge wahrscheinlich nicht detailliert den Kopf zerbricht. Ich persönlich hätte mir auch ein paar Informationen erhofft, wie es dazu kommen konnte.

Größtes Manko des Buches ist für mich allerdings die Sprache. Zwar gewöhnt man sich nach einer Weile an die ungewöhnlichen Namen, aber gerade bei den Juroren – u. a. Kroko Flanell, Kami Katze oder Quassel Strippe – ist mir das einfach zu gewollt komisch. Dann gibt es noch weitere Wortfindungen wie Kaltfrisch (Kühlschrank), Redfon (vermutlich Telefon/Handy) und die ganzen Verbindungen mit Cast wie Castidaten, Castrolleure, Castiener u. v. m. Wenn man wie ich die deutsche Sprache liebt, dann rollen sich da wirklich die Fußnägel auf, und auf Dauer nervt es einfach. Die jugendlichen Leser könnten das durchaus witzig finden, bleibt zu hoffen, dass sie es nicht in ihren Sprachgebrauch übernehmen.

Die Figuren sind nicht schlecht gestaltet, eine wirkliche Nähe zu ihnen bekommt man jedoch nicht. Auch komisch, dass sich in dieser Ellenbogengesellschaft, wo jeder ums eigene Überleben kämpfen muss, plötzlich so viele Gleichgesinnte finden und kein Verräter drunter ist. Großgeschrieben wird hier jedoch die Freundschaft, gegenseitige Unterstützung und der Gemeinschaftssinn, was sicher positiv zu bewerten ist.

Es gibt während der Castings ein paar spannende Momente und auch auf das Ende zu, aber insgesamt plätschert die Story eher so vor sich hin. Zu guter Letzt finde ich es auch relativ unrealistisch, dass ein offenbar seit Jahrzehnten etabliertes System durch ein paar kleine Streiche, die fast ausnahmslos gelingen, ins Wanken und schließlich von heut auf morgen aus den Fugen gerät. Die Mitwirkenden der Casting-Industrie wirken allesamt ein wenig trottelig, was es dann schon wieder nachvollziehbar macht, allerdings nicht, wie es so weit kommen konnte.

Ich schwanke bei diesem Buch wirklich sehr bei der Bewertung, da es mich persönlich nicht begeistern konnte. Allerdings für die jungen Leser der Zielgruppe dürfte dieses Abenteuer einer Gruppe enger Freunde mit der einfach zu lesenden Sprache durchaus eine nette Abwechslung sein, daher vergebe ich drei Sterne.

Ich danke dem Fabulus-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Kerstin hat am Sonntag, Oktober 16th, 2016 | Geschrieben unter: Abenteuer,All Age/Jugend,Richter, Yvonne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

Autor:

Anna Snoekstra
Verlag: HarperCollins
ISBN-10: 3959670354
Klappenbroschur: 304 Seiten
Persönliche
Wertung:

 

 

Subtiles Versteckspiel um verschwundenen Teenager

Inhalt:

Eine junge Rumtreiberin, dem lieblosen Zuhause entflohen, wird beim Diebstahl erwischt. Um ihre wahre Identität zu verschleiern, behauptet sie kurzerhand, die vor 11 Jahren verschwundene Rebecca Winter zu sein. In einer Nachrichtensendung hatte sie festgestellt, dass sie dieser verblüffend ähnlich sieht. Anfangs genießt sie die ungewohnte Zuwendung der über ihre Rückkehr überaus glücklichen Familie. Doch von Tag zu Tag wird es schwieriger, vor Familie, Freunden und der Polizei Rebeccas Rolle zu spielen. Als sie hinter einige Geheimnisse von Rebecca kommt und selbst bedroht wird, entsteht der Wunsch in ihr, wenigstens die Wahrheit hinter dem Verschwinden von Rebecca aufzudecken, was sie in tödliche Gefahr bringt.

Meine Meinung:

Der Thriller von Anna Snoekstra hat mich wirklich in seinen Bann gezogen. Die Autorin schafft es, bis zur letzten Seite eine subtile Spannung und geheimnisvolle Atmosphäre aufzubauen, sodass man das Buch unmöglich vor der Auflösung zur Seite legen kann.

Die echte und falsche Rebecca (ihr wahrer Name bleibt ein Geheimnis) sind keine wirklichen Sympathieträger, halt Teenager mit Ecken und Kanten, die rebellieren, unkluge Entscheidungen treffen, aber auch von ihrer Umwelt nicht gerade rücksichtsvoll behandelt werden. Von daher konnte ich mit ihnen auch ganz gut klarkommen.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Einerseits erhält der Leser Einblick in die Tage vor Rebeccas Verschwinden im Jahr 2003, ihre Sorgen und Probleme. Den größeren Teil nimmt das Handeln der „falschen“ Rebecca im Jahr 2014 ein. Neben der Zeitangabe am Kapitelbeginn wird zudem die Vergangenheit in der dritten Person erzählt, die Gegenwart aus der Ich-Perspektive. Daher fällt es wirklich leicht, beide Ebenen voneinander abzugrenzen. Sie bauen auch sehr geschickt aufeinander auf, sodass die Spannung wirklich nie abreißt.

Da ich keine volle Punktzahl vergeben konnte, gibt es auch ein paar kleinere Kritikpunkte. Die falsche Rebecca kommt mir oft sehr unreif vor, halt wirklich wie ein Teenager und vor allem sehr hormongesteuert. Sie passt gut in die Rolle der 16-jährigen Rebecca, allerdings nicht in die einer 27-jährigen Frau, die sie inzwischen sein sollte. Die Handlungsweise der Polizei, die „Bec“ so schnell vom Haken lässt, erscheint ebenfalls ein wenig unglaubwürdig.

Die Autorin legt geschickt einige Spuren mittels zwielichtigen Nebenfiguren, sodass es mehrere Möglichkeiten für einen Tatverdächtigen gibt. Die tatsächliche Auflösung ist wirklich eine Überraschung und absolut unvorhersehbar. Allerdings verlaufen einige Handlungsstränge durch das relativ abrupte Ende dann doch im Sande, wo ich mir etwas mehr Erklärungen gewünscht hätte. Auf die Bilder im Kopf von einer bestimmten Szene hätte ich auch ganz gut verzichten können, aber das gehört wohl leider zur Täterbeschreibung dazu.

Insgesamt jedoch hat der Roman durchaus zu fesseln verstanden und eine gewisse Sogwirkung entwickelt. Für Freunde des subtilen Thrills daher eine klare Leseempfehlung.

Mir wurde „Ihr letzter Sommer“ aus dem HarperCollins Verlag von als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Bestellen kannst du es auf direktem Weg hier.

Kerstin hat am Dienstag, Oktober 11th, 2016 | Geschrieben unter: All Age/Jugend,Snoekstra, Anna,Thriller/Krimi | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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